21. Dezember 2008 – 1. März 2009
Über Jahrhunderte bestimmten die Rhythmen der Natur den Arbeitstag. Er begann mit dem ersten Hahnenschrei und endete mit dem Einbruch der Nacht. Bei Eis und Schnee standen Mühlen und Hammerwerke still, und das Handwerk musste ruhen, wenn die Zeit zur Ernte gekommen war. Mit der Industrialisierung endete diese Ära.
Die Arbeitsteilung in der Fabrik erforderte nun einheitliche Arbeitszeiten und unterwarf die Menschen dem Rhythmus der teuren Maschinen. Nachdrücklich forderten Fabrikanten pünktlichen Arbeitsbeginn, striktes Einhalten von Pausen und regelmäßige Schichten. Der Wert der Arbeit bemaß sich jetzt nach der geleisteten Arbeitszeit: Zeit
wurde Geld. Die Idee der Kontrolluhr war geboren!
Die Kontrolle der Wächter
Doch – noch bevor die „Stechuhr“ als Kontrollinstrument in den Fabriken und Kontoren Einzug hielt – konstruierten Uhrenfabrikanten aus dem Schwarzwald 1805 eine Kontrolluhr für Nacht-
wächter: im Interesse der öffentlichen Sicherheit sollten die Nachtwächter nun nicht mehr nur durch regelmäßiges lautes Singen zeigen daß sie selbst wach und wachsam waren, sondern zu
festgelegten Zeiten diese Kontrolluhren bedienen um nachzuweisen, daß sie ihre Rundgänge ordnungsgemäß absolvierten.
Im Takt der Maschine
Kontrolluhren, Arbeitszeitmessgeräte und Fabrikuhren aus zwei Jahrhunderten belegen eindrücklich, dass die Industrialisierung Arbeiter und Angestellte in den Betrieben einer „fremdbestimmten“ und immer gleichen Arbeitszeit unterwarf. Sie verdrängten vorindustrielles Brauchtum, etwa das Gebet vor der Arbeit, das Menschen in eine langsam gewachsene, gemeinsame Kultur einband. Stechuhr und Fabrikuhr wurden zu Symbolen einer anonymisierten, entpersonalisierten Herrschaft des Unternehmens, die die bisherige Freiheit des Kommens und Gehens beendete. Heute prägen diese Rhythmen und Strukturen nicht nur die Arbeitswelt, sondern unsere gesamte Kultur: Pendlerströme, Ferientermine, Freizeitindustrie und „after wok-parties“ bezeugen, dass wir nicht
Die Zeitmacher – eine neue Branche entsteht
Technische Neuerungen ermöglichten die immer genauere Erfassung von Zeitabläufen, die Dokumentation von Arbeitsabläufen bis hin zur Kontrolle von Online Arbeitsplätzen zu Hause.
Die Technische Geschichte der Arbeitszeiterfassung, die in dieser Ausstellung an zahlreichen Beispielen von Zeiterfassungsgeräten aus württembergischer Pro-duktion gezeigt wird, verweist über die technikhistorische Entwicklung hin auf ein zentrales Thema der modernen Industriegesellschaft: von der Bedeutung der Fabrikuhr als nach außen sichtbarem Zeichen der Herrschaft der Industrie über Menschen und ganze Stadtviertel hin zur aktuellen Diskussion über Risiken und Folgen von Flexibilisierung, Bereitschaftszeiten in zeitlich ungeregelten Arbeitsverhältnissen und zur Verpflichtung jederzeit „auf Abruf“ zu arbeiten, wie es in zahlreichen Beschäftigungsverhältnissen heute gefordert wird.
Wie wollen wir leben?
Die Darstellung der technischen Geschichte der Kontrolluhren reflektiert so eine der wichtigsten Fragen der aktuellen Industriegesellschaft – das Verhältnis von Arbeit und Freizeit, oder anders ausgedrückt: die Rahmenbedingungen für eine gesunde „work-life-balance“.
Begleitprogramm
Sonntag, 25.Januar, 15Uhr
Metropolis. Deutscher Stummfilm von Fritz Lang aus dem Jahre 1927 (139Min.) über soziale Konflikte in einer von Maschinen gesteuerten Welt, Alte Werkstatt
Dienstag, 17.Februar, 19.30Uhr
Arbeitszeit und Freizeit am Beispiel der Hüttenindustrie. Bildvortrag von Prof. Dr. Wessel, Alte Werkstatt
Sonntag, 1.März, 15Uhr
Momo. Verfilmung des Märchenromans von Michael Ende über Zeitdiebe von Johannes Schaaf (1986). Für Kinder ab 6Jahren, Alte Werkstatt
Lehrerfortbildungen
Di, 14.2.
15.30 Uhr
Das Thema „Zwangsarbeit“ an einem außerschulischen Lernort im Religions-Unterricht der Sekundarstufen I und II
Der Workshop stellt Lehrerinnen und Lehrern mit einer Power-Point Präsentation die Ausstellung „Zwangsarbeit“ und die pädagogische Arbeit mit ihr vor. Das zusätzlich gelieferte Unterrichtsmaterial soll die umfassende Vorbereitung des Themas im Unterricht ermöglichen und auch über den Besuch der Ausstellung hinaus Handreichungen zur Bearbeitung des Themas Zwangsarbeit liefern. Anmeldung unter Tel. 0231-6961-211
Do, 16.2.
15.30 Uhr
Das Thema „Zwangsarbeit“ an einem außerschulischen Lernort im Geschichts-Unterricht der Sekundarstufen I und II
Der Workshop stellt Lehrerinnen und Lehrern mit einer Power-Point Präsentation die Ausstellung „Zwangsarbeit“ und das zugehörige pädagogische Programm vor. Das zusätzlich gelieferte Unterrichtsmaterial soll die umfassende Vorbereitung des Themas im Unterricht ermöglichen und auch über den Besuch der Ausstellung hinaus Handreichungen zur Bearbeitung des Themas Zwangsarbeit liefern. Anmeldung unter Tel. 0231-6961-211
Holzsandale steht für
Zwangsarbeiter-Schicksal
Holz, Lederreste und ein paar Nägel - daraus besteht die Sandale eines Zwangsarbeiters, der 1944 beim Bau eines Bunkers in Oberhausen eingesetzt war. Wie er hieß, weiß niemand, auch seine Herkunft ist unbekannt. Fest steht, dass er sein Schicksal mit 20 Millionen Menschen teilte, die in Deutschland und den besetzten Gebieten während des Zweiten Weltkriegs als Fremdarbeiter, Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisteten. Ihre Geschichte erzählt ab 18. März eine internationale Wanderausstellung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Weiter zur Pressemitteilung.