Schwellenängste abbauen

Fragen & Antworten

Uta Deutschländer ist Geschäftsführerin des Integrationsunternehmens Alexianer Textilpflege GmbH sowie der St. Barbara Haus GmbH, welche Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam beschäftigt.

Frau Deutschländer, welche Bedeutung hat die Inklusion von Mitarbeitern mit Behinderung in Ihrem Unternehmen?

Wir haben unsere Integrationsunternehmen gegründet, um Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren und sie damit noch weiter auf dem Weg in die „Normalität“ zu unterstützen. Wir sehen uns Menschen ohne Behinderung als Dienstleister unserer Mitarbeiter mit Handicap. Wir tun das, was sie auf Grund ihrer Behinderung nicht tun können und setzen sie nach ihren Fähigkeiten ein. Es macht sehr viel Freude mit ihnen zu arbeiten, weil sie sich in einem sehr hohen Maße mit ihrer Arbeit und „ihrem“ Unternehmen identifizieren – es wäre schön, wenn dies alle Mitarbeiter täten.

Wie hat Sie der LWL bei der Anstellung unterstützt?

Der LWL hilft uns bei der Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ist uns vor allem bei der Vermittlung von Praktika behilflich. Außerdem hat uns der vom LWL-Integrationsamt beauftragte Integrationsfachdienst geholfen. Dadurch, dass die Beschäftigten des Integrationsfachdienstes ihre Klientinnen und Klienten sehr gut kennen, wissen sie, wo sie am besten eingesetzt werden können.

Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf, damit Unternehmen leichter und nachhaltiger Menschen mit Behinderung einstellen können?

Es ist sehr wichtig, Praktikumsplätze und Probebeschäftigungen zu finden. Für die Einstellung von Menschen mit Handicap muss nach wie vor geworben werden. Praktika sind eine Möglichkeit, um Schwellenängste abzubauen. Die Unternehmen haben nach wie vor Angst, dass sie an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit schweren Behinderungen auf Grund ihrer Sonderstellung für immer gebunden sind. Den Menschen mit Behinderung muss die Möglichkeit gegeben werden, ihr Können und ihre Fähigkeiten zu beweisen. Damit sie nicht zu billigen Arbeitskräften werden, muss weiter in Ausbildung investiert werden. Der Einsatz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit einem Handicap braucht einfach Zeit, die den Unternehmen gewährt werden muss – auch mit entsprechender Unterstützung. Ansonsten wird Inklusion schwierig.