Die alte und neue NRW-Ministerpräsidentin zu Besuch bei einem Integrationsunternehmen in Emsdetten.
Am 07.05.2012 besuchte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft das Integrationsunternehmen „Lernen fördern Dienstleistungen gGmbH“ in Emsdetten. Begleitet wurde sie u.a. von Elisabeth Veldhues, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Kreistag Steinfurt und von LWL- Sozialdezernent Matthias Münning.
Der führende Logistiker unter den westfälischen Integrationsprojekten startete im Jahr 2004 mit vier Beschäftigten aus der Zielgruppe und schreibt seitdem eine sozialunternehmerische Erfolgsgeschichte. Heute arbeiten in dem dynamisch gewachsenen Unternehmen 68 Beschäftigte, davon 39 mit Behinderung. Diese kommissionieren, konfektionieren, verpacken und montieren für namhafte Discounter im Lebensmittelbereich sowie für weitere Handels- und große Industrieunternehmen. Seit neuestem vertreibt das Unternehmen auch eigene Produkte und zwar hochwertige Naturbettwaren unter der Marke „lebenslust“ (Frau Kraft hat den Katalog bereits geordert).
Hannelore Kraft schnupperte in die verschiedenen Bereiche des Unternehmens hinein, ließ sich einzelne Arbeitsschritte vorführen und erklären. Besonders interessiert war sie an den Werdegängen der Beschäftigten und ihren jeweiligen Aufgaben im Unternehmen. Der persönliche Kontakt kam gut an.
Die Münsterländische Volkszeitung berichtete wie folgt:
„Auch hier: Kraft hört gerne zu, aber lieber redet sie mit den Menschen. „Seit wann arbeiten Sie hier?“ „Wann fangen Sie morgens an?“ „Wechseln Sie auch mal die Station?“ - es sind einfache Fragen, die das Eis brechen. Für die gehörlosen Mitarbeiter übersetzt ein Gebärden-Dolmetscher. Schnell wird Kraft mutiger, hakt nach: „Wenn sie Koch gelernt haben, warum arbeiten sie nicht in dem Beruf?“ Für jeden hat sie ein aufmunterndes Wort: „Das machen sie gut“, „Weiter so“ und für die Mikrofone erinnert sie daran, dass sie damals als Wissenschaftsministerin dafür gekämpft habe, den einzigen Lehrstuhl für die Ausbildung von Gehörlosen-Lehrern zu erhalten.
„Mal sehen, wie schnell sie sind“ spornt sie Christian Kuhle an, der in Windeseile getrocknete Kräuter nach den unterschiedlichen Deckel-Farben - natürlich rot und grün - in gemischte Gebinde sortiert. Die Kameras klicken um die Wette und Kraft moniert: „Ein bisschen viel Grün“.
Später, während sie eine (wie gewünscht glutenfreie) Gulaschsuppe löffelt, preist Jäsckke Integrationsunternehmen wie das seine als mögliches Modell auch für andere Zielgruppen. Auch Kraft spricht von einem „guten Beispiel" für andere Unternehmen, davon, dass Behinderte eine Bereicherung für jeden Betrieb seien, dass man gegenseitig voneinander profitieren könne, dass Integration keinen Mitleidsbonus brauche. Am meisten aber habe sie beeindruckt, den Stolz der Menschen auf ihre Arbeit gesehen zu haben.“ (MV, 7.4.2012).
Kraft legte auch selber Hand an. Zusammen mit Elisabeth Veldhues versuchte sie Sleeves, Ummantelungs-Plastikfolien, über Kunststofflaschen zu stülpen, die dann per Maschine gesleevt, d.h. mit Wasserdampf eingeschweißt werden. „Gar nicht so einfach“, stellten beide Damen übereinstimmend fest.
LWL-Landesrat Matthias Münning informierte während des Rundgangs Presse und Politik über die Möglichkeiten, die Integrationsprojekte bieten. Wahlkampfbedingt war die Aufmerksamkeit der Medien hoch. Drei Fernsehteams und ein Pulk von Journalisten sowie Fotografen nahmen zur Kenntnis, dass Integrationsprojekte eine Chance für Menschen bieten, die sonst nur schwer auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. Es wurde sichtbar, dass Menschen mit und ohne Behinderung in diesen Unternehmen stolz zusammen arbeiten und den Umsatz ihres Betriebes im Sinne gelebter Inklusion gemeinsam erwirtschaften.
Die Belegschaft tat genau das richtige, um sich im Gedächtnis der Landeschefin einzuprägen und setzte damit auch einen grün-weißen Kontrapunkt zur aktuellen schwarzgelben Fußball-Euphorie: Stellvertretend überreichte die Mitarbeiterin und Gladbach-Fan Diana Böhmer ein Borussia-Mönchengladbach-T-Shirt. Die Ministerpräsidentin war gerührt, ist sie doch glühende Anhängerin der ‚Fohlenelf’ und bevorzugt sogar für ihre ‚Dienstkutsche’ ein BM-Kennzeichen.