Erfolge und Ziele

Gesundheit

Artikel 25 der UN-Behindertenrechtskonvention

„Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit ohne Diskriminierung aufgrund von Behinderung. Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu geschlechtsspezifischen Gesundheitsdiensten, einschließlich gesundheitlicher Rehabilitation, haben. [...]“



Kaum eine Erkrankung bedroht die Teilhabe so nachhaltig wie eine psychische Störung. Viele Menschen, die beispielsweise an Depressionen, Psychosen, bipolaren Störungen oder Suchterkrankungen leiden, können in überschaubaren Zeiträumen wieder eine Stabilisierung erreichen. Sie erhalten in den LWL-Kliniken medizinische und psychotherapeutische Unterstützung, um akute Krisen, Belastungen und Konflikte erfolgreich zu bewältigen.

Andere Menschen durchleben dagegen ein Auf und Ab mit stabilen und krisenhaften Phasen und ihre Erkrankung verläuft insgesamt chronisch. In diesen Fällen droht eine wiederkehrende oder chronische psychische Erkrankung in eine seelische Behinderung überzugehen. Damit einher geht häufig ein Verlust von Arbeitsplatz oder eigener Wohnung, von sozialer Einbindung in Nachbarschaft, Kollegen- und Freundeskreis. Die Menschen erleben eine Exklusion, die sich schnell verfestigen
kann.

Es bedarf oft enormer Anstrengungen, eine Rückkehr in inklusive Lebensverhältnisse zu schaffen. Sehr viel effektiver, humaner und auch ressourcenschonender ist es daher, einer solchen Entwicklung möglichst frühzeitig und vorbeugend entgegenzuwirken.

Entscheidend ist also: Je moderner, fachgerechter, sozialraumorientierter eine psychiatrische Therapie und psychosoziale Unterstützung in den psychiatrischen Kliniken angelegt wird, desto wirksamer kann ein Übergang der psychischen Erkrankung in eine seelische Behinderung und damit verbundene Einschränkungen der Teilhabe vermieden werden. Eine vergleichsweise kurzzeitige „Investition“ in hochqualifizierte klinischpsychiatrische Behandlung zu Beginn der Erkrankung kann so bei vielen Patientinnen und Patienten eine langfristige Inklusion sichern. Auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht ist dies von Vorteil. Eine therapeutisch qualifizierte und sozialpsychiatrisch fundierte Psychiatrie kann in vielen Fällen langzeitige und im Ergebnis höhere Kosten in anderen Sozialversicherungssystemen verhindern helfen, wenn es gelingt, Leistungen der Behindertenhilfe nach SGB XII in den Bereichen Wohnen oder Arbeit entbehrlich zu machen. Nicht nur aus humanitären und medizinischen Gründen, sondern auch im Interesse des Steuer- und Beitragszahlers können daher Investitionen in eine inklusionsorientierte psychiatrische Infrastruktur immer auch den Fallzahlanstieg und die Bezugsdauer im Bereich der Behindertenhilfe oder Jugendhilfe eingrenzen.

Gleiche Versorgungsqualität für alle herstellen

Dr. Meinolf Noeker, LWL-Krankenhausdezernent

Dr. Meinolf Noeker, LWL-Krankenhausdezernent

„Die Behandlungs- und Betreuungsangebote des LWL-PsychiatrieVerbunds Westfalen stehen allen Menschen zur Verfügung, unabhängig von körperlichen, geistigen, seelischen oder Sinneseinschränkungen. Vor allem Menschen mit sehr schweren Krankheitsverläufen droht, dass sie gesellschaftlich, beruflich und sozial ausgegrenzt werden. Der LWL-PsychiatrieVerbund hat die besondere Verantwortung, dieser Ausgrenzung mit einer wohnortnahen und sozialpsychiatrischen Behandlung entgegenzuwirken – in enger Zusammenarbeit mit den gemeindepsychiatrischen Verbünden.“

Inklusion ist und bleibt eine wichtige Aufgabe für die Einrichtungen des LWL-PsychiatrieVerbundes. Alle Menschen, die ein Handicap haben oder von einer Behinderung bedroht sind, kennen ihre persönlichen, behinderungsspezifischen Barrieren auf dem Weg zu einem inklusiven Leben. Besonders augenfällig sind bauliche Barrieren, die die Mobilität von Menschen mit einer Körperbehinderung begrenzen. Für Menschen mit psychischer Erkrankung oder seelischer Behinderung stellen sich die Barrieren inklusiven Lebens sehr viel subtiler, verdeckter und vielschichtiger dar. Bauliche Barrieren spielen hier eine untergeordnete Rolle. Sehr viel stärker schränken mentale und gesellschaftliche Barrieren „in den Köpfen“ die Teilhabe ein. Inklusion aus der Perspektive der Betroffenen verlangt, diese spezifischen Barrieren bei Menschen mit psychischen Erkrankungen und seelischen Behinderungen in den Blick zu nehmen und dafür spezifisch zugeordnete Antworten zu entwickeln.

Schulische und berufliche Bildungsmöglichkeiten erweitern

Tilmann Hollweg, LWL-Maßregelvollzugsdezernent

Tilmann Hollweg, LWL-Maßregelvollzugsdezernent

„`Ich gehe zur Arbeit!` Nur die wenigsten Patienten, die im Maßregelvollzug untergebracht sind, können dies bislang von sich behaupten. Die Mehrzahl der Patienten hat zu Beginn der Unterbringung erhebliche Bildungsdefizite und verfügt über keine berufliche Qualifikation. Wir müssen daher die schulischen und beruflichen Bildungsmöglichkeiten erweitern. Damit erfüllen wir zwei grundsätzliche Ziele zur Deliktprävention: Der Patient kann nach seiner Entlassung eine Tätigkeit auf dem ersten oder zweiten Arbeitsmarkt aufnehmen. Und die Maßnahme dient therapeutischen Zwecken: Sie weckt die Mitarbeit und das Verantwortungsbewusstsein des Patienten."