7.6. bis 15.11.2009
150 Jahre Hutgeschichte(n) erzählt eine Ausstellung, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab Sonntag, 7. Juni, in seinem Ziegeleimuseum in Lage zeigt. Unter dem Titel „Hut & Co.“ können die Besucher bis 31. Oktober im LWL-Industriemuseum einen Streifzug durch die Modegeschichte und die Geschichte der Hutherstellung unternehmen.
200 Exponate – von einfachen Schiebermütze bis zum eleganten Damenhut mit Federschmuck – sind in Lage zu sehen. "Viele Exemplare stehen auch für ein Stück Sozialgeschichte“, erklärt LWL-Museumsleiter Kulke. Beim Kaffeeklatsch zum Beispiel verharrten Hüte aus gutem Grund auf den Köpfen der Damen, schließlich war der Frisörbesuch lange Zeit ein teures Unterfangen. Und der Zylinder, der heute allenfalls noch als feierliches Accessoire zum Ball oder zur Beerdigung getragen wird, war im 18. Jahrhundert ein Symbol für eine freiheitliche Gesinnung. Die Schiebermütze schützte die Arbeiter vor dem allgegenwärtigen Staub und Schmutz z.B. in der Weberei. Der breitrandige Strohhut bewahrte die elegante Dame des 19. Jahrhunderts vor einer unerwünschten Bräunung des Teints.
Hüte haben darüber hinaus ihre eigene Symbolik und Zeichenhaftigkeit. Kulke: "Ob es um soziale Unterschiede oder um das Spiel der Geschlechter geht, um Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsständen oder unterschiedlichen Jugendszenen - immer wieder sind es Kopfbedeckungen, die unmissverständlich Zeichen setzen.“ Hüte sind eingebunden in gesellschaftliche Umgangsformen und Rituale. Das betrifft vor allem den Männerhut: eine Geste der Höflichkeit, wenn der Herr zum Gruß den Hut lüpft. Zahlreiche Redensarten zeugen noch heute von seiner bedeutsamen Rolle: "Hut ab" - wird immer noch als Ausdruck von Respekt und Hochachtung verstanden, auch von demjenigen, der noch nie einen Hut getragen hat.
Neben Mode- und Symbolfragen geht es in der Ausstellung auch um die Hut-Herstellung. Zahlreiche Exponate aus der Produktion wie unterschiedliche Hutformen und -dämpfer sowie eine Fotostrecke von Lorenz Kienzle aus einer Hutfabrik in Guben - einst ein Zentrum der deutschen Hutindustrie - geben Einblicke in den Fertigungsprozess. Seidenbänder in allen farblichen Schattierungen, Federn, Vögel, Blumen und Hutnadeln aus 150 Jahren lassen die Kunst der Putzmacherin lebendig werden. Manche Kopfbedeckung dürfen Besucher auch selbst aufsetzen. Kulke: "Wer selbst einmal ausprobieren möchte, wie ihm zum Beispiel ein Zweispitz im Stil Napoleons steht, hat bei uns Gelegenheit dazu."
Die Ausstellung, die im LWL-Textilmuseum Bocholt in Zusammenarbeit mit dem LVR-Industriemuseum in Ratingen entstanden ist, wird in Lage durch viele regionale Hüte und Hutgeschichten ergänzt. Einzigartige Exponate stellte das Langser Modegeschäft Pohle zur Verfügung. Bereits 1877 gründete der aus Reick bei Dresden stammende Hutmacher Hermann-Richard Pohle dieses Geschäft in der Langen Straße. In einer eigenen Vitrine können die Besucher jetzt alte Hutschachteln, Formen zur Hutherstellung und historische Fotos eines der ältesten Lagenser Geschäfte bewundern.
Viele spannende Geschichten erzählen auch die vielen Hüte, die dem Museum in den letzten Wochen von Menschen aus der Region zur Verfügung gestellt wurden. Der alte Strohhut der Mutter, der Zylinder aus dem Nachlass des Großvaters, die Pelzmütze die sich noch auf dem Dachboden fand.
Ein ganz besonderer Fund waren auch zwei Hutformen. Sie stammen aus dem ehemaligen jüdischen Geschäft Spanier in Bünde und dürften zu den letzten dinglichen Erinnerungen an diese Familie gehören.
Aktuelles
Hier finden Sie einen Link zu einem Beitrag der Sendung WestART des WDR zur Sonderausstellung "Wanderabreit - Menschen, Mobilität, Migration".Sendung vom 7.5.2013
Veranstaltungen zur Ausstellung "Wanderarbeit"
So, 9.6., 14 Uhr
Wie wollen wir alt werden?
Vortrag mit dem geschäftsführenden Vorstand des Vereins „Ambulante Dienste e.V.“ Harald Wölter aus Münster über Konzepte des Lebens im eigenen Quartier.
So, 7.7., 14 Uhr
Erzählcafé mit ostwestfälischen Heringsfängern
Die Petershagener Gebrüder Koch waren über Jahre als Heringsfänger in der Nordsee tätig. Wie sah der Arbeitsalltag eines Heringsfängers auf See aus? Welche Auswirkungen hatte die Saisonarbeit für das Familienleben der Familie Koch? Diese und weitere spannende Seefahrtsgeschichten erfahren Sie in einer gemütlichen Runde bei Kaffee und Kuchen in unserem Museumscafé.
So, 21.7., 14-17 Uhr
Scheren schleifen lassen
Der Augustdorfer Messer- und Scherenschleifer Guido Morsbach ist vor Ort am LWL-Ziegeleimuseum Lage und wartet auf Arbeit. Bringen Sie Ihre Messer und Scheren mit ins Museum und lassen sie diese für ein kleines Entgelt vom Fachmann schleifen! Verkauft werden auch Qualitätsprodukte aus Solingen. Nebenbei erfahren Sie interessantes zum historischen Berufsfeld des Scherenschleifers.
Veranstaltungen zur Ausstellung "Schwarze Keramik"
Sa / So, 6./ 7.7.
Schwarze Keramik im Meilerofen. Der portugiesische Töpfer António Marques führt das traditionelle Handwerk des Schwarzbrennens vor. 6. Juli: Aufbau des Ofens; 7. Juli: Brand im Ofen. Die produzierten Vasen und Töpfe können im Museumsshop gekauft werden.