Das Bild zeigt zwei Männer mit Gartengeräten, die einen Garten pflegen

Beispiel: Wie Gärtnern für Gesundheit und Wohlbefinden sorgen kann

LWL-Wohnverbund Marsberg bietet viele Aktivitäten an

Für Peter Hoffmeister und andere Menschen mit Behinderungen ist eine passende Tagesbeschäftigung wichtig. Damit haben sie nicht nur ein zusätzliches Taschengeld. Ihr Tag ist ausgefüllt, sie gewinnen Selbstvertrauen und erleben Erfolge. Für viele ist das ein neues Gefühl. Und es könnte der Einstieg sein, langfristig auch den passenden Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden.

 

Mit einem Ruck hebt Peter Hoffmeister die Schubkarre an. Er bewegt das Gerät in Richtung des schmalen Beets. Dort angekommen, schaufelt er schwarze Muttererde auf den Boden. Der 44-Jährige im grau-roten Arbeitsanzug wischt sich zwischendurch mit dem Ärmel übers Gesicht, fährt sich durch die graumelierten Haare. Nach zehn Minuten schaut er zufrieden hoch: Eine Etappe ist geschafft.

„Mir macht das richtig Spaß, hier draußen zu sein“, sagt Hoffmeister und zeigt einmal rundherum auf den in vier Parzellen angelegten Konventgarten des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur in Dalheim. „Ich wollte immer schon gärtnern, aber das hatte sich bisher nicht ergeben.“ Freude an der Arbeit ist für Hoffmeister etwas Neues. Sein Leben mit einer Behinderung hat viele Brüche. Er wurde im Kolping Bildungswerk Marsberg und im Christlichen Jugenddorf Olpe gefördert und machte eine Ausbildung als Kanalbauhelfer. Gelegenheitsjobs und auch die Arbeit in den Werkstätten für behinderte Menschen der Caritas überforderten ihn. Eine Arbeit, die er selbst bewältigen konnte, fand er bisher nicht.

Geändert hat sich das im Jahr 2005. Seitdem lebt Peter Hoffmeister mit Unterstützung des LWL-Wohnverbundes Marsberg ambulant betreut und damit mit so viel Hilfe wie nötig. Sein Tag ist strukturiert, vor allem durch seine Tätigkeit in der Arbeitsförderstätte, wo er mit fünfeinhalb Stunden an fünf Tagen in der Woche beschäftigt ist. Er pflegt neben dem parkähnlichen Gelände in Marsberg auch die Gärten in Dalheim mit – die beiden LWL-Einrichtungen liegen gerade einmal 20 Minuten Autofahrt voneinander entfernt.

Die Garten- und Landschaftspflege ist Teil der Arbeitsförderstätte in Marsberg, die den Bewohnerinnen und Bewohnern des Wohnverbundes seit 1997 die für sie passende Beschäftigung anbietet – grundsätzlich fünf Tage in der Woche. „Es ist für die Menschen mit Suchterkrankungen, geistigen oder psychischen Behinderungen sehr wichtig, eine Tagesstruktur zu haben. Sie gehen aus ihren Wohnungen, führen eine sinnvolle Tätigkeit aus, müssen Pausen und Feierabend machen“, sagt Kathrin Rittmeier, die mit einer Kollegin die Arbeitsförderstätte leitet. „Außerdem erlangen sie praktische sowie soziale und emotionale Fähigkeiten. Sie können handwerklich arbeiten, sie lernen, sich zu konzentrieren, sich in Gruppen zu organisieren, und erfahren, wie wichtig alltägliche Dinge wie Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit sind.“

Rund 250 der 400 dauerhaft im Wohnverbund lebenden Bewohnerinnen und Bewohner werden in der Arbeitsförderstätte betreut, die Übrigen vor allem in Werkstätten für behinderte Menschen. Im LWL-Wohnverbund Marsberg können die Betroffenen in der industriellen Montage und Verpackung oder auch in den eigenen Handwerksbetrieben wie Schlosserei, Tischlerei oder eben Gärtnerei arbeiten. „Das ist ein besonderer Bereich, finden viele, weil die Tätigkeit an der frischen Luft und der Umgang mit den Pflanzen sie anspricht“, sagt Kathrin Rittmeier.

Matthias Schröder beobachtet das ähnlich. „Die Bewohnerinnen und Bewohner haben Erfolgserlebnisse, weil sie zum Beispiel ein Beet fertig bepflanzt haben und so das Ergebnis ihrer Arbeit direkt sehen können“, sagt der Gärtnermeister, der die Gärtnerei im LWL-Wohnverbund leitet. „Das bedeutet auch, dass wir immer darauf achten müssen, Aufgaben zu verteilen, die nicht überfordern.“ Für den 50-Jährigen ist das Alltag, er pflegt seit fast 30 Jahren die Grünanlagen der LWL-Klinik und wechselte vor drei Jahren zum Wohnverbund.

Schröder muss seine Gehilfen oft behutsam anders ansprechen, viel Geduld haben, gleichzeitig aber auch sehr klare Ansagen machen. „Bei manchen muss ich jeden Tag denselben Schritt noch einmal erklären, andere lernen schnell und können auch schon mal eigenverantwortlich Tätigkeiten übernehmen.“ Wie weit diese Selbstständigkeit geht, hängt vom Lernfortschritt ab – und von der Tagesform. „Da birgt wirklich jeder Tag Überraschungen“, sagt Schröder.

Berücksichtigen muss er auch, dass die meisten behinderten Menschen, die er betreut, Aufgaben nicht regelmäßig acht Stunden am Tag übernehmen können.

Der Gärtnermeister nimmt immer zwischen drei und fünf Menschen mit Behinderungen mit nach Dalheim. Für das LWL-Landesmuseum in Dalheim ist diese Zahl sehr wichtig, wobei die Besetzung der Gruppe durchaus wechseln kann. Der Anfang 2012 geschlossene Vertrag zwischen den LWL-Einrichtungen regelt die Zeiten und Anzahl der Kräfte genau. „Wir müssen uns darauf verlassen können“, sagt Andreas Bogel. Der Landschaftsarchitekt und Gärtner führt die Klostergärtnerei. „Bei zwei Hektar Fläche haben wir reichlich zu tun. Die Marsberger helfen uns gerade bei der Grundpflege sehr, das Ganze im Griff zu behalten.“ Laub fegen, Blumenkästen bepflanzen, die Wege und Beete von Unkraut befreien – die Aufgaben sind umfangreich und kompliziert: Im Dalheimer Konventgarten wachsen Hunderte Zier-, Heil-, Gewürz- und Symbolpflanzen.

„Ich kenne die auch nicht alle“, sagt Peter Hoffmeister und zeigt mit seiner Schaufel hinter eine Hecke. „Das ist jedenfalls Lavendel, und das sind Rosen, die haben wir neulich gepflanzt, 356 Stück.“ Er strahlt über das ganze Gesicht. „Aber ich lerne immer was. Ich weiß jetzt, wie manche Kräuter aussehen, Basilikum, Schnittlauch oder Minze. Das finde ich echt super.“