27.09. bis 21.11.2009
Eröffnung: So, 27.9., 11 Uhr
Fäustel, Knüpfel, Eisen und Kreativität – diese Werkzeuge sind nötig, um aus einem unförmigen Brocken Baumberger Standstein eine Skulptur zu machen. Die Bochumer Bildhauerin Christina Clasen ist Profi in dieser Kunst und gibt Ihr Wissen seit 2001 an andere Menschen weiter. Erwachsene und Kinder, Einsteiger und Fortgeschrittene hat die Bildhauerin in rund 70 Kursen bis heute im Umgang mit dem sperrigen Material angeleitet. Im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten, an den Volkshochschulen Wanne und Essen sowie am Stadtmuseum Hattingen entstanden auf diese Weise annähernd 600 Sandsteinobjekte. 40 davon sowie Fotos von den Orten des Entstehens zeigt Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) von Sonntag, 27. September, bis zum 21. November 2009 in einer „Werkschau“ im Maschinenhaus der Zeche Nachtigall in Witten.
Die Idee der Bildhauereikurse stammt von der Volkshochschule Wanne. Der schön bepflanzte, allerdings kaum benutze Innenhof sollte Veranstaltungsort der Workshops werden. Die VHS organisierte Baumstämme, Werkzeug und Schutzbrillen, so dass im Mai 2001 der erste Wochenend-Kurs unter Anleitung von Christina Clasen im nicht überdachten Atrium stattfinden konnte.
Das Stadtmuseum Hattingen in Blankenstein kam ein Jahr später als zweiter Veranstaltungsort hinzu. Ebenfalls draußen, unter einer alten Kastanie, erstellen die Teilnehmer an einem Wochenende ihre Sandsteinobjekte. In Hattingen entstand erstmals der Gedanke, auch für Kinder Bildhauereikurse anzubieten.
Bei der Volkshochschule Essen arbeiten die Kursteilnehmer jede Woche Montag vier Stunden an ihren Stücken. Darüber hinaus fanden in Essen mehrere Wochenend-Veranstaltungen im Rahmen der Sommerakademie auf Zeche Zollverein und im Steenkamphof in Borbeck statt.
Steinhauerbude auf Zeche Nachtigall
Eine historische Tradition nimmt das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall mit den Steinmetzkursen in Witten auf, wo Christina Clasen seit der Eröffnung der Dauerausstellung 2003 unter dem Dach des östlichen Ringofens regelmäßig mehrtägige Workshops für Jugendliche und Erwachsene leitet. In der Tradition der Steinarbeiter, die bis in die 1960er Jahre den Ruhrsandstein auf dem Nachtigall-Gelände abbauten, arbeiten die Teilnehmer an ihren Werkstücken – allerdings aus Baumberger Sandstein. „Ruhrsandstein ist manchmal so hart wie Granit, so dass figürliche Darstellungen besser aus dem weicheren Münsterländer Material gearbeitet werden können“, so die Bildhauerin. Mit Fertigstellung des Ausstellungsbereiches „Sandsteingewinnung an der Ruhr“ soll auf der Zeche Nachtigall eine Steinhauerbude entstehen, in künftig auch die Bildhauerei-Kurse stattfinden werden.
Christina Clasen
Christina Clasen studierte nach ihrer Ausbildung im Steinbildhauerhandwerk Kunstgeschichte, Archäologie und Mineralogie an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2000 arbeitet sie künstlerisch und wissenschaftlich hauptsächlich für Volkshochschulen und Museen.
SCHOTT Glaswerke: Fotografien von Albert Renger-Patzsch
Herbst 2012
Die Fotografien von Albert Renger-Patzsch (1897-1966) gelten der Kunstgeschichts-schreibung bis in die Gegenwart als ebenso herausragende wie charakteristische Werke der Neuen Sachlichkeit. Das SCHOTT-Archiv in Jena verwahrt Konvolute von Glasplattennegativen und Vintage Prints des Fotografen, die in den 1930er und 1950er Jahren in mindestens drei Glaswerken - Jena, Mainz und Grünenplan - aufgenommen wurden. Die Fotografien sind für die Unternehmens- ebenso wie für Technikgeschichte interessant; an ihnen kristallisiert sich das Verhältnis zwischen dem auftraggebenden Unternehmer und dem renommierten Fotografen. Letztlich geben sie Auskunft über das in Zusammenwirken von Industrie, Kunst und Handwerk und dürfen als herausragendes Zeugnis der Industriekultur gelten.
Gezeigt werden die Fotografien Albert Renger-Patzschs an zwei Standorten des LWL-Industriemuseums: in der Glashütte Gernheim in Petershagen (Frühjahr 2012) und auf der Zeche Nachtigall in Witten. Für die Glashütte Gernheim sind die Aufnahmen Renger-Patzschs wertvolle Dokumente der Glasproduktion zur Zeit der Hochindustrialisierung. In Witten wurde der Glastechniker Otto Schott 1851 geboren. Für die Zeche Nachtigall ist die Präsentation zugleich Anlass, einen Blick auf den Erfinder Otto Schott und die Spuren, die er in seiner Heimatstadt hinterlassen hat, zu werfen.