Potenziale nicht unentdeckt lassen

Fragen & Antworten

Christian Krawietz war Projektleiter der Koordinierungsstelle „STAR“ im LWL-Integrationsamt.

Menschen mit Behinderung erfahren Förderung in der Schule oder im Arbeitsleben. Aber auch der Übergang von Schule in den Beruf wird gefördert. Warum?

Weil das Ende der Schulzeit auch für Menschen mit Behinderungen ein Abschnitt ist, auf den etwas Neues, Unbekanntes folgt, genau wie bei Menschen ohne Behinderung. Da setzt Förderung ein, die diese zwei Lebensbereiche auch im Titel trägt: Schule trifft Arbeitswelt, kurz STAR.

Die Förderungslandschaft erscheint dem Laien, vorsichtig ausgedrückt, etwas unübersichtlich.

Auch Experten steigen da nicht immer durch. Wir haben zu Anfang auch Widerstand gespürt, „Wie, noch ein Programm?“ Wir wollten aber kein weiteres Programm, sondern wir wollen den Flickenteppich an Hilfen und Förderungen zusammenweben, damit junge Menschen mit Behinderungen gut von der Schule in einen Betrieb kommen.

Wie machen Sie das?

Zunächst haben wir geguckt, wie das vorher lief. Ein Beispiel: Einfach in einen Betrieb zu gehen und zu bitten, nehmt doch mal einen Menschen mit Behinderung, das funktionierte nicht besonders gut. Also: Praktika und Probezeiten anbieten, in denen der junge Mensch mit Behinderung sich im Betrieb beweisen kann.

Wichtig ist, dass ein junger Mensch begleitet wird, denn Stolpersteine gibt es, keine Frage: Mal ist jemand mit der Arbeit am Anfang völlig überfordert, mal gibt es Hänseleien im Betrieb, mal ist es einfach der falsche Job für den falschen Menschen. Deswegen ist Begleitung im Betrieb durch Mitarbeiter der Integrationsfachdienste wichtig.

Vorher kommt bereits die Analyse  in der Schule: Was kann dieser Mensch, was wäre eine geeignete Arbeit. Diese so genannte Potential-Analyse setzt schon drei Jahre vor Schulende ein. Danach beginnen die Schülerinnen und Schüler, Berufsfelder zu erkunden. Da geht es darum zu entdecken, welche Fähigkeiten der Mensch hat.

Was hat denn ein Betrieb davon?

Es gibt natürlich die finanziellen Anreize. Dann haben Menschen mit Behinderungen oft stark ausgeprägte Fähigkeiten. Zum Beispiel können manche sehr gut mit älteren Menschen umgehen. Oder wir haben schon öfter gehört, dass sich auch in der Mitarbeiterschaft etwas tut: Wenn jemand mit Handicap dazu stößt, wird das Betriebsklima anders, weil alle mehr aufeinander achten. Arbeitgeber schätzen auch sehr die Motivation von Mitarbeitern mit Behinderungen – im Gegenteil, manchmal muss man sie sogar in ihrem Arbeitseifer bremsen.

Wo sind die Grenzen des Programms?

Da passt auch der Name des Programms - STAR: Wir greifen nach den Sternen, aber wir erreichen sie nicht alle. Nicht jeder kann jeden Job, manchmal passt es einfach nicht. In der Praxis machen wir die Erfahrung, dass Inklusion an Grenzen stößt, weil nicht alle auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen können. 2012 haben wir 85 Menschen vermittelt. Da geht noch deutlich mehr.

Video: Den Übergang erleichtern

Projekt „STAR – Schule trifft Arbeitswelt“