10.9.2009, 18:00 – 20:00 Uhr
Mit zwei Zeitzeuginnen, sowie einem Bildvortrag von Anke Asfur und Ingrid Telsemeyer
Die spannenden Lebensgeschichten von Frau Ingeborg Hopp und Frau Charlotte Schneider, die diesmal als Zeitzeuginnen im Salon präsent sein werden, stehen für die Generation der Frauen der Nachkriegszeit. Beide haben sich ihre eigene Existenz erarbeitet und Kinder großgezogen. Sie passen nicht so recht zu den medialen Stereotypen zunächst der Trümmerfrauen und dann der hübschen, adretten Hausfrau und Mutter, die in den 50er und 60er Jahren in der Sorge um Mann, Kinder und Haushalt aufging.
Frau Schneider, geboren 1920, kommt in der Nachkriegszeit 1948 mit zwei Kindern unter schwierigsten Umständen aus der sowjetisch besetzten Zone nach Westfalen. Mit ihrem dritten Ehemann baut sie sich in Rheine und später in Münster eine neue Existenz auf. Durch äußere Umstände bedingt gibt es bei ihr viele Brüche in der Biografie, die immer wieder berufliche Neuorientierungen mit sich bringen. Von der ausgebildeten Erzieherin, zur Geschäftsfrau im Groß- und Einzelhandel, Aushilfstätigkeiten und schließlich eine Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung.
Daneben zieht sie 6 Kinder groß und organisiert Haushalt und Familie. Im Alter absolviert sie ein Studium und arbeitet bis heute ehrenamtlich, mit Auszeichnung, die Geschichte ihrer Heimatstadt Herbsleben/Thüringen auf. Ihr Motto: „Herr, lass mich niemals feige sein!“
Gegensätzlicher könnte das Leben von Frau Hopp, Jahrgang 1929, nicht sein. Ein Kind des Ruhrgebiets, in Bottrop geboren. Erste Arbeitserfahrungen macht sie während des Krieges als sie zusammen mit ihrer Zwillingsschwester und ihrer Mutter auf einen Gutshof bei Paderborn evakuiert ist und dort gegen Kost und Logis im Haushalt mithilft. Kurz nach Kriegsende beginnt sie 17 - jährig eine Friseurlehre, arbeitet auch nach der Heirat in verschiedenen Friseur-Salons und eröffnet Ende 1954 ihren eigenen Salon in Dortmund.
Die Meisterprüfung legt sie 1956 als einzige Frau unter 7 Männern ab. Ihr kleiner Sohn wird in dieser Phase von ihren Eltern in Bottrop betreut.
Später stemmt sie die Familienarbeit weitgehend und die Betriebsführung des Salons allein. 1982 beschließt sie auf Wunsch ihres Mannes die geliebte Berufstätigkeit. Sport im Verein und die Übernahme von ehrenamtlichen Funktionen dort werden ihr neuer Lebensinhalt. Wegen der Betreuung des kranken Ehemannes gibt sie diese Tätigkeiten auf. Heute genießt sie ihren Ruhestand ohne finanzielle Sorgen.
Bekannt geworden sind uns ihre Lebenswege übrigens , weil ihre Männer in der Nachkriegszeit als Kleinzechenunternehmer in Witten das Startkapital für den Wiederaufbau einer neuen Existenz verdienten und dazu vom Museum befragt wurden.
Welches ist nun die typische Frauenbiografie dieser Zeit, bzw. welche Rolle haben Frauen in der Nachkriegszeit gespielt?
Frau Telsemeyer, die mit beiden Frauen ausführliche Interviews geführt hat, stellt die Protagonistinnen dieses Salons mit vielen Bildern, eigenen Texten und Requisiten aus dem Friseursalon vor. Frau Asfur zeichnet in einem kurzen Vortrag den aktuellen Forschungsstand insbesondere zur weiblichen Erwerbstätigkeit in der Bundesrepublik auf. Frau Hopp und Frau Schneider können den Gästen mit ihrer persönlichen Sicht diese Zeit des Wiederaufbaus anschaulichst vor Augen führen.
Zeche Nachtigall beteiligt sich an Demenz-Aktionswoche
Im Rahmen der Aktionswoche „Gedanken wie Seifenblasen“, welche von der Stadt Bottrop organisiert wird, soll auf die vielen Erscheinungsformen einer Demenz hingewiesen werden. Mit seinen besonderen Angeboten für Senioren in Einrichtungen der Altenpflege und Menschen mit einer Demenz, beteiligt sich das LWL-Industriemuseum aktiv an dieser Woche. Die Veranstaltungen finden Sie im Programm oder auf www.bottrop.de.