Erfolge und Ziele

Jugend und Schule

Leichte Sprache

Kindheit und Jugend


Artikel 7 der UN-Behindertenrechtskonvention

(1) Die Vertragsstaaten treffen alle erforderlichen Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass Kinder mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen Kindern alle Menschenrechte und Grundfreiheiten genießen können.

(2) Bei allen Maßnahmen, die Kinder mit Behinderungen betreffen, ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist.

(3) Die Vertragsstaaten gewährleisten, dass Kinder mit Behinderungen das Recht haben, ihre Meinung in allen sie berührenden Angelegenheiten gleichberechtigt mit anderen Kindern frei zu äußern (…) (und dass sie) behinderungsgerechte sowie altersgemäße Hilfe erhalten, damit sie dieses Recht verwirklichen können.



Herausforderungen

Der LWL engagiert sich seit vielen Jahren in Sachen Inklusion. Mehr als 90 % der Kinder mit Behinderung werden inzwischen gemeinsam mit Kindern ohne Behinderungen gefördert. Sie sind in den Kindertagesstätten weitestgehend sozial integriert. Weiterhin betreuen von ehemals 33 reinen heilpädagogischen Kitas (HPK) heute nur noch 18 ausschließlich Kinder mit Behinderungen und auch hier ist eine weitere Umwandlung geplant. Alle anderen HPKs betreuen sowohl Kinder mit als auch ohne Behinderung. Eine große Erleichterung stellt für Eltern und Kinder die Möglichkeit der therapeutischen Behandlung in der Kita dar. Das aufwändige Aufsuchen einer externen Praxis zur therapeutischen Versorgung der Kinder ist nicht mehr erforderlich. Aber nicht nur bei der Inklusion in Kitas kann der LWL auf Erfolge zurückblicken. Beispielsweise ermöglicht der LWL auch zahlreichen Kindern mit Behinderungen ein Aufwachsen in einer Westfälischen Pflegefamilie. Anfang 2013 lag der Anteil der Kinder mit
Behinderungen bei ca. 10 % von insgesamt 1.230 Kindern. Im Bereich der Jugendfreiwilligendienste hat der LWL seit Installierung der Dienste für eine große Vielfalt von Teilnehmenden gesorgt und dadurch stetig Austausch und Akzeptanz von Verschiedensein gefördert.

Gemeinsam von Anfang an

Birgit Westers, LWL-Jugenddezernentin

LWL-Jugenddezernentin Birgit Westers

Inklusion ist ein Thema, das alle angeht. Um das Denken und Handeln von Menschen zu verändern, müssen möglichst viele Menschen erkennen, dass gelebte Inklusion den Alltag der Menschen mit und auch ohne Behinderung bereichert. Hier können Erwachsene viel von Kindern lernen. Ihnen gelingt von Anfang an, wo wir uns oft schwer tun. Sie lernen in gemeinsamen Gruppen wechselseitig voneinander und leben einen ganz selbstverständlichen Umgang mit Stärken und Beeinträchtigungen des anderen. Was in der Kita heute schon Alltag ist, stellt für Schule noch eine Herausforderung dar. Auch hier will der LWL Inklusion engagiert und umsichtig voranbringen.

Schule


Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention

Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen [...].

Bei der Verwirklichung dieses Rechts stellen die Vertragsstaaten sicher, dass Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Schulsystem ausgeschlossen werden [...]; Menschen mit Behinderungen haben gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem inklusiven hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen.



Herausforderungen

In Deutschland hat sich mit der Schulpflicht für alle Kinder mit Behinderungen ein sehr ausdifferenziertes System von Förderschulen entwickelt, die der größte Teil der Kinder auch besucht. Die Schulen waren von Anfang an nicht als Orte der Aussonderung gedacht. Im Gegenteil: Sie bieten Kindern mit Behinderungen den adäquaten Zugang zu Bildung, indem die pädagogische Förderung auf sie ausgerichtet wird.
Auch die speziellen Ausstattungen, Räume und Lehrmaterialien sichern die künftige Teilhabe der Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben.

Von den nordrhein-westfälischen Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen aktuell rund 13 % die Förderschulen der Landschaftsverbände. 6.600 Kinder werden in den LWL-Schulen unterrichtet. Die UN-Behindertenrechtskonvention formuliert nun das Recht auf Bildung für Menschen mit Behinderungen und den gleichberechtigten, diskriminierungsfreien Zugang zur allgemeinen Schule, wohnortnah im sozialen Umfeld. Sie fordert nicht die vollständige Auflösung von Förderschulen, sondern geht von einer Quote des
„Gemeinsamen Lernens“ von 80 bis 90 % aus. Auch deswegen – so zeigt es die Erfahrung des LWL –, weil in bestimmten Fällen für besonders beeinträchtigte Kinder und Jugendliche weiterhin Förderschulen erforderlich sind und von Eltern gewünscht werden.

Laut UN-Konvention sollen besondere Förderbedingungen im Regelsystem gewährleistet werden, um damit das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen in einer Schule sicherzustellen. Das stellt den LWL vor große Aufgaben: Der Verband will das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen ermöglichen und unterstützen, die speziellen Kenntnisse im Bereich der Förderung von Kindern mit Körper- und Sinnesbehinderungen einbringen, die Qualität der sonderpädagogischen Förderung sichern und dem Elternwahlrecht mit flächendeckender sonderpädagogischer Förderung und Beratung gerecht werden. Als gutes Bespiel für Inklusion in einer LWL-Schule kann hier die Irisschule, LWL-Förderschule mit dem Schwerpunkt Sehen in Münster, genannt werden: Über 2/3 der Schülerinnen und Schüler besuchen bereits Regelschulen und werden dort von dem Lehrpersonal der Irisschule gefördert.