Jedes Jahr im März zogen die Lippischen Wanderziegeler in die Ferne. Bis zum Herbst arbeiteten sie auf Ziegeleien in Nord- und Ostdeutschland sowie im Ruhrgebiet. Was nahmen die Männer mit? Wo wohnten sie und wie sah ihr Arbeitsalltag aus? Reisekiste und Bettgestell - mit Bettwanze -, Fotos und Postkarten, die die Männer ihren Familien schrieben, gaben einen Eindruck von Leben und Arbeit fern der Heimat.
Den Alltag zu Hause entdecken Sie in einem ehemaligen Kotten mit bewirtschaftetem Garten. Hier meistern die Zieglerfauen den größten Teil des Jahres allein: Sie erzogen die Kinder, kochten und wuschen, bauten Kartoffeln und Gemüse an, hielten Hühner, Ziegen und ein Schwein. Häufig halfen sie darüber hinaus den Bauern bei der Ernte, um die Miete für das eigene Haus zu erwirtschaften.
Auf unseren Rundwegen durch die Handstrich- und die Maschinenziegelei entdecken Sie, wie sich die Arbeit im Laufe von 100 Jahren verändert hat. Hier lernen sie die Arbeit am Leseband und Kollergang kennen, den Pressenraum, die Trocknungsregale und schließlich den Ringofen, den Arbeitsplatz von Einsetzern, Zuschiebern und Auskarrern, die die Rohlinge in der Brennkammer aufschichteten bzw. die fertigen Ziegel herausfuhren – ein schwere und schweißtreibende Arbeit. Jedes Jahr im Mai lebt dieses Stück Geschichte bei uns wieder auf, wenn wir den Ringofen für den Ziegelbrand anheizen.