Erfolge und Ziele

Alter

In Westfalen-Lippe werden im Jahr 2030 rund 11.800 über 60-jährige Menschen mit geistiger Behinderung leben. Das ergab eine Untersuchung der Katholischen Hochschule NRW (Münster). Damit wird sich die Zahl der geistig behinderten Menschen über 60 in Westfalen-Lippe in den nächsten zwanzig Jahren fast verfünffachen.
Dank des medizinischen Fortschritts steigt die durchschnittliche Lebenserwartung für Menschen mit Behinderung stetig, ebenso wie die Überlebenschancen von frühgeborenen Kindern mit Behinderung. Eine durchschnittliche Lebenserwartung von über 70 Jahren ist daher für Männer und Frauen mit geistiger Behinderung keine Seltenheit mehr.
Gleichzeitig kommen zum ersten Mal, nachdem unter den Nazis eine ganze Generation von Menschen mit Behinderungen umgebracht wurde, behinderte Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, an die Altersgrenze.

Betreuung in den eigenen vier Wänden ermöglichen

Matthias Münning, LWL-Sozialdezernent

Sozialdezernent Matthias Münning

Unsere Gesellschaft wird nicht nur älter und bunter, sondern auch behinderter. Mit der wachsenden Zahl älterer Menschen mit Behinderung verändern sich die Anforderungen an die Behindertenhilfe, die mit neuen Angeboten reagieren muss. Wichtig ist, dass wir möglichst viele Menschen in den eigenen vier Wänden betreuen, damit sie, so lange es geht, selbstständig bleiben können.

Alle Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser, Begegnungszentren, ambulante Pflegedienste und Altenheime müssen sich auf die neue Klientel, die älteren Menschen mit Behinderung, einstellen. Die Träger der Wohneinrichtungen für behinderte Menschen müssen altersgerechte Angebote wie spezielle Wohn- oder Hausgemeinschaften entwickeln. Dies wird der LWL unterstützen.
Als Alternative zur stationären Unterbringung sind auch mehr Zweitfamilien (Gastfamilien) für Menschen mit Behinderung denkbar. Ziel muss es sein, dass die Betroffenen und ihre Unterstützer die gewonnenen Jahre im Alter als Chance begreifen und auch tatsächlich nutzen können.

21 Projekte untersucht

Im Forschungsprojekt "Lebensqualität inklusive – innovative Konzepte unterstützten Wohnens älterer Menschen mit Behinderung" arbeitet die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen in Münster mit dem LWL zusammen: In dem Projekt wurde in den vergangenen drei Jahren untersucht, wie sich die Altersstruktur bei Erwachsenen mit geistiger Behinderung in den nächsten 20 Jahren entwickeln wird, was die Lebenslagen von alten Menschen mit und ohne geistige Behinderung unterscheidet, welche Ereignisse und Veränderungen typischerweise mit dem Älterwerden einhergehen und die Lebensgestaltung im Alter mitbestimmen und welche Erfahrungen mit neuen Unterstützungsangeboten in der Praxis gemacht werden.
Am Ende des Projektes sollen Bausteine für die Unterstützung im Alter formuliert werden, die geeignet sind, die Teilhabe, Inklusion und Selbstbestimmung von alten Menschen mit geistiger Behinderung zu fördern, und die verlässlich und wirtschaftlich tragfähig sind.