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Der Landesverband der Taubblinden war zu Gast im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg. Foto: LWL/ Appelhans

Landesverband der Taubblinden NRW zu Gast im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg

Wie funktioniert das Schiffshebewerk? Wie hat eine Familie an Bord eines Binnenschiffes gelebt und gearbeitet? 17 taubblinde und hörsehbehinderte Menschen aus ganz NRW fanden jetzt bei einem Besuch im LWL-Industriemuseum in Waltrop gemeinsam mit Angehörigen, Assistenten und Museumspädagogen Antworten auf diese Fragen. Die Gäste waren größtenteils gehörlos, hatten ein eingeschränktes Gesichtsfeld oder kaum noch Sehvermögen.

Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hat sich auf den Weg gemacht, seine Häuser allen Menschen - ob mit oder ohne Handicap - zugänglich zu machen. "Das geht am besten zusammen mit Experten in eigener Sache", erklärt Anja Hoffmann, Referentin für Bildung und Vermittlung am LWL-Industriemuseum. Daher war jetzt erstmals der Landesverband der Taubblinden NRW e.V. zu Gast im Schiffshebewerk Henrichenburg.

"Besonders wichtig war bereits im Vorfeld die gemeinsame gut durchdachte und abgestimmte Organisation des Museumsbesuchs zwischen dem LWL und dem Landesverband der Taubblinden", so Hoffmann. Rainer Miebach, selbst gehörlos und freiberuflicher Gästebegleiter im LWL-Industriemuseum, informierte schon Wochen vorher auf einem Treffen des Taubblinden-Verbandes mit einem Vortrag in Gebärdensprache über das Schiffshebewerk.

Vor Ort konnten die Gäste in drei Kleingruppen das Museum in Ruhe erkunden. Während der Führung wurden die Informationen direkt in Gebärdensprache oder in gesprochenen Worten vermittelt, die dann von Dolmetschern in Gebärdensprache übersetzt wurden. Taubblinden-Assistenten, gaben die Informationen weiter an die Teilnehmer. Dazu nutzten sie spezifische Kommunikationsformen wie "Lormen" (Tastalphabet in der Hand) oder Elemente der taktilen Gebärdensprache.

Hoffmann: "Das Schiffshebewerk ist mit vielen Sinnen zu erfassen, das ist ein großer Vorteil. Viele Großobjekte wie das historische Schiffshebewerk selbst, das Motorgüterschiff "Franz Christian" oder das Maschinenhaus sind begehbar. Andere Originale wie Fässer, Säcke, Ladegut oder Anker können ertastet werden. Zerlegbare Modelle des Schiffshebewerks machen das physikalische Prinzip des Auftriebs im wahrsten Sinn des Wortes begreifbar."

Siegfried Hartmann, 1. Vorsitzender des Landesverbandes für Taubblinde NRW e.V., ergänzt: "Es gab zudem viel Zeit, um Fragen zu stellen. Das hat allen sehr gut gefallen. Für viele Teilnehmer war das heute überhaupt das erste Mal, dass sie an einer Führung dieser Art teilgenommen haben, es hat ihnen viel Spaß gemacht. Die vielen Möglichkeiten, etwas zu ertasten, zu begehen, selbst auszuprobieren, erleichtern das Verständnis und helfen sich selbst ein 'Bild‘ zu machen."
Im Anschluss nutzten die Mitglieder des Landesverbandes der Taubblinden NRW e.V. die Möglichkeit zu einer Rundfahrt mit dem Fahrgastschiff "Henrichenburg". "Wichtig ist den Teilnehmenden bei solchen Veranstaltungen auch immer der Austausch untereinander. Dafür stand Zeit auf dem Schiff zur Verfügung", so Hartmann.

Pressemeldung

Hintergrundinformationen: Deutsche Gesellschaft für Taubblindheit

Publikationsdatum: 01.06.2016

Themen: Allgemeines