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Westf. Industriemuseum
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Westfälisches Industriemuseum zeigt wieder "Keine Herrenjahre"
Ausstellung zu Arbeit und Freizeit im Revier auf der Zeche Zollern II/IV
Dortmund (lwl). Lampen putzen und Grubenholz verladen, am Leseband Steine und Kohle sortieren, Wagen reinigen, Schmiedefeuer schüren, Maschinen putzen und Gleise nageln - auf der Zeche waren Lehrjahre wahrlich keine Herrenjahre. Es waren jedoch gleichzeitig Jahre, in denen junge Menschen eine solide Ausbildung und soziale Betreuung erhielten.

Die Geschichte der Jugendlichen im Ruhrbergbau von der Jahrhundertwende bis in die 60er Jahre erzählt die Ausstellung "Keine Herrenjahre" im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV. Wegen der Medienkunstschau „vision.ruhr“ waren die Exponate für einige Zeit aus der Schwarzkaue ins Depot gewandert. Zwischenzeitlich hat das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) die Dauerausstellung zu Arbeit und Freizeit der jungen Kumpel im Revier überarbeitet. Am kommenden Sonntag (9.9.), dem Tag des offenen Denkmals, wird "Keine Herrenjahre" wiedereröffnet. Zum Programm gehören
Vorträge, Musik von den Bandonion-Freunden Essen, Leseführungen für Kinder und Fahrten mit der Dampflok Anna über‘s Museumsgelände.

Die Zeche Zollern ist vor allem durch ihre moderne Technik und aufwändige Architektur in die Geschichte eingegangen; die Dauerausstellung macht dagegen ein Stück Sozialgeschichte des Reviers lebendig. "Eine planmäßige Ausbildung gibt es im Ruhrbergbau erst seit den 1920er Jahren. Sie war Teil einer neuen betrieblichen Sozialpolitik der Unternehmer: Der bergmännische Nachwuchs sollte systematisch geschult und über ein attraktives Freizeitangebot auch nach der Arbeit an die Zeche gebunden bzw. in die Werksgemeinschaft integriert werden", erzählt Dr. Dagmar Kift vom Westfälischen Industriemuseum, die die Ausstellung gemeinsam mit Olge Dommer konzipiert hat.

Besucherinnen und Besucher begleiten beim Rundgang die jungen Bergleute auf ihrem Ausbildungsweg: von der Eingangsuntersuchung über den Tagesbetrieb, die Lehrwerkstatt
und die Berufsschule bis zum Lehrrevier. Dabei können sie ihre eigenen Fertigkeiten testen: An einem Modell gilt es, Förderwagen richtig zusammenzukuppeln. Ein Abbauhammer will
gestemmt werden, und in einem nachgebauten Streb findet eine "Knappenprüfung" statt.

Zum Ausruhen und Entspannen lädt in der Abteilung Freizeit und Kultur ein kleines Kino ein. Hier zeigt das Museum den Spielfilm "Mein Freund wird Bergmann", mit dem in den 50er Jahren für den Bergbau geworben wurde. Direkt gegenüber kann man in einer alten BRAVO blättern. Eine "Lambretta" weckt vielleicht Urlaubsgefühle. Akkustische Einblicke in die Kultur der Bergleute bietet das letzte Bandoneonorchester des Reviers mit seinem Stück "Tango del Gruga". Wie das Leben in einem Pestalozzidorf aussah, zeigt ein weiterer kleiner Film.

Programm am Sonntag, 9. September:

10/12 Uhr: Führungen durch die Ausstellung "Keine Herrenjahre"

11 Uhr: In einem Dia-Vortrag mit dem Titel "Zeche, Fußballplatz und Kino. Arbeits- und Lebenswelten jugendlicher Bergarbeiter im 20. Jahrhundert" führen Olge Dommer und Dagmar Kift in das Thema der Ausstellung ein. Musikalisch umrahmt werden sie dabei von den Bandonionfreunden Essen unter der Leitung von Ferdinand Kisovar, dem letzten Orchester dieser Art im Revier.

14/15.30 Uhr: Das erfolgreiche Kinderbuch des Museums,"Franz, Anna und die Zechengeister" von Roy Kift bildet am Nachmittag die Grundlage für eine Leseführung über das Gelände. Anhand einer spannenden Geschichte gewinnen Kinder Einblicke in den Arbeitsalltag eines Berglehrlings und lernen den Zechenbahnhof und die Schachthalle der Zeche etwas näher kennen. Teil der Führung ist eine kurze Fahrt auf dem Führerstand der Dampflok Anna. Vorgelesen wird vom Autor selbst.

11/12/14/15 Uhr: Der 9. September ist gleichzeitig Tag des offenen Denkmals. Das Thema dieses Jahres heißt "Aufbruch in die Moderne". Dazu gibt es Führungen durch die Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV.

ganztägig: "Lok Anna unter Dampf" - Mitfahrgelegenheiten auf dem Führerstand