18.4.-22.8.2010
„Die Kompagnie erfüllt hiermit die traurige Pflicht, Ihnen die traurige Mitteilung zu machen, dass Ihr Ehemann, der Wehrmann Theodor Wischermann in treuer Pflichterfüllung am 5.3.1916 im Kampfe vor Verdun den Heldentod gestorben ist.“
Diese Mitteilung machte Anna Wischermann aus Bottrop mit einem Schlag zur Kriegerwitwe. Sie musste sehen, wie sie sich und ihre zwei kleinen Kinder durchbrachte. Ganz ähnlich war das Schicksal der Hinterbliebenen von Grubenunglücken. Auf den Feiern, die den Grubenkatastrophen folgten, sprachen die Redner immer öfter vom „heldenhaften Einsatz auf dem Feld der Arbeit“. In der Sonderausstellung „Helden im Zeichen von Schlägel und Eisen“ zeigt das LWL-Industriemuseum, wie im Revier den Opfern von Grubenunglücken und Kriegstoten des Bergbaus gedacht wurde.
Die Schau macht anhand von Fotos, Texten und Objekten ein Stück Denkmalkultur und politische Geschichte des Reviers zwischen dem späten Kaiserreich und den frühen Jahren der Bundesrepublik anschaulich. Prominentestes Objekt ist ein Denkmal für die 46 tödlich verunglückten Bergleute der Zeche Zollern, das aus Dortmund-Marten in die alte Zechenwerkstatt nach Bövinghausen transportiert wurde. Mitte Juni wird eines der ganz wenigen noch erhaltenen Denkmale für die gefallenen Bergleute der Zeche Ickern aus Castrop-Rauxel hinzukommen. Bis dahin dient ein Großfoto als „Platzhalter“.
Dokumentiert werden in der Ausstellung die insgesamt 114 größeren Grubenunglücke mit zehn und mehr Opfern, die zusammen 4.014 Tode forderten. Hinzu kamen Hunderte kleinerer Unglücke. „Die Familien standen nach dem Schicksalsschlag durch Schlagwetterexplosionen und Grubenbrände vor dem Nichts. Zwischen Reden und Ritualen und der Lebenswirklichkeit der Hinterbliebenen klaffte eine große Lücke“, erklärt Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus.
Im späten 19. Jahrhundert entstanden erste öffentliche und private Denkmale für die Opfer der Arbeit im Bergbau. Aber anders als die Kriegerdenkmale standen sie abgerückt auf stillen Friedhöfen. Ulrike Gilhaus: „Die ständige öffentliche Erinnerung an den hohen Blutzoll des Bergbaus war unerwünscht.“ In Parlamenten und Zeitungen lieferten sich die politischen Lager heftige und zum Teil polemisch geführte Debatten. Das „Antreibe- und Ausbeutersystem“ des Bergbaus, das für die Unglücke verantwortlich gemacht wurde, stand am Pranger. Der Bergbau brauchte Symbole der Beschwichtigung und Heroisierung seiner Opfer.
Die abstrakte Formensprache der anfänglich schlichten Obelisken wich deshalb noch vor dem Ersten Weltkrieg zunehmend dramatischen Monumenten, um schließlich Platz zu machen für naturalistische Denkmale expliziter „Helden-Bergarbeiter“. Zunehmend beschwörten sie die Schicksalhaftigkeit der Unglücke und die „Majestät des Todes“. Sie belegen eine wachsende Abwehrhaltung gegen die stetige gesellschaftliche Anklage.
Die neuen Rituale des Bergbaus lehnten sich an die parallel geführten „unabwendbaren“ Kriege an. Dem Kriegstod wurde nationale Sinnhaftigkeit zugeschrieben. Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelten Bergbaukonzerne und Politik Deutungsmuster und Bewältigungsstrategien für die neue Dimension der Grubenunglücke. Wie die Toten „auf dem Feld der Ehre“ wurden auch die Toten auf dem Feld der Arbeit immer mehr zu „Helden im Zeichen von Schlägel und Eisen“.
Die Dortmunder Präsentation ist ein Begleitprojekt zur Kulturhaupthauptstadt-Ausstellung „HELDEN. Von der Sehnsucht nach dem Besonderen“, die der LWL bis 31. Oktober in seinem Hattinger Industriemuseum zeigt.
Helden im Zeichen von Schlägel und Eisen
Denkmale für verunglückte und gefallene Bergleute im Ruhrgebiet
18. April bis 22. August 2010
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5, 44388 Dortmund
Geöffnet Di – So 10 – 18 Uhr
ZWANGSARBEIT.
Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg.
18.3. - 30.09.2012
Im Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland auf nahezu jeder Baustelle und jedem Bauernhof, in jedem Industriebetrieb und auch in Privathaushalten Zwangsarbeiter ausgebeutet. Dort wie in den besetzten Gebieten mussten insgesamt über 20 Millionen Männer, Frauen und Kinder aus ganz Europa als "Fremdarbeiter", Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Die Ausstellung "Zwangsarbeit" erzählt erstmals die gesamte Geschichte dieses Verbrechens und seiner Folgen nach 1945.
Mehr Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm auf der Seite zur Ausstellung "Zwangsarbeit".