Bocholt (lwl). Von alters her klapperten in Bocholt und den Dörfern des Westmünsterlandes die Handwebstühle. Die Weber lieferten fertige Ware bei "Fabrikanten" ab und erhielten dafür neues Garn. Diese Ära endete vor 150 Jahren, als August Cornelius Tangerding die erste Dampfmaschine in Bocholt aufstellte. Der "Fuckepott" – eine stehende Dampfmaschine – trieb fortan Maschinen in Spinnereien, Webereien und Ausrüstungsbetrieben an.
Das Westfälische Industriemuseum in Bocholt widmet dem Jubiläum in diesem Jahr eine Sonderausstellung ("Mit dem Fuckepott fing’s an", 16. Juni bis 1. September) mit Dampffestival am Eröffnungstag, erstellt einen industriegeschichtlichen Stadtplan und bietet geführte Stadtrundgänge zur Textilgeschichte Bocholts an.
An den Beginn des Industriezeitalters erinnert das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auch mit dem Volksspiel "Den Wäwedamp" ( = die Dampfweberei). Die traditionelle Aufführung der Kolpingschar Bocholt bildet gleichzeitig den Auftakt zu den Jubiläumsaktivitäten. Am letzten Aprilwochenende (27./ 28.4.) wird das Stück von Johannes Ostendorf im städtischen Bühnenhaus wohl zum letzten Mal in der Originalversion von 1922 zu sehen sein: nämlich in Bocholter Plattdeutsch. Das Volksspiel zeigt am Beispiel persönlicher Schicksale, wie es damals gewesen sein könnte, als die Handweber ihre Arbeit aufgeben mussten, um in den Fabriken einen neuen Broterwerb zu finden. Die Lebensbedingungen von Webern und Handwerkern und das Verhältnis zu Fabrikanten und Obrigkeit werden eindrucksvoll in Szene gesetzt.
Die Aufführungen beginnen an beiden Tagen um 19.30 Uhr; Karten im Vorverkauf sind erhältlich beim Textilmuseum in Bocholt, beim Kolpinghaus e.V., Kolpingstraße, in der Stadtinformation, Kreuzstraße, und in der Geschäftsstelle des Bocholter-Borkener Volksblattes, Europaplatz.
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Auch beim traditionellenTag der offenen Tür am 1. Mai im Textilmuseum in Bocholt spielt die Dampfmaschine in diesem Jahr eine Rolle: "Fuckepott und mehr – textilgeschichte Im-pressionen" heißt eine Ausstellung mit Aquarellen und Acrylbildern von Georg Spogahn, die am 1. Mai um 11 Uhr eröffnet wird und bis zum 31. Mai im Textilmuseum zu sehen ist. Ansonsten erwartet die Be-sucherinnen und Besucher des Familienfestes wieder ein vielfältiges Angebot mit Theater, Musik, Führungen, Heizerrallye und einigem mehr.
Das Programm im Einzelnen möchte Ihnen Museumsleiter Dr. Hermann Josef Stenkamp bei einem Pressegespräch am Donnerstag, 25. April, um 11 Uhr im Textilmuseum in Bocholt, Uhlandstraße 50, vorstellen.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen.
Pressekontakt: Dr. Hermann Josef Stenkamp, Tel. 02871 21611-0, Christiane Spänhoff, Tel. 0231 6961-127
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