Granaten, Geschütze und Gefangene ... Vortrag zur Rüstungsfertigung auf der Henrichshütte
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Hattingen (lwl). Während des Ersten und Zweiten Wektkrieges zählte die Henrichshütte zu den Rüstungsbetrieben Deutschlands. Über die damaligen Arbeitsbedingungen und Produkte berichtet am Freitag, 30. November, Dr. Manfred Rasch, Leiter des ThyssenKrupp-Konzernarchivs, in einem Vortrag im Westfälischen Industriemuseum Henrichshütte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Die Henrichshütte stellte mit Beginn des Ersten Weltkrieges ihre Fertigung nach und nach auf kriegswichtige Produkte um. In den zehn Jahren zuvor war die Hattinger Hütte vollkommen modernisiert worden. Verantwortlich dafür war der Lokomotivhersteller Henschel & Sohn aus Kassel. Er hatte die Henrichshütte 1904 erworben, um für den Bau seiner Lokomotiven das notwendige Vormaterial beziehen zu können.
1914 ermöglichte diese Modernisierung eine umfangreiche mechanische Bearbeitung von Werkstücken.
Die Henrichshütte fertigte Granaten, Geschützrohre, aber auch Flugzeugmotoren-Zylinder und Kurbelwellen für U-Boot-Dieselmotoren. Da bei der Mobilmachung im August 1914 ein Drittel der Belegschaft einberufen worden war, arbeiten ab Sommer 1915 - wie in anderen kriegswichtigen Unternehmen - Frauen, Kriegs-gefangene und mehr oder minder freiwillige belgische und polnische Zivilarbeiter aus den von Deutschland besetzten Gebieten auf der Henrichshütte.
Nach Abschluss des Versailler Vertrages mussten auf Anordnung der Alliierten die kriegswichtigen Produktionseinrichtungen verschrottet werden. Mit Beginn der NS-Aufrüstungspolitik wandte sich die Henrichshütte, nun als Ruhrstahl-Werk im Verbund der Vereinigten Stahlwerke AG, wieder der Rüstungsproduktion zu.
Wie schon im Ersten Weltkrieg entwickelte sich das Werk Ende der 1930er Jahre zu einem Rüstungsbetrieb. Neben Granatwerfern und Geschützrohren wurden Bremsen und Luft-vorholer für die 8,8 cm-Flak produziert. Spezialisiert war die Henrichshütte außerdem auf die Herstellung von Blechen für die Flugzeugpanzerung. Weniger bekannt dürfte sein, dass ab 1939 Gehäuse für den Panzer III und ab 1942 für den neu entwickelten Panzer "Panther" gefertigt wurden.
Auch in diesem Krieg setzte man ausländische Arbeitskräfte auf dem Werk ein, und zwar ab August 1940. Waren in der deutschen Eisen- und Stahlindustrie üblicherweise 30 % (1944) Fremdarbeiter einschließlich der Kriegsgefangenen beschäftigt, so betrug dieser Anteil bei der Henrichshütte in den letzten beiden Kriegsjahren annähernd 50 %.
Der Vortrag beginnt um 20 Uhr im Foyer des Westfälischen Industriemuseums Henrichshütte Hattingen und ist kostenlos. Vorher bietet das Westfälische Industriemuseum für 5 DM pro Person (Kinder unter 12 Jahren frei) eine Fackelführung über das Museumsgelände an. Treffpunkt dazu ist um 19 Uhr ebenfalls im Museumsfoyer.
Kontakt: Gunda Otholt, Tel. (0 23 24) 92 47 – 0
Presekontakt: Christiane Spänhoff, Tel. (02 31) 69 61 - 127
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Während des 1. Weltkrieges: Arbeiterinnen der Henrichshütte streichen Granaten in den Ruhrauen. Archivbild WIM |
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