Der LWL kann steigende Ausgaben nicht vermeiden

Hindernisse überwinden kostet Geld

Von Jahr zu Jahr steigen in der Eingliederungshilfe die Kosten für den LWL, weil es immer mehr Menschen mit Behinderungen gibt, die auf Hilfe angewiesen sind. Die Zahl der Beschäftigten in den Werkstätten wird sich jährlich weiter erhöhen und auch die Anzahl der Menschen steigt, die ambulante Hilfen beim Wohnen benötigen. Allein die Zahl der Wohnheimplätze wird vermutlich stabil bleiben.

Wie entwickeln sich die Zahlen in der Eingliederungshilfe in Westfalen-Lippe

Der steigende Bedarf war bereits in den vergangenen Jahren deutlich zu spüren: Leistete der LWL im Jahr 2003 noch knapp 41.000 Hilfen, sind es 2012 bereits rund 63.000. Die Ausgaben kletterten in diesem Zeitraum von weniger als 900 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro. Der LWL geht  in Zukunft von weiter steigenden Fallzahlen aus, da mehr Menschen auf Hilfen angewiesen sind, als Menschen, die die Hilfe nicht mehr benötigen und das System verlassen.

Dass mehr Menschen Hilfen benötigen hat viele Gründe. Viele Menschen erwerben im Laufe ihres Lebens eine Behinderung; geburtenstarke Jahrgänge und der demografische Wandel führen dazu, dass in den nächsten Jahren von einem weiteren Zuwachs auszugehen ist.

Wie entwickeln sich die Ausgaben in der Eingliederungshilfe in Westfalen-Lippe?

Lassen sich Mehrkosten vermeiden?
Der LWL kann den Kostenanstieg bremsen, verhindern kann er ihn nicht. Rund 84 Prozent der Ausgaben der Eingliederungshilfe finanzieren die Personalkosten der Leistungsanbieter, also der Wohnheime, der ambulanten Dienste oder der Werkstätten für behinderte Menschen. In Westfalen-Lippe werden dadurch zum einen 40.000 Arbeitsplätze im Sozialleistungsbereich gesichert. Zum anderen führt bei der gegenwärtigen Ausgabenhöhe eine Tarifsteigerung um nur ein Prozent schon zu Mehrkosten für den LWL von rund 17 Millionen Euro.
 

Ambulant ist besser und kostengünstiger
Durch den vermehrten Umstieg auf ambulante Hilfen entlastet der LWL auch die öffentlichen Kassen. Der finanzielle Aufwand für eine stationäre Betreuung (Heimplatz) ist im Jahr durchschnittlich fünfmal so hoch wie der für eine ambulante Betreuung. Die LWL-Behindertenhilfe hat seit dem Jahr 2003 das Verhältnis ambulanter Wohnhilfen zu stationären Leistungen im Heim von 25 zu 75 auf 52 zu 48 verbessern können und damit Kosten gedämpft. Bei den Neufällen, die im Rahmen der Hilfeplankonferenz beraten werden, beträgt das Verhältnis ambulant zu stationär mittlerweile ca. 80 zu 20 (Stand 31.12.2012).

Das gelang, weil Einzelfälle besser gesteuert und Strukturen verändert wurden:

  • Die Einführung des so genannten Hilfeplanverfahrens hat dazu geführt, dass wichtige Entscheidungen nicht mehr am Schreibtisch fallen. Stattdessen werden sie persönlich mit dem Menschen mit Behinderung und mit Fachleuten der kreisfreien Stadt / des Kreises getroffen. Das Verfahren ändert sich auch bei einem Umzug innerhalb von Westfalen Lippe nicht.
  • Heute finden Menschen mit Behinderungen in jeder Stadt und in jedem Kreis in Westfalen-Lippe ambulante Dienste, die sie in der eigenen Wohnung zu einheitlichen Preisen und Bedingungen unterstützen. Damit sind die Lebensverhältnisse von Menschen mit Behinderungen angeglichen worden.
  • Parallel zum Ausbau der ambulanten Betreuung konnten seit 2006 in bundesweit einmaligen Vereinbarungen mit Wohnheimträgern rund 1.000 Heimplätze abgebaut werden. 2008 ging die Gesamtzahl dieser Wohnhilfen in Westfalen-Lippe erstmals zurück und stagniert zur Zeit.
  • Die angestrebten Verbesserungen in der Struktur der Eingliederungshilfe werden gemeinsam mit den Städten und Kreisen auf der Grundlage von Kooperationsvereinbarungen entwickelt.

Warum sich der Bund beteiligen muss

Inklusiv arbeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und inklusiv wohnen in den eigenen vier Wänden, das ist das otimale Miteinander. Der LWL hat in der Vergangenheit seine Hausaufgaben gemacht - aber das Ziel ist noch nicht erreicht. Wenn der Bund hilft, ein Bundesteilhabegeld einführt und den Menschen mit Behinderungen, die in stationären Einrichtungen leben, die vollen Leistungen der Pflegeversicherung gewährt - dann wäre ein Quantensprung Richtung Inklusion gemacht.