In der Praxis alltäglicher Verständigung und in den Medien sind "Heldin" und "Held" nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland zu Signalwörtern mit zunehmend diffuser Semantik, problematischer Verbindlichkeit und schwindender emotionaler Bindungskraft geworden.
Semantischer Schwund spiegelt sich in ihrer Vervielfachung, ihrer begrenzten Haltbarkeit, in Austauschbarkeit und in der Unverbindlichkeit ihrer Anerkennung. Die Versuche zur Etablierung und Erhaltung bestimmter Bedeutungen gegen den langen geschichtlichen Prozess der Dekonstruktion waren und sind jeweils mit erheblichen Aufwendungen und Absicherungen (Ritualen, Propaganda, Gesetzgebung, Gewalt) verbunden.
Zusammengefasst: Wenn Helden-Bilder Zeichen der Krise sind (J. Burkhardt, A. Toynbee), dann lassen sie sich als Figuren der Leit- und Streitkultur einer Gesellschaft interpretieren. Sie kommentieren die Bildungsideen ihrer Zeit.
Forschung
Aufstieg und Niedergang von "Helden" und die Präsentation von Helden-Bilder werden seit jeher vom Nachdenken über Heldinnen und Helden begleitet. In Forschungen aus Geistes- und Begriffsgeschichte, aus Sozial-, Kultur- und Mediengeschichte wurde die Rolle von Helden-Bildern in Hierarchien und in Herrschaftsprozessen einerseits, andererseits im Kontext von Werten und Sinn-Systemen herausgearbeitet. Helden-Würdigungen und -Feiern (Held der Sowjetunion, Held der Arbeit, heroes of war) wurden als ein sozio-politischer Anachronismus erkannt.
Andererseits bedarf die Überlebensfähigkeit des Helden-Dispositivs der Erklärung.
Aus unterschiedlichen Aspekten der Forschung greifen die Tagungsbeiträge aktuelle Fragestellungen zu Heldinnen und Helden, zu ihrem Status, zu ihren Bezugssystemen auf. Im weiterführenden Gespräch über Fachgrenzen hinweg wird nach den Möglichkeiten und Grenzen der Verknüpfung mit der kulturgeschichtlichen Überlieferung, nach Zeit- und Unzeitgemäßheit des Helden-Bilds gefragt. Insofern leistet das Gespräch über "Heldinnen" und "Helden" auch einen Beitrag zu den Diskussionen und Kontroversen um die "Arbeit am nationalen Gedächtnis" (A. Assmann).
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