Gut 100 Jahre nach ihrer Inbetriebnahme (1903) war die Maschinenhalle der Zeche Zollern dringend sanierungsbedürftig. Deshalb hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) beschlossen, die Ikone aus Stahl, Glas und Ziegeln umfangreich zu restaurieren. Mit den Arbeiten wurde 2008 begonnen; die Fertigstellung ist für 2013 anvisiert. Die Kosten für dieses aufwändige Bauprojekt werden mit 6,9 Mio. Euro kalkuliert; 80 Prozent davon trägt das Land NRW.
Wegen der Sanierung ist die Halle derzeit nur im Rahmen von besonderen Führungen zugänglich. Termine s.u.
Die Sanierung ist eines der wichtigsten Projekte der Industriedenkmalpflege der nächsten Jahre und wird von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet. „Die Maschinenhalle ist im Ensemble der Zeche Zollern ein Baudenkmal von Weltrang. Ziel ist es, für dieses wichtige Stück Architektur eine optimale Lösung zwischen Denkmalpflege und Museumsnutzung zu finden“, so Museumsdirektor Dirk Zache.
Die Maschinenhalle ist in mehrfacher Hinsicht ein Objekt von herausragender Qualität: Der nach den Entwürfen des Berliner Architekten Möhring 1902/1903 errichtete Stahlfachwerkbau steht für den Beginn der modernen Industriearchitektur. Stilistisch bezeichnet sie den Übergang von Historismus und Jugendstil zur Moderne. Der erhaltene historische Maschinenbestand – insbesondere die inzwischen wieder funktionstüchtige elektrische Fördermaschine (s. Film unten) – ist einzigartig in Deutschland.
Darüber hinaus kommt dem Bauwerk eine große symbolische Bedeutung zu: Mit der Rettung der Anlage durch bürgerschaftliches Engagement wurde 1969 erstmals in Deutschland ein derartiger Industriebau unter Schutz gestellt und hierauf auch der neue Zweig der „Industriedenkmalpflege“ begründet. Nicht zuletzt wurde die Maschinenhalle so auch zur Keimzelle des LWL-Industriemuseums mit seinen acht Standorten. Die Maschinenhalle steht somit für den Beginn von Industriedenkmal-pflege und Industriekultur.
Die Sanierung wurde wegen dieser Bedeutung entsprechend umsichtig und schonend durchgeführt. Eine Prämisse war, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten. Dirk Zache: „Denkmalpflege und Museumsnutzung zu vereinbaren, verlangt immer Kompromisse. Die Denkmalpflege sollte diesmal allerdings Vorrang haben.“
Diese Anforderung mit dem Nutzungskonzept zu harmonisieren, war eine der zentralen Herausforderungen bei Planung und Durchführung der Sanierung. So hat die Halle künftig gleich mehrere Aufgaben zu erfüllen: Als Baudenkmal ist sie zunächst selbst das wichtigste Exponat. Daneben soll sie Raum für Ausstellungen bieten. Nicht zuletzt wird die Halle nach der Sanierung auch wieder als besonderer Ort für große Veranstaltungen zur Verfügung stehen.
Unter dem Motto "Was macht eigentlich ... die Maschinenhalle? Einblicke in die Restaurierung eines Juwels der Industriekultur" finden an jedem dritten Sonntag im Monat Themenführungen statt. Teilnehmer zahlen lediglich den normalen Museumseintritt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Beginn jeweils 15 Uhr.
Die nächsten Termine:
19.05., 16.06.
Do, 7.3., 19.30 Uhr
Das Jugendstil-Portal von Bruno Möhring. Eine Annäherung an die Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV. Bildvortrag von Dr. Eckhard Schinkel
Di, 23.4. 19.30 Uhr
Stahl und Strom, Musterzeche und Museumszeche. Thesen zur Deutungs- und Nutzungskarriere von Zollern II/IV. Bildvortrag von Dr. Thomas Parent