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Westf. Industriemuseum
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Schlagerkissen – neue Ausstellung im Textilmuseum in Bocholt
Bocholt (lwl). "Nimm mich mit Kapitän auf die Reise ..." oder "Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt ...". Wer hat bei diesen Schlagertiteln nicht sofort die passenden Melodien im Ohr? In den 50er-Jahren konnte man sich (mit) dem Schlager aber auch buchstäblich aufs Ohr legen. So genannte Schlagerkissen, bestickt mit bunten Motiven aus dem populären Liedgut, waren groß in Mode. Das beweist eine neue Ausstellung im Textilmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Bocholt. Sie zeigt rund 120 Beispiele der Schmuckstücke. Die von der Textilwissenschaftlerin Dr. Karin Thönnissen erarbeitete Präsentation aus der Privatsammlung Meyn-Scheck ist vom kommenden Sonntag, 3. März (Eröffnung 11.15 Uhr), bis zum 19. Mai im Westfälischen Industriemuseum zu sehen.

Ihre Blüte erlebten die Schlagerkissen in den 50er-Jahren. Unter dem Motto "Schmücke dein Heim" griffen die Hausfrauen in ihrer Freizeit zu Nadel und bunten Fäden und stickten Titel und Motive in Kissenhüllen. Aktuelle Themen waren damals neben dem Dauerbrenner "Liebe" die Heimat als Resonanz auf den Heimatverlust der Vertriebenen und das Fernweh, das sich mit der beginnenden Reisewelle ausbreitete. Der allgegenwärtige Schlager griff diese Themen auf, formulierte Appelle wie "Junge komm bald wieder", machte Versprechungen ("Tausend rote Rosen") und weckte Sehnsucht nach Caprisonne und fernen Ländern.

Erst die rebellischen Sechsziger machten dem Schlagerkissen den Garaus. Rockmusik brachte die Gemüter in Wallung, Frauen begannen, ihre Interessen aus dem häuslichen Bereich ins Berufsleben zu verlagern, und die Fitnesswelle verjagte die Menschen vom gemütlichen Sofa.

Kissen mit Stickereien gibt es schon seit Jahrhunderten. Blumenmuster, biblische Szenen und Landschaftsdarstellungen, ausgeführt in farbiger Seide und mit Gold- und Silberfäden, zierten wertvolle Kissen in der Renaissance. Später lösten Wollfäden die Seidenfäden ab. Im 19. Jahrhundert gaben Garnfabrikanten Vorlagenmappen heraus; in Zeitschriften wurden Kissen abgebildet; die Muster waren auf dem Schnittbogen zu finden oder konnten als "Aufplättmuster" bestellt werden. Häufig tauchten jetzt gestickte Sprüche wie "nur ein Viertelstündchen" auf.

Die Mode, Liedanfänge auf Kissen zu sticken, entstand erst im frühen 20. Jahrhundert. Das älteste Kissen aus der rund 300 Stücke umfassenden Privatsammlung von Ursula Meyn-Scheck aus Wadersloh (Kreis Warendorf) dürfte aus dieser Zeit stammen: "Behüt dich wohl" (Der Trompeter von Säckingen). Das jüngste greift den Schlagertitel "Junge, komm bald wieder" auf, der 1962 von Freddy Quinn gesungen wurde. Damit bleiben die Schlagerkissen ein Phänomen mit kurzer Geschichte: Knapp 50 Jahre lang brachten sie Fernweh und Gemüt-lichkeit in deutsche Wohnzimmer.

Schlagerkissen – Von Fernweh und Gemütlichkeit in deutschen Wohnzimmern
Sonderausstellung im Westfälischen Industriemuseum
Textilmuseum in Bocholt, Uhlandstraße 50, 46397 Bocholt
3. März bis 19. Mai 2002, Di – So 10 – 18 Uhr

Pressekontakt: Dr. Hermann Josef Stenkamp, Tel. 0 28 71 / 2 16 11 - 0
Christiane Spänhoff, Tel. 02 31 / 69 61 – 127
 
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