Die 1903/04 errichteten Häuser der Bergarbeiterkolonie Landwehr in der Umgebung der Zeche Zollern waren wie die Häuser vieler anderer Bergarbeiterkolonien mit Gärten ausgestattet. Da der Lohn der Bergleute kaum ausreichte, eine Familie zu ernähren, behielten diese Gärten bis in die 1960er Jahre eine hohe ökonomische Bedeutung für die Selbstversorgung der Familien. Bergarbeiter, zu deren Wohnung kein Garten gehörte, pachteten sich oft ein Stückchen Land von ihrem Arbeitgeber oder von einem Bauern, mussten dadurch aber teils weite Wege zwischen Wohnung und Garten in Kauf nehmen.
Hinter einem ehemaligen Steigerhaus der Kolonie Landwehr unmittelbar vor dem Zechentor hat das LWL-Industriemuseum einen Arbeitergarten eingerichtet. Hier bauen Mitarbeiter Gemüse und Obstsorten an, die früher in jedem Bergmannsgarten zu finden waren. Der Kreisverband der Rassegeflügelzüchter Groß-Dortmund und Lünen hat den alten Stall, in dem früher Schweine und kleinere Nutztiere der Bergleute untergebracht waren, für die Hühnerhaltung umgebaut. Hier leben jetzt Sundheimer, eine Hühnerrasse, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts gezüchtet wurde und als sogenanntes „Zwihuhn“ sowohl viele Eier legt als auch für die Mast geeignet ist.
Die Zechengesellschaften errichteten die Arbeitersiedlungen keineswegs uneigennützig. Die Kopplung von Arbeits- und Mietvertrag verstärkte die Abhängigkeit der Arbeiter: Wer die Stelle wechselte, verlor auch Haus und Garten. Außerdem schrieb das Bürgertum der Gartenarbeit erzieherische Funktionen zu. Die Zechenbesitzer glaubten, dass diese Eigenschaften wie Geduld, Umsicht und Sauberkeit fördere, die auch der Arbeit auf der Zeche zugute kamen. Mit Grundstücken ausgestattete Arbeiter galten als zuverlässiger, solider und tüchtiger als besitzlose. Zudem sollte die Betätigung im Garten die Männer davon abhalten, ins Wirtshaus zu gehen. Dort tranken sie nicht nur Alkohol, sondern konnten auch auf Sozialdemokraten treffen, die dort üblicherweise ihre Versammlungen abhielten.Eine weitere politische Wendung erfuhr das Thema Garten in Zeiten des Nationalsozialismus. Die Großstädter sollen im Garten zu „Blut und Boden“ finden und Kleingärten durften nur noch mit Ariernachweis bebaut werden.
Die Beschreibung der erzieherischen Ideen, die mit dem Garten in bezug auf die Arbeiter verbunden waren, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gartenarbeit traditionell in den Zuständigkeitsbereich der Frauen gehörte, die damit zum Lebensunterhalt der Familie beitrugen. Die Männer konnten nur vor oder nach einem Langen Arbeitstag auf der Zeche mithelfen. Erst mit Einführung des Achtstunden Arbeitstages 1919 und später der Fünftagewoche ab 1956 stand ihnen für diese Tätigkeiten mehr Zeit zur Verfügung. „Darfs nie mehr Land haben, wie die Olle umgraben kann!“. Dieser derb komödiantisch klingende Ausspruch von Kumpel Anton hat also einen durchaus ernsthaften Hintergrund.
Aufgrund seiner enormen Bedeutung für die Versorgung der Familie mit Lebensmitteln, waren im Arbeitergarten wenn überhaupt nur wenige Blumen zu finden. Die Fläche wurde benötigt, um Gemüse anzubauen. Typische Gemüsesorten in einem Arbeitergarten waren Kartoffeln, Spinat, Stielmus, Mangold, Bohnen und Kohl. Auch Kräuter wie Pfefferminze oder Rosmarin wurden angepflanzt. Währen Bauern separate Ställe hatten, hielten die Arbeiter in ihrem Stückchen Garten auch Vieh. Am weitesten verbreitet waren Hühner und Kaninchen, manche Familien hatten auch eine Ziege oder fütterten ein Schwein durch.