Richtung Inklusion

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Nils Lorenz bei der Arbeit am Diaarchiv in der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen. Foto: LWL/E.Johannhörster

Beispiel für Inklusion am Arbeitsplatz

Nils Lorenz arbeitet in der Archäologie

Er ist längst festes Teammitglied beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): Mit dem Scanner sorgt Nils Lorenz seit fast zwei Monaten dafür, dass sich die in vielen Jahrzehnten auf Dias festgehaltenen Ausgrabungen in der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen in digitales Archivgut verwandeln. Diese Aufgabe ist für den 32-Jährigen ein wichtiger Schritt in ein selbstbestimmtes Arbeitsleben - trotz Behinderung.

Nils Lorenz hat eine Behinderung, die ihm die Integration in den ersten Arbeitsmarkt schwer macht. Das "proWerk", Teil der v. Bodelschwinghschen Stiftungen in Bielefeld-Bethel, ermöglicht ihm jedoch Wege, seine Stärken zu entdecken und außerhalb der Einrichtung eine selbstständige berufliche Existenz aufzubauen. Der erste Schritt dorthin war ein Praktikum in der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologen . Dabei hat er bei der Reinigung von archäologischen Fundobjekten geholfen, hat sich in die Akten der Ausgrabungen eingearbeitet und den Archäologen beim Abgleich geholfen. Außerdem machte sich der gebürtige Bielefelder bereits während dieser Zeit mit den Dias vertraut, die vor einigen Jahren und Jahrzehnten noch die übliche Technik waren, um Ausgrabungen fotografisch zu dokumentieren. Das Einscannen und Bearbeiten der digitalisierten Versionen sind jetzt ein eigener Aufgabenbereich und eine feste Beschäftigung für den jungen Mann geworden. Unter der Anleitung von Eva Johannhörster organisiert er jeden Arbeitsschritt selbstständig: Die Dias werden aus den Archivräumen geholt, Lorenz säubert sie und scannt sie ein, bearbeitet sie mit einem Bildprogramm und archiviert die Bilder schließlich digital. Die Arbeitsassistentin vom proWerk in Bethel muss nur wenige berufliche und private Fragen mit ihm klären, wenn sie regelmäßig an seinem Arbeitsplatz vorbeischaut.

"Ich habe mich gleich am ersten Tag im Team gut aufgenommen gefühlt", erzählt Nils Lorenz. "Ich bekomme hier sehr viel Ermutigung und bin endlich ein Stück weiter gekommen. Die Arbeit macht mir viel Spaß." Bislang hat er in einer vom proWerk geleiteten Gärtnerei gearbeitet. Sein eigentlicher Berufswunsch ist Bibliothekar. Dem ist er über die Archivarbeit für den LWL ein großes Stück näher gekommen. Seine neuen Kollegen sind von ihm begeistert. "Wir möchten ihn nicht mehr missen", beschreibt Eva Johannhörster das Miteinander.

In der Zusammenarbeit sehen alle Beteiligten einen großen Gewinn. "Ich halte Inklusion für wichtig und richtig, denn ein inklusiver Arbeitsalltag bezieht alle Mitarbeiter ein und grenzt niemanden aus", betont der Leiter der Bielefelder LWL-Außenstelle, Dr. Sven Spiong. "Jeder sollte die gleichen Chancen im Beruf bekommen, und Menschen mit Behinderungen haben häufig herausragende Fähigkeiten." Zusätzlich bietet sich für Nils Lorenz die Möglichkeit, ein für ihn auch persönlich interessantes Themenfeld zu entdecken, denn die Archäologie und das Archivwesen faszinieren ihn. "Hier hat er die Gelegenheit, bei interessanten Projekten mitzuarbeiten", schildert Spiong, der sich für den Inklusionsarbeitsplatz stark gemacht hat. Bis Dezember 2017 wird sich Nils Lorenz also durch 25.000 Dias durcharbeiten. Eine längerfristige Planung ist jedoch angestrebt. Der neue Kollege ist jedenfalls schon jetzt für jede neue Herausforderung zu haben: Das Einscannen von Fundzeichnungen ist die nächste Aufgabe, auf die er sich vorbereitet.

Pressemeldung

Publikationsdatum: 15.12.2016

Themen: Arbeit