Ambulant Betreutes Wohnen - Erläuterung

Ambulant Betreutes Wohnen für behinderte Menschen im Rahmen der Eingliederungshilfe nach §§ 53,54 Sozialgesetzbuch Zwölf (SGB XII)

Mit Wirkung ab dem 01.07.2003 wurde dem Landschaftsverband Rheinland (kurz: LVR) und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (kurz: LWL) per Verordnung des Landes NRW die sachliche Zuständigkeit „für alle Leistungen der Eingliederungshilfe nach §§ 75 ff SGB XII für behinderte Menschen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, außerhalb einer Anstalt, eines Heimes, einer gleichartigen Einrichtung oder einer Einrichtung zur teilstationären Betreuung, die mit dem Ziel geleistet werden sollen, selbstständiges Wohnen zu ermöglichen oder zu sichern. Neben den Leistungen nach § 75 ff SGB XII umfasst die Zuständigkeit insbesondere auch die Hilfen nach § 55 Abs. 2 Nr. 3 bis 7 SGB IX und andere im Einzelfall notwendige Hilfen in besonderen Lebenslagen, ohne die ein selbstständiges Wohnen nicht erreicht oder gesichert werden kann.“

In den o.a. Fällen ist der LWL ab dem 01.01.2004 auch für die Hilfe zum Lebensunterhalt zuständig; diese Hilfe wurde jedoch zur Aufgabendurchführung auf die kreisfreien Städte und kreisangehörigen Gemeinden per Satzung delegiert. 

Da der LWL auch zuständiger Kostenträger für die stationäre Betreuung von behinderten Menschen in einem Wohnheim ist, ist mit der Zuständigkeitsverlagerung des Ambulant Betreuten Wohnens auf die Landschaftsverbände ein wichtiges Ziel zur verbesserten Unterstützung behinderter Menschen erreicht:

Das Angebot von individuell abgestimmten und flexiblen Hilfen aus einer Hand.

Hierfür haben sich die Landschaftsverbände in den vergangenen Jahren stark engagiert. Menschen mit Behinderung sollen genauso selbstbestimmt leben können wie nicht behinderte Menschen. Hierzu gehört auch die Möglichkeit, in der eigenen Wohnung zu leben und am Leben in der Gemeinschaft teilzunehmen. Eine auf den individuellen Hilfebedarf zugeschnittene ambulante Unterstützung verschafft dem behinderten Menschen ein größeres Maß an Eigenständigkeit und Lebensqualität.

In Westfalen-Lippe erhalten ca. 33.000 Menschen mit Behinderung Unterstützungsleistungen im Bereich Wohnen. Viele von ihnen sind nur in einigen Bereichen des täglichen Lebens auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Sie können zwar nicht völlig alleine und unabhängig leben, benötigen aber auch nicht die Rundum-Betreuung, die eine stationäre Einrichtung bietet – wie etwa ein Wohnheim für behinderte Menschen oder ein Pflegeheim.

Darüber hinaus verspricht sich der LWL durch die konsequente Umsetzung des Grundsatzes „ambulant vor stationär“ eine Kostendämpfung der seit Jahren stetig ansteigenden Ausgaben der Sozialhilfe für behinderte Menschen. Allein für die stationäre Betreuung behinderter Menschen in Wohneinrichtungen lag der Ausgabenanstieg in den vergangenen zehn Jahren bei insgesamt 90%. Die voraussichtlichen Ausgaben im Kalenderjahr 2006 für diese kostenintensiven Ausgabeblöcke der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen umfassen heute schon mehr als die Hälfte des gesamten Verwaltungshaushaltes des LWL.Mittelfristig werden die Ausgaben für die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen weiterhin zunehmen. Die weitere Entwicklung der Eingliederungshilfe ist voraussichtlich bis 2012 geprägt durch steigende Fallzahlen und Kosten. So werden sich von 2004 bis 2010 die Ausgaben der Eingliederungshilfe nach den heutigen Prognosen um rund 17% erhöhen. Dies sind rund 215 Mio. Euro, die die Mitgliedskörperschaften des LWL (kreisfreie Städte und Kreise) – und damit mittelbar auch die steuerzahlenden Bürger - zusätzlich aufzubringen haben.

Ursächlich für den nachhaltigen Kostenanstieg ist zum einen die Entwicklung der Fallzahlen, zum anderen die Entwicklung der Durchschnittskosten je betreuter Person.

Das Durchschnittsalter der heutigen behinderten Menschen in Wohneinrichtungen liegt bei rd. 40 Jahren. Bedingt durch dieses relativ niedrige Durchschnittsalter verlassen in den folgenden Jahren weit weniger Menschen das Wohnheim, als neue junge behinderte Menschen dort einziehen. Eine Steigerung der Fallzahlen ist also so lange unvermeidlich, bis „Zugänge“ und „Abgänge“ sich ausgleichen. Durch den medizinischen Fortschritt haben auch schwerstmehrfach behinderte Menschen heute eine ähnliche Lebenserwartung wie alle anderen Menschen. Zudem kommen Menschen mit Behinderungen heute tendenziell früher (sinkendes durchschnittliches Eintrittsalter) an ambulante oder stationäre Betreuungsformen, da sie sich früher vom Elternhaus lösen. Darüber hinaus kann festgestellt werden, dass der Personenkreis der Menschen mit einer chronischen Suchterkrankung oder einer psychischen Behinderung zunimmt.

Hinzu kommt weiterhin, dass die Aufwendungen für einen Platz in einem stationären Wohnheim weitaus kostenintensiver sind als eine Betreuung im Rahmen des Ambulant Betreuten Wohnens:
 

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Wohnheimplatz

durchschnittlich 95 Euro pro Tag

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Betreutes Wohnen

durchschnittlich 50 Euro pro Tag

Aus den v.g. Gründen wirbt der LWL aktiv für die ambulante Wohnform. Auch Menschen, die zur Zeit noch stationär betreut werden, sollen in größerem Umfang als bisher die Möglichkeit erhalten, selbstständiger zu wohnen und zu leben. 

Selbstverständlich erhält jeder behinderte Menschen die Unterstützung, die er gemessen an dem Grad seiner Behinderung benötigt.

Die Unterstützungsleistungen sind hierbei so vielfältig wie die individuellen Hilfebedarfe des einzelnen behinderten Menschen. Sie umfassen alle Bereiche des täglichen Lebens wie zum Beispiel die Unterstützung bei gesundheitlichen und beruflichen Problemen, Haushalt, Freizeitgestaltung, Umgang mit Behörden, Erhalt oder Beschaffung von Arbeit etc..

Die notwendigen Unterstützungsleistungen werden dabei von qualifizierten Fachkräften (z.B. Sozialarbeiter/innen, Sozialpädagog/innen, Erzieher/innen, Heilpädagog/innen etc.), die bei anerkannten ambulanten Diensten beschäftigt sind, durchgeführt. Bei dem Ambulant Betreuten Wohnen handelt es sich um eine vorwiegend aufsuchende Betreuungsleistung, das heißt, die Fachkraft kommt zum behinderten Menschen in dessen Wohnung oder begleitet ihn bei allen notwendigen Erledigungen des täglichen Lebens.

Auf den folgenden Seiten hat der Landschaftsverband umfangreiche Informationen zum Thema „Ambulant Betreutes Wohnen für behinderte Menschen in Westfalen-Lippe“ zusammengestellt.

Falls Sie noch zusätzliche Informationen benötigen und noch Klärungsbedarf haben, können Sie sich gerne mit dem Ansprechpartner/ der Ansprechpartnerin für Ihre Region (Ansprechpartner/innen für den Bereich Vertrags-, Grundsatz- und Verfahrensangelegenheiten) in Verbindung setzen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre!

Die Mitarbeiter/innen des Fachbereiches Ambulant Betreutes Wohnen