„Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen, gleichberechtigt mit anderen am kulturellen Leben teilzunehmen,...
..., sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen ... Zugang zu Orten kultureller Darbietungen oder Dienstleistungen ... haben.“ Artikel 30 der UN-Konvention
Für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben spielt der Bereich der Kultur eine entscheidende Rolle. Erst durch das (Mit-)Erleben kultureller Angebote und Ereignisse kann für den Menschen – egal, ob mit oder ohne Behinderung – ein Gefühl von Zugehörigkeit entstehen. Menschen mit Behinderung sind hierbei auf eine geeignete Infrastruktur und differenzierte Angebote in den kulturellen Einrichtungen, aber auch auf barrierefreie Medien angewiesen.
Der Neubau des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Münster wurde von Anfang an barrierefrei konzipiert. Der Landesbehindertenrat hat bei der barrierefreien Gestaltung frühzeitig beraten, zum Beispiel bei einer angemessenen Schriftgröße zur Ausschilderung der Objekte oder einer klaren und lesbaren Schrift sowie einer verständlichen Sprache für alle musealen Texte.
Wichtig sind auch bauliche Vorkehrungen, wie beispielsweise die Vermeidung von Stolperfallen und die Einrichtung von Ruhezonen.
Speziell für Menschen mit Hörbehinderung werden Medien angeboten, die Rückkoppelungen mit Hörgeräten ausschließen und störungsfreien Kunstgenuss ermöglichen. Bei der Ausleuchtung der Vitrinen wurde darauf geachtet, dass sich auch für Rollstuhlfahrer keine irritierenden Spiegelungen ergeben.
Für Menschen mit einer Sehbehinderung soll es außerdem neben einem Tastraum, Tastführungen, Hörführungen (Audioguides) und Tastplänen Informationen in Braille geben.
Auf unterschiedlichste Behinderungen können kulturelle Einrichtungen wie Museen mit speziell zugeschnittenen Programmen eingehen. So bieten beispielsweise die LWL-Industriemuseen museumspädagogische Programme an, die auch für ältere Menschen mit Demenz geeignet sind. Dabei wird über unterschiedliche sinnliche Erfahrungen, insbesondere auch durch Fühlen und Berühren von Gegenständen aus der Vergangenheit, das Erinnerungsvermögen angeregt. Die Veranstaltungen sind beliebt und werden zum Beispiel in Pflegeheimen angeboten. Natürlich können auch Führungen in den Museen gebucht werden.
Ein breit gefächertes Angebot an speziellen Führungen für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen steht in vielen LWL-Museen zur Verfügung. Die Museumspädagogen und Museumspädagoginnen können dabei auch auf den Erfahrungen aus speziellen Führungsangeboten der skulpturProjekte 07 aufbauen. Skulptur Projekte ist eine Veranstaltung, die weltweite Bedeutung hat und alle 10 Jahre stattfindet. Nachfolgend möchten wir Ihnen unsere Angebote näherbringen.
Neues Angebot für gehörlose Menschen im LWL-Römermuseum Haltern: Mit dem Video-Guide durch die Römerzeit
Als erstes Museum in Westfalen und eines der ersten Museen Deutschlands bietet das LWL-Römermuseum in Haltern einen speziellen Multimedia-Führer für gehörlose Menschen an...mehr
Bereits 1992 hat das LWL-Museum für Archäologie die Tastausstellung „Felsbilder aus Schweden" organisiert. Sehenden sowie blinden und sehbehinderten Menschen wurde dabei die Möglichkeit gegeben, die Exponate anzufassen und zu ertasten. Ergänzt wurde dies durch einen entsprechenden Katalog im Format DIN A 3, Tastmodelle aus Holz und die Rekonstruktion einer Zeichnung auf originalem Steinmaterial zum Ertasten.
Die Ausstellung "Das Meer sehen. Von Blinden, die keine Passagiere sein wollen", im LWL-lndustriemuseum Zeche Hannover in Bochum, die gerade zu Ende gegangen ist, zeigte eindringliche Fotografien von Dariusz Kantor. Der Herner Fotograf hat eine Gruppe von blinden und sehbehinderten Menschen begleitet, die sich allein mit einer sehenden Besatzung mit dem Segelschiff auf hohe See begeben hat. Die Fotos lassen erahnen, dass der Segeltörn eine ganz spezielle Erfahrung für die Sehenden und die sehbehinderte Besatzung waren und sind ein eindrucksvoller Beweis, dass Inklusion im Alltag gelebt werden kann.
Regelmäßige Führungen, die auf bestimmte Arten von Behinderungen abgestimmt wurden, werden stets in allen LWL-Museen angeboten. So können blinde und sehbehinderte Menschen das Alltagsleben in den Römerlagern an der Lippe im LWL-Römermuseum tastend erforschen.
Im Museum in der Kaiserpfalz Paderborn gibt es eine zweistündige Führung „Mittelalter begreifbar". Dort stehen zahlreiche Tastmodelle zur Verfügung, die blinden Menschen den Zugang zur jeweiligen Ausstellung erleichtern.
Das LWL-Freilichtmuseum Hagen bietet regelmäßig Führungen für Gehörlose an, bei denen Gebärdensprachdolmetscher eingesetzt werden. Auch alle anderen LWL Museen werden noch in diesem Jahr turnusmäßig in ihren Häusern ein ähnliches Angebot zur Verfügung stellen.
Das LWL-Freilichtmuseum Hagen hat (als erstes Museum) sein Jahresprogramm nach den Regeln der Inklusion gestaltet.