Die Reise des Oberbergrats Friedrich Wilhelm von Reden von Oberschlesien ins Ruhrtal
2.12.2007 - 30.3.2008
Der Auftrag kam von oberster Stelle: Preußen-König Friedrich II. schickte Oberbergrat Friedrich Wilhelm von Reden im Jahr 1782 von Oberschlesien ins Ruhrtal. Er sollte seinem Dienstherrn eingehend über den Steinkohlenbergbau Bericht erstatten.
Diese Reise ist Ausgangspunkt der Ausstellung „Im Auftrag seiner Majestät“, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab Sonntag, 2. Dezember, in seinem Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten zeigt. Ende des 18. Jahrhunderts befand sich der Bergbau im Ruhrtal noch in den Anfängen. In den Berg getriebene Stollen erschlossen die Kohlenlagerstätten. Auf den zahlreichen kleinen Zechen arbeiteten nur eine Hand voll Bergleute. Der Weg zum industriellen Ruhrgebiet war noch weit. Von Reden schilderte als genauer Beobachter den Betrieb in den kleinen Zechen und vergaß auch nicht, auf bestehende Missstände hinzuweisen. „Auf diese Weise vermittelt sein Bericht einen anschaulichen Eindruck vom Ruhrbergbau vor 220 Jahren“, erklärt Dr. Olaf Schmidt-Rutsch vom LWL-Industriemuseum. Zahlreiche Bilder, Pläne, Dokumente und Modelle hat er für die Ausstellung zusammengetragen. Der Bericht des Oberbergrats blieb nicht ohne Folgen: Wenige Monate später wurde der Freiherr vom Stein zum Leiter des Bergamts in Wetter berufen. Auf diese Weise wurde nicht nur die Grundlage für die bemerkenswerte Karriere des bedeutenden preußischen Reformers gelegt, auch der Bergbau an der Ruhr erhielt unter der neuen Leitung wichtige Impulse für eine stetige industrielle Entwicklung. Im schlesischen Montanrevier setzte unter der Leitung Friedrich Wilhelm von Redens gleichzeitig eine kraftvolle Entwicklung ein: Auf den staatlichen Bergwerken arbeiteten schon bald die neuen Dampfmaschinen. Auf den neuen Hüttenwerken in Gleiwitz und Königshütte wurden die ersten Koks-Hochöfen auf dem europäischen Festland errichtet. Schmidt-Rutsch: „Oberschlesien entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem Musterland der Frühindustrialisierung.“
Die Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall ruft die Persönlichkeit Friedrich Wilhelm von Redens in Erinnerung und stellt mit dem Ruhrgebiet und Schlesien zwei wichtige europäische Montanregionen an der Schwelle zur Hochindustrialisierung vor.
Zu dieser Ausstellung ist ein Katalog in der Buchreihe des LWL-Industriemuseums erschienen:
SCHMIDT-RUTSCH, Olaf (Hg.): Friedrich Wilhelm Graf von Reden (1752-1815). Beiträge zur Frühindustrialisierung in Oberschlesien und an der Ruhr. Essen: Klartext-Verl., 2008. - zahlr. Abb.- (Quellen und Studien; Bd. 15)
isbn 978-3-89861-931-8
10,00 €
Beginn jeweils 19 Uhr, ab 18 Uhr Möglichkeit zur Ausstellungsbesichtung, Eintritt frei
23.01.2008 Der märkische Steinkohlenbergbau im 17. und 18. Jahrhundert Vortrag von Dr. Michael Fessner (Deutsches Bergbau-Museum, Bochum)
06.02.2008 Bergbauhistorische Kartenwerke der Grafschaft Mark Vortrag von Dr. Klaus Eichholz, Bochum
27.02.2008 „Hier bin ich also in Westphalen angekommen..." Das Leben des Freiherrn Karl vom und zum Stein. Vortrag und Filmvorführung von Dr. Volker Jakob, LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster
05.03.2008 Dreimaliger Denkmalbau, doppelter Denkmalsturz - Das Nachleben Friedrich Wilhelm von Redens im deutsch-polnischen Spannungsfeld Vortrag von Dr. Thomas Parent, LWL-Industriemuseum, Dortmund
19.03.2007 Friedrich Wilhelm von Reden und der schlesische Eisenkunstguss Vortrag von Dr. Idis B. Hartmann, Oldenburg
Eröffnung: So, 2.12., 11 Uhr
Ausstellungsort: LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall Nachtigallstraße 35, 58452 Witten
Öffnungszeiten: Di-So 10 - 18 Uhr
SCHOTT Glaswerke: Fotografien von Albert Renger-Patzsch
Herbst 2012
Die Fotografien von Albert Renger-Patzsch (1897-1966) gelten der Kunstgeschichts-schreibung bis in die Gegenwart als ebenso herausragende wie charakteristische Werke der Neuen Sachlichkeit. Das SCHOTT-Archiv in Jena verwahrt Konvolute von Glasplattennegativen und Vintage Prints des Fotografen, die in den 1930er und 1950er Jahren in mindestens drei Glaswerken - Jena, Mainz und Grünenplan - aufgenommen wurden. Die Fotografien sind für die Unternehmens- ebenso wie für Technikgeschichte interessant; an ihnen kristallisiert sich das Verhältnis zwischen dem auftraggebenden Unternehmer und dem renommierten Fotografen. Letztlich geben sie Auskunft über das in Zusammenwirken von Industrie, Kunst und Handwerk und dürfen als herausragendes Zeugnis der Industriekultur gelten.
Gezeigt werden die Fotografien Albert Renger-Patzschs an zwei Standorten des LWL-Industriemuseums: in der Glashütte Gernheim in Petershagen (Frühjahr 2012) und auf der Zeche Nachtigall in Witten. Für die Glashütte Gernheim sind die Aufnahmen Renger-Patzschs wertvolle Dokumente der Glasproduktion zur Zeit der Hochindustrialisierung. In Witten wurde der Glastechniker Otto Schott 1851 geboren. Für die Zeche Nachtigall ist die Präsentation zugleich Anlass, einen Blick auf den Erfinder Otto Schott und die Spuren, die er in seiner Heimatstadt hinterlassen hat, zu werfen.