Er ist selbst ein Auswanderer und hat jetzt ein Stück europäischer Kulturgeschichte vor dem Auswandern bewahrt: Dr. Eckhart G. Grohmann, Industrieller und Kunstmäzen aus Milwaukee. Seinem finanziellen Engagement verdankt das LWL-Industriemuseum einen wertvollen „Neuzugang“. Am Sonntag (16.10.) wurde dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) auf der Zeche Zollern die Arbeiterskulpturen-Sammlung des Gelsenkircheners Werner Bibl übergeben - mit über 200 Stücken die weltweit größte ihrer Art. Eine vergleichbare Kollektion gibt es nur im Grohmann Museum an der Milwaukee School of Engineering in Milwaukee (MSOE).
„Mehr als einmal haben Besucher unseres Museums angemerkt, dass eine solche Präsentation auch in Deutschland sehr wünschenswert sei. Ich freue mich, dass die Figuren jetzt vom Industriemuseum für nachfolgende Generationen bewahrt und dem Publikum zugänglich gemacht werden“, erklärte Grohmann am Sonntag bei der Feierstunde in Dortmund. Dieter Gebhard, Vorsitzender der Landschaftsversammlung, dankte den Amerikanern – neben Grohmann Dr. Hermann Viets, Präsident der MSOE – für ihren außerordentlichen Einsatz und das entgegengebrachte Vertrauen: „Wir sind sehr dankbar, dass dieses kostbare Kulturgut durch Ihre Hilfe jetzt dauerhaft in unserer Obhut ist und damit den Menschen in der Region erhalten bleibt.“ Für Dirk Zache, den Direktor des LWL-Industriemuseums, sind die Figuren „in Bronze gegossene Industriegeschichte. Sie geben Einblicke in höchst unterschiedliche Deutungen menschlicher Arbeit. Sowohl kunstgeschichtlich, als auch technik- und sozialgeschichtlich sind sie wertvolle Zeugnisse des Industriezeitalters.“
Die Sammlung
Der ehemalige Manager Werner Bibl aus Gelsenkirchen hat die Sammlung über Jahrzehnte aufgebaut. Sie steht für eine eigene europäische Kunstgattung und ist zeitlich eng begrenzt auf die Jahre zwischen 1850 und 1950. In Auftrag gegeben wurden die Skulpturen von Industriebossen und Unternehmen. Die Vertreter der neuen Oberschicht stellten die sinnbildlichen Darstellungen von Arbeit als repräsentative Symbole wirtschaftlicher Macht in ihren Direktionsräumen, Empfangshallen oder Villen auf. Bibl nennt sie deswegen auch „Salonbronzen“. Aber auch in freien Arbeiten setzten sich Bildhauer mit dem Thema Mensch und Arbeit auseinander. Es waren Künstler von Rang und Namen, darunter der Franzose Henri Louis Levasseur (1853-1934), der Belgier Constantin Meunier (1831-1905), der Deutsche Bernhard Hoetger (1874-1949) und die Kölner Dombildhauerin Elisabeth Baumeister-Bühler (1912-2000). Die Motive stammen aus den Bereichen Bergbau, Stahlerzeugung und -verarbeitung, Textil-, Bau- und Landwirtschaft. „Damit repräsentieren die Figuren auch viele Branchen unseres Verbundmuseums mit seinen acht Standorten“, so Dirk Zache.
Das Buch
Bei der Übergabe der Sammlung wurde auch das gewichtige Buch „Arbeiterskulpturen. Die Sammlung Werner Bibl“ von Klaus Türk vorgestellt. Der Wuppertaler Sozialwissenschaftler hatte bereits vor zwei Jahren eine Publikation zu den Figuren des Grohmann Museum verfasst. Zusammen geben die beiden Bände – erschienen jeweils in Deutsch und Englisch - einen repräsentativen Überblick über das kunst- wie sozialgeschichtlich interessante Genre.
Klaus Türk: Arbeiterskulpturen. Zweiter Band.
Die Sammlung Werner Bibl,
400 Seiten, mit zahlreichen Fotografien von Volker Beushausen,
Klartext-Verlag, Essen 2011, 39 Euro
Eines der Highlights der Industriemalerei und der Sammlung des LWL-Industriemuseums ist im Essener Ruhr Museum in der Ausstellung „200 Jahre Krupp – Ein Mythos wird besichtigt" zu sehen. Die Ausstellung läuft vom 31. März bis 4. November 2012. Der vor 200 Jahren geborene Alfred Krupp (1812–1887) revolutionierte die Stahlherstellung und beschleunigte damit die Industrialisierung. Das Bild zeigt, dass seine Arbeiter die mächtigen Kräfte der Stahlerzeugung, verkörpert durch Teufel und Satyrn, beherrschen und sie mit heißem flüssigem Stahl bändigen können.
In einen Reigen von Bergmannsbüsten reiht sich dieser Kopf eines Bergmanns ein, den das LWL-Industriemuseum seit Kurzem zu seiner Sammlung zählen darf. Damit ist das LWL-Industriemuseum in Besitz einer Sammlung an Arbeiterskulpturen, die von Werner Bibl über Jahre zusammen getragen wurde und mit über 200 Skulpturen die weltweit größte ihrer Art darstellt. Möglich wurde die Übernahme der umfangreichen Sammlung durch eine gemeinsame Initiative des Milwaukee School of Engineering (MSOE), des Grohmann Museum "Man at work" der MSOE und des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe.