Im Rahmen der Reihe GALERIE INDUSTRIEARBEIT präsentiert das Europäische Industriemuseum für Porzellan ab Sonntag, 14. Mai, im Ziegeleimuseum in Lage eine Foto- und Porzellanausstellung, die Einblicke in eine Arbeitswelt gibt, die (fast) schon wieder Vergangenheit ist.
Beginnend mit Meissen, wird seit fast 300 Jahren in Deutschland Porzellan hergestellt. Die Zentren lagen traditionell in Thüringen, Schlesien und Nordbayern. So bekannte Namen wie Rosenthal, Hutschenreuther, Heinrich, Seltmann und andere sind dort beheimatet. Das Europäische Industriemuseum für Porzellan ist in Selb und somit im Zentrum der mitteleuropäischen Porzellanindustrie angesiedelt. Es befindet sich in einer ehemaligen Porzellanfabrik und zeigt am authentischen Ort die Entwicklung der Technik, das Arbeiten, die Menschen.
Die Bezeichnung „weißes Gold“ stammt noch aus dem 18. Jahrhundert, als Porzellan selten und kostbar war. Die Herstellung der Porzellanmasse aus Kaolin, Feldspat und Quarz, das Drehen der Teller und Tassen, das Gießen der Kannen und Vasen, das mindestens zweimalige Brennen, die Dekoration durch Stahldruck, Buntdruck oder die hochwertige Handmalerei. All dies sind Schritte der Porzellanherstellung, die in der Ausstellung anhand alter Fotos gezeigt wird. Sie spannt einen Bogen von den Anfängen des 19. Jahrhunderts bis 1960 und konzentriert sich auf die alte und keineswegs nur gute Zeit der Porzellanproduktion: Konzentrierte Arbeit spiegelt sich in den Gesichtern, aber auch die körperlichen und gesundheitlichen Belastungen werden deutlich. Silikose war auch in der Porzellanindustrie verbreitet!
Um 1900 wuchsen die Porzellanfabriken auf teilweise über 1000 Beschäftigte an. Was früher dem Adel und Bürgertum vorbehalten war, wurde nun für jedemann erschwinglich. Massenproduktion hielt Einzug – gut zu erkennen an den vielen nebeneinander im Akkord arbeiten-den Drehern und Gießern. Preisgünstige Dekorationen wie der Bunt- oder Stahldruck ergänzten die teure Malerei. Deutschland wurde zum wichtigsten europäischen Porzellanproduzenten mit einem hohen Exportanteil. Angereichert wird die Fotoausstellung durch eine Auswahl an Porzellangeschirren aus der Sammlung des Deutschen Porzellanmuseums in Hohenberg. Festtagsporzellan vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts – ein Eindruck von dem, was sich unsere Eltern und Großeltern zu den besonderen Gelegenheiten auf den Tisch stellten und ansonsten sorgfältig verwahrten. Historismus, Jugendstil, Art Deko, Funktionalismus sind Stilformen, die von allen Herstellern umgesetzt wurden. Sorgfältig bemalte Ragouts und Schüsseln, üppige Ätzgoldkanten, klassische Stahldruckdekore... hier findet man alles, was über zwei Generationen gängig oder auch der letzte Schrei war. Und wer mehr wissen will, kommt nicht umhin, das Herz der europäischen Porzellanindustrie im Fichtelgebirge mit seinen Museen und Werksverkäufen selbst zu besuchen.
Eröffnung: 14.05.2007, 11 Uhr
Ausstellungsort:
LWL-Industriemuseum Ziegelei in Lage
Sprikernheide 77, 32791 Lage
Aktuelles
Hier finden Sie einen Link zu einem Beitrag der Sendung WestART des WDR zur Sonderausstellung "Wanderabreit - Menschen, Mobilität, Migration".Sendung vom 7.5.2013
Veranstaltungen zur Ausstellung
So, 7.7. 14 Uhr
Erzählcafé mit ostwestfälischen Heringsfängern
Die Petershagener Gebrüder Koch waren über Jahre als Heringsfänger in der Nordsee tätig. Wie sah der Arbeitsalltag eines Heringsfängers auf See aus? Welche Auswirkungen hatte die Saisonarbeit für das Familienleben der Familie Koch? Diese und weitere spannende Seefahrtsgeschichten erfahren Sie in einer gemütlichen Runde bei Kaffee und Kuchen in unserem Museumscafé.
So, 21.7. 14-17 Uhr
Scheren schleifen lassen
Der Augustdorfer Messer- und Scherenschleifer Guido Morsbach ist vor Ort am LWL-Ziegeleimuseum Lage und wartet auf Arbeit. Bringen Sie Ihre Messer und Scheren mit ins Museum und lassen sie diese für ein kleines Entgelt vom Fachmann schleifen! Verkauft werden auch Qualitätsprodukte aus Solingen. Nebenbei erfahren Sie interessantes zum historischen Berufsfeld des Scherenschleifers.
So, 4.8. 14 Uhr
Museumsgespräche: Ostwestfälische Heringsfänger. Die Petershagener Brüder Koch waren viele Jahre auf der Nordsee tätig. Ihre und weitere Seefahrtsgeschichten werden bei Kaffee und Kuchen im Museumscafé erzählt
Fr, 6.9. 11 Uhr
Museumsgespräche: Wanderarbeiter. Annelie Buntenbach (DGB) über osteuropäische Arbeiter in Deutschland und die Veränderung der Arbeitswelt
So, 15.9. 15 Uhr
Museumsgespräche: Wanderarbeiter. Mihai Balan und Malgorzata Zambron berichten über Ihre Arbeit im europäischen Wanderarbeiterverband
Veranstaltungen zur Ausstellung
Sa / So, 6./ 7.7.
Schwarze Keramik im Meilerofen. Der portugiesische Töpfer António Marques führt das traditionelle Handwerk des Schwarzbrennens vor. 6. Juli: Aufbau des Ofens; 7. Juli: Brand im Ofen. Die produzierten Vasen und Töpfe können im Museumsshop gekauft werden.