Ambulant Betreutes Wohnen - Fragen und Antworten

Im Folgenden finden Sie einige Fragen, die dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) häufig im Zusammenhang mit dem Ambulant Betreuten Wohnen gestellt wurden, mit den dazugehörigen Antworten, sofern sie nicht bereits in den allgemeinen „Hinweisen zur Leistung, Vergütung und Abrechnung“ beschrieben sind (der Link hierzu befindet sich am Ende dieser Seite) .

Zur besseren Übersichtlichkeit wurde eine Sortierung nach Themenschwerpunkten vorgenommen. Haben Sie eine Frage, auf die Sie hier keine Antwort finden, können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Wir sind bemüht, diesen Fragen-Antwort-Katalog ständig um bisher noch nicht aufgeführte Problematiken von allgemeiner Bedeutung zu erweitern.
 

Verfahrensfragen zum Ambulant Betreuten Wohnen

1. Wie ist zu verfahren, wenn ein vereinbarter Betreuungskontakt nicht zustande kommt?

Im Rahmen der gültigen Leistungs- und Prüfungsvereinbarung sind Ausfallzeiten bzw. von den Klient/innen nicht wahrgenommene Termine den klientenbezogenen mittelbaren Betreuungsleistungen  zugeordnet (siehe § 1 Absatz 4 Buchstabe a der Leistungs- und Prüfungsvereinbarung). Derartige Leistungen sind im Rahmen der Regelung, dass jede Fachleistungsstunde auch aus bis zu 10 Minuten klientenbezogener mittelbarer Leistungen bestehen kann, bis zu solch einem Umfang abrechnungsfähig, müssen jedoch auch entsprechend dokumentiert werden.

 

 2. Können vor einem Heimauszug in das Betreute Wohnen bereits Fachleistungsstunden bewilligt werden?

Nein, da es dann zu einer Doppelfinanzierung kommen würde. Tätigkeiten zur Vorbereitung des Auszuges fallen in den Aufgabenbereich der stationären Wohneinrichtung.


3. Übernimmt der LWL Kosten für die Erstausstattung eines neu anerkannten Dienstes z.B. mit einen PKW, Inventar für Büroräume, Personalkosten?

Nein, der LWL übernimmt „lediglich“ die Kosten für die fachliche Betreuung der behinderten Menschen.

Zuschüsse für die oben beschriebenen Leistungen können bei der Aktion Mensch (ehemals Aktion Sorgenkind) oder der Stiftung Wohlfahrtspflege beantragt werden. Beide Organisationen verlangen in der Regel eine entsprechende Bescheinigung des LWL als zuständigem Kostenträger für die Betreuungsleistungen, dass der Antragsteller über eine Anerkennung des LWL als Anbieter des Ambulant Betreuten Wohnens verfügt, vom LWL keine Zuschüsse zu derartigen Aufwendungen geleistet werden, die geplanten Anschaffungen bzw. entstehenden Kosten im Allgemeinen zur Durchführung des Dienstes notwendig sind und erforderliche Eigenleistungen und Kapitalmarktmittel aus der Vergütung der Betreuungsleistungen bestritten bzw. refinanziert werden können. Auf Anforderung des jeweiligen ambulanten Dienstes und unter Vorlage einer Kopie des entsprechenden Antrages, stellt der LWL nach Prüfung der v.g. Voraussetzungen eine Bescheinigung aus. 

4. Während eines laufenden Betreuungskontakts ergibt sich durch einen Telefonanruf vorübergehend ein weiterer Betreuungskontakt mit einem anderen Klienten. Wem darf die Zeitdauer des Telefonats berechnet werden?

Die Zeitdauer des Telefonats darf auf keinen Fall doppelt berechnet werden. Das ergibt sich bereits aus den Regelungen zur Vergütung von Gruppenangeboten, wonach stets im Verhältnis Zeitdauer : Teilnehmerzahl abzurechnen ist.

Wenn beispielsweise im Rahmen eines 60-minütigen Einzelkontakts zwischenzeitlich Telefonate geführt werden, ist von einer Unterbrechungszeit auszugehen, die dem anwesenden Klienten grundsätzlich nicht berechnet werden darf.
Ein sechs bis zehnminütiges Telefonat reduziert die Betreuungszeit auf 50 Minuten, wenn – wie vom LWL empfohlen – kaufmännisch gerundet wird. Wenn es sich bei dem Telefonat um einen Betreuungskontakt mit einem weiteren Klienten handelt, können diesem noch 10 Minuten berechnet werden.
Ein vierminütiges Telefonat reduziert die Betreuungszeit auf 56 Minuten. Aufgrund der Rundungsregel können dem anwesenden Klienten allerdings 60 Minuten berechnet werden. Dem anrufenden Klienten darf in diesem Fall kein Zeitanteil berechnet werden.

5. Wer trägt die Kosten, wenn der erwachsene Mensch mit geistiger Behinderung im Rahmen der medizinischen Versorgung im Krankenhaus oder beim Facharzt Begleitung und Assistenz benötigt?

1. In den häufigsten Fällen wird die Hilfe beim Arztbesuch durch Angehörige sichergestellt. Kosten werden dann nicht übernommen. Im Krankenhaus finanziert die Krankenkasse die Mitaufnahme einer Begleitperson, wenn dies aus medizinischen Gründen erforderlich ist (§§ 2a i.V.m. 11 Abs. 3 SGB V).

2. Bei behinderten Menschen, die Leistungen des LWL zum selbstständigen Wohnen (Ambulant Betreutes Wohnen) durch einen anerkannten Dienst erhalten, kann die Begleitung zum Arzt durch den Dienst erfolgen. Bei Krankenhausaufenthalten gilt Nr. B.7 der "Hinweise des LWL zur Leistung, Vergütung und Abrechnung", der folgende Regelung trifft:

„Sofern bei (teil-)stationären Krankenhausaufenthalten oder sonstigen stationären Rehabilitationsmaßnahmen zu Lasten anderer Sozialleistungsträger eine weitere Betreuung notwendig ist, werden maximal 2 Fachleistungsstunden pro Woche ohne besonderen Antrag vergütet, weil davon auszugehen ist, dass die betreute Person nach der Behandlung in das Ambulant Betreute Wohnen zurückkehrt. In begründeten Einzelfällen kann auf Antrag auch eine höhere Stundenzahl genehmigt werden.
Der Aufnahme- und Entlassungstag rechnen nicht zur Dauer einer (teil-)stationären Behandlungs- oder Rehabilitationsmaßnahme, so dass an diesen Tagen mehr als 2 Fachleistungsstunden abgeleistet werden können.“

Ist aus medizinischen Gründen eine Begleitung im Krankenhaus in einem höheren Umfang erforderlich, kommen Leistungen der Krankenkasse in Betracht (siehe 1).

3. Bei pflegebedürftigen Menschen, die ihre Pflege im Rahmen des sog. Arbeitgebermodells selbst organisieren (Anmerkung: Menschen mit geistiger Behinderung gehören i.d.R. nicht zu diesem Personenkreis), besteht nach einer Gesetzesänderung im vergangenen Jahr ein Anspruch auf Weiterfinanzierung im bisherigen Umfang während einer Krankenhausbehandlung (§ 63 S. 4 bis 6 SGB XII neu). Mehrkosten des Krankenhauses (z. B. wegen der Übernachtung und Verpflegung der Assistenzkraft) trägt die Krankenkasse (§ 11 Abs. 3 SGB V).

 

Hilfeplanverfahren / Hilfeplankonferenz des LWL

 

1. Was ist zu tun, wenn eine Aufnahme in das Betreute Wohnen so eilig ist, dass die Entscheidung der Hilfeplankonferenz nicht abgewartet werden kann?

In einer derartigen Fallkonstellation ist der/die zuständige LWL-Hilfeplaner/in umgehend zu informieren.

Einzelheiten zum Verfahren entnehmen Sie bitte dem Rundschreiben der LWL-Behindertenhilfe Westfalen Nr. 1/2014 vom 16.04.2014 zum „Beginn der wohnbezogenen Leistungen des LWL im Rahmen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen  nach dem SGB XII“, welches Sie nachfolgend nachlesen und als pdf-Datei herunterladen können.