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Westf. Industriemuseum
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Ein Rundgang durch die Ausstellung

 
Ein Korbwagen als Fluchtfahrzeug
Schüler besichtigen den Güterwaggon, der als erstes Originalexponat die Aufmerksamkeit der Ausstellungsbesucher auf sich zieht.
Flucht und Vertreibung

Auf dem Gelände der Zeche Zollern weisen Gesichter prominenter Politiker und Künstler aus dem Osten sowie lebensgroße historische Fotos von Flucht und Vertreibung den Weg in das Ausstellungsgebäude. In einem Güterwaggon, wie er im 20. Jahrhundert tausendfach zur Deportation und Vertreibung eingesetzt wurde, erinnern Fußspuren an neun Familien aus Voigtsdorf in Schlesien, die im Mai 1946 ihre Heimat verlassen mussten.
 
Blick in die Ausstellung. Foto: LWL
"Flüchtlingsschweine" - dies war nur ein Schimpfwort für Flüchtlinge vor allem auf dem Lande. Auf einem Bretterzaun sind noch weitere aufgeführt.
Ablehnung und Hilfsbereitschaft

Auf dem Land trafen die Flüchtlinge auf eine Bevölkerung, die Fremden eher ablehnend gegenüberstand. Willkommen waren die von der Vertreibung gezeichneten Menschen dort in der Regel nicht. In den kriegszerstörten Städten hatten die Einheimischen durch Luftangriffe genau wie die Vertriebenen fast alles verloren, waren oft selbst evakuiert und teilten damit viele Erfahrungen der Zuzügler. Inventar aus Notunterkünften, Fotos, Dokumente und Erinnerungsstücke veranschaulichen das Thema.
 
Gelsenkirchens fünf Säulen der Industrie
Gelsenkirchens fünf Säulen der Industrie
Wirtschaft und Gesellschaft

In Nordrhein-Westfalen war Ende der 1950er Jahre jeder fünfte Einwohner Flüchtling oder Vertriebener. Hier befanden sich außerdem die Schlüsselindustrien für den Wiederaufbau. Deshalb stellt die Ausstellung die Entwicklung zwischen Rhein und Weser in den Mittelpunkt – und liefert damit gleichzeitig einen Beitrag zum 60. Gründungsjubiläum des Bundeslandes NRW im Jahr 2006.

An den Beispielen Bergbau und Bauwirtschaft, Textil- und Bekleidungsindustrie, Glasherstellung und Maschinenbau zeigt „Aufbau West“, in welchem Maße Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Krieg fehlende Arbeitskräfte ersetzten, wo Unternehmer neue Industriezweige ansiedelten und wie durch den Ost-West-Transfer die einheimische Produktpalette erweitert wurde. Das Spektrum der Exponate reicht vom Streichholzbriefchen bis zum Drahtwebstuhl, vom Glasknopf bis zur Nähmaschine, von der Maurerkelle bis zum Modellhaus.
 
Neuanfang im Bergbau
In diesem "Biografischen Häuschen" wird die Geschichte von Helene Kamolz erzählt. Sie wurde 1922 in Oberwüstegiersdorf/Schlesien geboren. Heute lebt Sie in Nordwalde (Kreis Steinfurt). Foto: LWL
Menschen und Schicksale

„Aufbau West“ zeigt keine abstrakte Industriegeschichte: Anhand von 40 Biografien erzählt die Ausstellung, wie Menschen die Flucht, die Ankunft und den Neubeginn erlebt und welche Leistungen sie erbracht haben. Die Interviewpartner haben nicht nur ihre persönliche Geschichte, sondern auch viele Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt. Mit ihrer Hilfe erweckt die Ausstellung die Jahre des Wiederaufbaus zu neuem Leben und macht die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen sowie ihr heutiges Verhältnis zur alten Heimat anschaulich.
 
Günter Grass: Im Krebsgang
Blick in die Ausstellungseinheit "Spuren"
Spuren

Denkmäler und Straßenschilder, Patenschaften und Museen, politische und literarische Debatten – in all diesen Bereichen zeigen sich bis heute Spuren der Flüchtlinge und Vertriebenen. In Partnerschaften und Kooperationsprojekten entwickelt sich gleichzeitig ein neues Verhältnis zu den heutigen Bewohnern der Herkunftsregionen. Mit einem Bogen in die Gegenwart und dem Ausblick in ein zusammenwachsendes Europa entlässt die Ausstellung ihre Besucherinnen und Besucher.
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"Die Ausstellung holt Erinnerungen aus der Binnenwelt regionaler und lokaler Heimatstuben heraus und verknüpft sie mit der Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik."
Dr. Christina Weiss, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
und Schirmherrin der Ausstellung

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