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"Kunst muss man nicht verstehen"

Touren für Menschen mit Behinderungen bei den Skulptur Projekten 2017

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bietet im Rahmen der Ausstellung Skulptur Projekte 2017 in Münster kostengünstige Rundgänge für Menschen mit Behinderungen an.

Acht Kunstinteressierte aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (Westfalenfleiß Werkstätten in Münster) haben eine Tour getestet.

Die Gruppe steht vor einer etwa acht Meter hohen Fassaden-Hütte am Aegidimarkt in Münster. Die schwarz-weiße Front der Installation zeigt Teile eines Schlosses und Balken, die eine Mauer zu stützen scheinen. Auch ein Brunnen lässt sich erkennen. "Das sieht alles zerbombt aus, ganz kaputt und durcheinander", schildert Michael Angly seinen Eindruck der Skulptur von "Peles Empire". "Es erinnert mich an den im Krieg zerstörten Prinzipalmarkt in Münster", sagt der 53-Jährige Angly leise.

Michael Angly nimmt 2017 zum zweiten Mal an den Rundgängen für Menschen mit Behinderung teil. 2007 hatten der lernbehinderte Mann und seine Kollegen aus dem Westfalenfleiß Werkstattrat bereits an einer speziellen Führung teilgenommen. "Auch zehn Jahre später finde ich die Skulpturen wieder toll. Ich möchte noch viel mehr sehen", so Angly.

Die Interaktion zwischen Besuchern und Kunst stehe bei den Touren für Menschen mit Behinderung im Vordergrund, sagt Kunstvermittlerin Stephanie Sczepanek und regt die kleine Gruppe dazu an, die Skulptur "Peles Empire" auch zu ertasten. "Was denkt ihr, mit welchen Materialien die Künstlerinnen Katharina Stöver und Barbara Wolff gearbeitet haben? Kann man das fühlen?", fragt sie in die Runde. Annemarie Drerup beschreibt ihren Eindruck: "Es fühlt sich ganz glatt und weich an, ich stelle mir Kacheln vor." Drerup ist seit ihrer Kindheit erblindet und auf eine Assistenzkraft angewiesen, die sie im Alltag begleitet. "Ich ertaste hier Puzzleteile, die sich wie ein Gebäude zusammensetzen könnten. Ich könnte mir vorstellen, dass es Marmor darstellen soll", sagt die 58-Jährige. Damit beschreibt sie auch die Idee des Künstlerinnen-Duos, weiß Kunstvermittlerin Sczepanek: "Die Farben der Skulptur sind schwarz-weiß gehalten, weil sie der Farbe von Marmor ähneln sollen. Dadurch soll der Eindruck entstehen, man stehe vor einem zerstörten Schloss".

Gesamte Reportage

Publikationsdatum: 03.07.2017

Themen: Freizeit