Ähnlich wie Wanne-Eickel oder Bottrop gilt Castrop-Rauxel als typische Revierstadt. Mehr als 100 Jahre Steinkohlenförderung haben der Doppelstadt ihr Erscheinungsbild aufgeprägt. Welch wechselvolle Geschichte der Bergbau in Dortmunds Nachbarstadt hatte, zeigt die Ausstellung "Zechen in Castrop-Rauxel - Fotografien aus 120 Jahren Bergbaugeschichte", die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vom 8. Mai bis 7. August in seinem Industriemuseum Zeche Zollern präsentiert. Erstellt wurde sie vom Arbeitskreis "Schachtzeichen" der Volkshochschule Castrop-Rauxel.
Nach wie vor überragen der Kirchturm von St. Lambertus und der Förderturm von Schacht 7 der Zeche Erin in Sichtweite zueinander das Stadtzentrum von Castrop. Da die weitaus meisten Fördergerüste des Ruhrgebiets während der letzten 40 Jahre abgerissen wurden, ist ein solches Turmensemble inzwischen sehr selten geworden. Bezeichnenderweise dient auch das Gerüst von Erin 7 nicht mehr der Steinkohlenförderung, sondern steht als Industriedenkmal unter Schutz.
500 historische Fotos der Zechen Erin, Graf Schwerin und Victor Ickern sowie der angegliederten Kokereien präsentiert die Ausstellung. Die zeitliche Spannbreite reicht von der Schachtabteufung bis hin zur Sprengungen von Fördergerüsten in Zuge der Kohlenkrise. In Castrop-Rauxel endete der Bergbau 1983. Immer wieder finden sich Fotos von monumentalen Malakowtürmen aus Ziegelstein oder von Deutschen Strebengerüsten aus Stahl. Luftaufnahmen geben einen guten Überblick über den architektonischen Aufbau von Zechenanlagen. Zahlreiche Bilder zeigen Bergleute und Kokereiarbeiter in ihrer typischen Arbeitssituation. Zu sehen sind Fördermaschinisten, Grubenwehrmänner oder auch Berglehrlinge. Englische Facharbeiter waren um 1900 auf Zeche Victor I/II tätig. Frauen mussten während des Ersten Weltkriegs in der Kohlenwäsche aushelfen, während ihre Männer zur Front abkommandiert waren.
„Aufgrund der großen Zahl an facettenreichen, aussagekräftigen Aufnahmen dürfte diese Fotodokumentation einmalig im Ruhrgebiet sein“, erklärte Dr. Thomas Parent, stellvertretender Museumsdirektor, am Donnerstag (05.05.) bei der Vorstellung der Schau in Dortmund.
Zechen in Castrop Rauxel
Fotografien aus 120 Jahren Bergbaugeschichte
8.5. bis 7.8.2011
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Am Grubenweg 5, 44388 Dortmund
Bundespräsident Gauck übernimmt Schirmherrschaft
Bundespräsident Joachim Gauck hat die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommmen. Mehr dazu in einer Pressemitteilung der EVZ.
Die nächste Veranstaltung
Do, 14.6. 19 Uhr
Die Entschädigung von NS-Zwangsarbeit am Anfang des 21. Jahrhunderts.
Buchpräsentation von Constantin Goschler, Professor für Zeitgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum
Ort: Gedenkstätte Steinwache
Eintritt frei!
______________________
Ausgewählte Pressestimmen zur Ausstellung:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Vertonte Fotostrecke im Online-Angebot des WDR
Ausstellungseröffnung
Am Sonntag (18.3.) fand auf der Zeche Zollern die Ausstellungseröffnung statt. Unter den mehr als 300 Gästen waren auch die Zeitzeugen und ehemaligen Zwangsarbeiter Gabriela Turant aus Polen (auf dem Foto mit Dieter Gebhard, Vorsitzender der Lanschaftsversammlung), Vera Friedländer und Jean Chaize. Vor allem die Erinnerungen des polnischen KZ-Überlebenden Marian Turski, der als letzter von sechs Rednern die Bühne betrat, bewegten die Zuhörer. Bilder von der Eröffnung finden Sie in unserem Fotoalbum auf Facebook.
Eröffnungsreden
Folgende Reden, mit denen die Ausstellung eröffnet wurde, stehen als PDF zum Download bereit.
Günter Saathoff, Stiftung evz
Dr. Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Buchenwald und Mittelbau-Dora
Dieter Gebhard, Vorsitzender der Landschaftsversammlung des LWL
Ullrich Sierau, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund