Ambulant Betreutes Wohnen - Evaluation

Die Verordnung, mit der das Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW den beiden Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) die Zuständigkeit für das Ambulant Betreute Wohnen behinderter Menschen übertragen hat, sieht eine Laufzeit vom 01.07.2003 befristet bis zum 30.06.2010 vor.

Die Konzentration der sachlichen Zuständigkeit für alle Formen des selbstständigen Wohnens (stationär sowie ambulant) im Rahmen der Eingliederungshilfe in einer Hand war notwendig, um auch im ambulanten Bereich flächendeckend das erforderliche Hilfsangebot für behinderte Menschen entwickeln und gleichzeitig der absehbaren Fallzahlsteigerung im Bereich des stationären Wohnens entgegenwirken zu können. Dies dient sowohl den Interessen und Bedürfnissen der behinderten Menschen als auch der finanziellen Entlastung der Kommunen. Die bis zum 30.06.2003 geteilte Zuständigkeit hat die flächendeckende Entwicklung ambulanter Angebote eher verhindert.

Im Rahmen der Zuständigkeitsverlagerung geht es auch darum, über neue Arbeits- und Organisationsstrukturen nachzudenken, um mit Hilfe besserer Kommunikation, Kooperation, Vernetzung und professioneller Steuerung, die Bewältigung von Lebenssituationen behinderter Menschen zielgenauer und bedarfsgerechter zu ermöglichen und bestimmte Reibungsverluste sowie bürokratische und institutionelle Schwierigkeiten im Zusammenwirken etwa von Trägern der Sozialhilfe und anderen Sozialleistungsträgern, Verbänden und Institutionen zu vermeiden.

Im gesellschaftlichen Umgang mit behinderten Menschen hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen: weg von den ausschließlich rehabilitativen, defizitorientierten Hilfen, hin zu den bedarfs- und kompetenzorientierten Konzepten der sozialen Integration und des selbstbestimmten Lebens. Dieses erfordert eine verlässliche Struktur an ambulanten Diensten, die flexible Hilfen im Alltag ermöglichen. Die Befristung erfolgte vor dem Hintergrund, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wo zukünftig die Aufgabe der Eingliederungshilfe nach dem SGB XII anzusiedeln ist, beim örtlichen (kreisfreie Stadt/Kreis) oder beim überörtlichen Sozialhilfeträger (LWL).

Damit nach Ablauf der Frist verwertbare Erkenntnisse für eine auf Dauer angelegte Zuständigkeit für die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen vorliegen und Instrumente für eine an den Bedürfnissen der behinderten Menschen orientierte bedarfsgerechte ambulante Versorgungsstruktur entwickelt werden kann, die effektiv und effizient optimale Hilfe anbieten, wird die befristete Zuständigkeitsverlagerung durch wissenschaftliche Begleitung (Evaluation) unterstützt und vom zuständigen Ministerium ausgewertet. Diese Evaluation wird ergebnisoffen durchgeführt.

Ein solches Auswertungs- und Begleitinstrument wurde von den beiden Landschaftsverbänden und den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege ausdrücklich gefordert. Das Ministerium als Kostenträger der Evaluation hat das Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste (ZPE) der Universität Siegen, Adolf-Reichwein-Str. 2, 57068 Siegen mit der wissenschaftlichen Begleitforschung beauftragt. Die Auswertungen werden bis zum 30.06.2008 abgeschlossen sein, um in der dann verbleibenden Zeit bis zum Außerkrafttreten der per Verordnung geregelten Zuständigkeitsübertragung eine endgültige Regelung ab dem 01.07.2010 zu finden. Zur Durchführung eines solchen Projektes ist es notwendig, dass ein kontinuierlicher Arbeits- und Reflexionsprozess stattfindet. Daher finden in regelmäßigen zeitlichen Abständen Arbeitskreise mit allen Beteiligten, dem Zentrum für Evaluation und dem Ministerium statt. Hierbei werden die vorgegebenen Arbeitsziele kontinuierlich überprüft und gegebenenfalls neu formuliert. Ein Beirat und eine Steuerungsgruppe begleiten das Projekt.

Zudem haben die Kommunalen Spitzenverbände bestehend aus dem Landkreistag NRW, Städtetag NRW und dem Nordrheinwestfälischen Städte – und Gemeindebund sowie die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe eine „Rahmenvereinbarung Eingliederungshilfe Wohnen", geschlossen. Diese Rahmenvereinbarung im Wortlaut finden Sie am Ende dieser Seite als pdf-Datei. Auf der Grundlage dieser Rahmenvereinbarung haben sich alle Beteiligten auf einen regelmäßigen, stichtagsbezogenen Austausch von statistischen Daten geeinigt.

Einen Überblick über den Inhalt der vereinbarten Daten und die jeweiligen Stichtage finden Sie am Ende dieser Seite als pdf-Datei unter dem Stichwort: „Datensatz Rahmenvereinbarung Eingliederungshilfe Wohnen“. Nachfolgend haben wir für Sie die wesentlichen Informationen der vom LWL an das ZPE gelieferten Datensätze/Statistiken in Bezug auf den Leistungsbereich Ambulant Betreutes Wohnen für die Zeit ab dem 31.12.2004 als pfd-Datei bereitgestellt:

Alle am Prozess Beteiligten haben sich darüber hinaus darauf verständigt, dass  zur vertiefenden Untersuchung der Wirkungen der Zuständigkeitsveränderung neben den breit angelegten landesweiten Erhebungen im Rheinland und in Westfalen-Lippe, jeweils zwei ausgewählte Kommunen im Bereich beider Landschaftsverbände intensiver in die Untersuchung einbezogen werden (sog. Projektregionen). Es handelt sich hierbei um folgende vier Kommunen:

•  Bereich Landschaftsverband Rheinland: Stadt Essen und Rheinisch-Bergischer Kreis
•  Bereich Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Stadt Münster und Kreis Minden-Lübbecke