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Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention

„Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen, gleichberechtigt mit anderen am kulturellen Leben teilzunehmen, und treffen alle geeigneten Maßnahmen, um sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen […] Zugang zu Orten kultureller Darbietungen oder Dienstleistungen, wie Theatern, Museen, Kinos, Bibliotheken und Tourismusdiensten, sowie, so weit wie möglich, zu Denkmälern und Stätten von nationaler kultureller Bedeutung haben.“



So vielfältig, wie die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen sind, so vielfältig sind die Angebote der Kultur. Ob Museen oder Veranstaltungen, Informationen, Wissenschaft, Forschung oder der Wunsch, etwas zu recherchieren – die Ansprüche sind unterschiedlich und sollen erfüllt werden. Der umfassende barrierefreie Zugang ist dabei von größter Bedeutung. Ob Tastobjekte, Angebote in Gebärdensprache, museumspädagogische Programme oder bauliche Voraussetzungen für einen Museumsbesuch, das Spektrum ist weit.

Die Herausforderung in der Kultur besteht für den LWL auf mehreren Ebenen. Zum einen ist es wichtig, Menschen mit Behinderungen immer wieder einzuladen und zu animieren, die kulturellen Angebote wahrzunehmen.
Der LWL muss dazu nicht nur aktive und stets auch interaktive Informationspolitik betreiben, sondern auch mit Verbänden und Interessenvertretern kooperieren, die als Multiplikatoren fungieren. Zum anderen müssen die LWL-Einrichtungen ihre Angebote immer wieder an die tatsächlichen Bedürfnisse anpassen.
Das gilt für alle Lebensphasen, von der kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche über familiengerechte Angebote bis hin zur Kultur im Alter. Erreicht werden sollen alle Menschen ohne Unterschied, unabhängig davon, ob sie jung oder alt sind, eine Behinderung oder einen Migrationshintergrund haben.

Barrierefreie Zugänge möglichst frühzeitig mitdenken

Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin

Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin

"Für die LWL-Museen ist Inklusion eine Selbstverständlichkeit. Barrierefreiheit oder spezielle Führungen für Menschen mit einer Behinderung sind schon seit Jahren unverzichtbare Elemente für alle Ausstellungen. Wir entwickeln immer neue Ideen, damit die Museen wirklich für alle Menschen erfahrbar werden. So sind wir stolz auf den Erfolg der neu konzipierten Aktivitäten für demenzkranke Menschen. Das Konzept, das vom LWL-Industriemuseum entwickelt wurde, findet immer mehr Anhänger und die Nachfrage steigt beständig. Wir möchten erreichen, dass man in unseren Einrichtungen nicht in den Kategorien 'mit' und 'ohne' Behinderung oder 'alt' und '‚jung' denkt, sondern ausschließlich an ein 'Museum für alle'."

Die LWL-Kulturabteilung hat das Ziel, die Inklusion als den „Normalfall“ zu betrachten und in die tägliche Arbeit zu integrieren. Dies spiegelt sich auch wider in den Planungen für die Arbeitsprogramme, die Veranstaltungen und Ausstellungen und findet Berücksichtigung in den Zielvereinbarungen. Es kann nicht in erster Linie darum gehen, punktuell auf spezielle Einzelbedürfnisse einzugehen. Dies könnte dazu führen, dass eine Maßnahme eine Gruppe von Menschen mit Behinderungen unterstützt, gleichzeitig eine andere Gruppe aber benachteiligt. Vielmehr strebt der LWL an, die Inklusion bei allen Aktionen multidisziplinär mitzudenken: Vom Bau oder Umbau der Gebäude bis zu museumspädagogischen Angeboten und Ausstellungen soll – so weit es möglich und finanziell vertretbar ist – die Inklusion berücksichtigt werden. Eine Ausstellung
zum Beispiel, die unter diesem Gesichtspunkt geplant wird, ist für alle ein Gewinn. Selbstverständlich sind Vitrinen eine Herausforderung, die gleichermaßen gut von Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern oder Menschen ohne Rollstuhl einsehbar sein sollten. Der Charme liegt aber oft in außergewöhnlichen Lösungen, die für solche Konstellationen entwickelt werden.
Vielfach zeigt sich in der Praxis, dass davon weitaus mehr Besucherinnen und Besucher profitieren, als zunächst gedacht wurde. Tastmodelle finden nicht nur bei Menschen mit einer Sehbehinderung Zuspruch, sondern bieten allen die Möglichkeit, sich mit bestimmten Formen von Kunstwerken zu befassen. Ähnliches gilt für barrierefreie Wege, die es auch Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder einem Kinderwagen erlauben, die Museumsorte durchgängig zu besichtigen. Gut lesbare Ausschilderungen finden ebenfalls alle Besucherinnen und Besucher begrüßenswert.
Alle LWL-Museen konzipieren nicht nur spezielle Führungen für die unterschiedlichen Arten von Behinderungen. Vielmehr stimmen sie maßgeschneiderte Angebote auf bestimmte Anforderungen ab. Dies kommt insbesondere Schulen zugute, die – je nach Wissens- und Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler – unterschiedliche Bedürfnisse haben.
Die LWL-Museen gehören zu den deutschlandweit wenigen Häusern, die speziell auch Führungen und Programme für Menschen mit einer geistigen Behinderung anbieten.
Ziel der LWL-Kultur ist es nicht, nur Einzelmaßnahmen vorzuschlagen, sondern eine alle Kultureinrichtungen umfassende Strategie zu erarbeiten, die beispielgebend für alle Kultureinrichtungen in Westfalen-Lippe sein soll. Für die Vermittlung und Kommunikation wird ein Workshop stattfinden und ein Leitfaden erarbeitet, der Orientierung bringen wird und auch Fördermöglichkeiten aufzeigt.