Zur Geschichte des Brieftaubensports in Westfalen 10.6. bis 23.9.2007
Zu fast jedem Zechenhaus gehörte früher ein Taubenschlag. Heute sind die Rennpferde des kleinen Mannes aus den Siedlungen vielerorts verschwunden. Im LWL-Industriemuseum Ziegeleimuseum in Lage hat der Brieftaubensport für drei Monate jetzt eine neue-alte Heimat gefunden: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) präsentiert unter dem Motto "Das Glück fliegt in der Luft" vom 10. Juni bis 23. September eine kleine Kulturgeschichte des Brieftaubensports in Westfalen.
Zum Begleitprogramm gehören u.a. ein Wettflug, Treffen mit Züchtern und eine Versteigerung. "Laien kommen bei uns genauso auf ihre Kosten wie alte Hasen des Taubensports", kündigt Museumsleiter Willi Kulke an. Die Schau zeigt historische Fotos, Filme und zahlreiche Leihgaben aus Vereinen. Interviews mit Züchtern vermitteln lebendige Einblicke in den aktuellen Taubensport: In Westfalen hegen und pflegen heute noch 25.000 Züchter rund drei Millionen Tiere. Kenner lockt die Ausstellung unter anderem mit einer hochkarätigen Sammlung von Konstatieruhren. Willi Kulke: "Diese Stücke verdanken wir dem Uhrenindustriemuseum Villingen-Schwenningen, mit dem wir eng zusammengearbeitet haben". Die komplexen Messgeräte waren jahrzehntelang die einzig gültige Instanz der Zeitermittlung bei Wettflügen. Heute erfolgt die Auswertung mit Hilfe von Computern und Satellitennavigation.
Das Spektrum der Themen reicht aber vor allem in die Zeit zurück, als Tauben die Rolle von Botschaftern, Nachrichtenübermittlern oder sogar Spionen spielten. Wer weiß heute noch, dass die Nachrichtenagentur "Reuters" einst mit einem Brieftauben-Depeschendienst begann? Außerdem erfährt der Besucher, wie der einmalige Orientierungssinn der Vögel funktioniert oder warum Liebe und Leidenschaft eine wichtige Rolle für die geflügelten Heimkehrer spielen. Eine besondere Attraktion ist der "Stammtisch" als Mittelpunkt des Züchteruniversums: Dort findet der Besucher historische Fotos, Siegertafeln und Trophäen der Bochumer Reisevereinigungen. Er erinnert daran, dass das Vereinslokal stets eine besondere Bedeutung hatte: Die Züchter fieberten dort den Ergebnissen der Wettflüge entgegen, fachsimpelten über Zuchtgeheimnisse und Trainingsmethoden. "Brieftaubensport war und ist eben immer noch eine gesellige Angelegenheit", so der Museumsleiter Bereits seit den 1880er Jahren ist Westfalen ein Zentrum des Brieftaubensports in Deutschland. Seinen Höhepunkt erlebte der Volkssport in den 1960er Jahren mit mehr als 100.000 aktiven Züchtern in Deutschland. Den rasanten Aufschwung hat der Brieftaubensport vor allem zwei Faktoren zu verdanken: In den Arbeiterkolonien boten Gärten und Dachböden ideale Voraussetzungen für Taubenschläge. Auf der anderen Seite hatte so mancher junge Industriearbeiter die Hoffnung, bei den Wettflügen das schnelle Glück zu machen. Denn die Preisgelder konnten bei erfolgreichen Züchtern durchaus den hart verdienten Wochenlohn übersteigen. Mit Unterstützung der Brieftauben-Reisevereinigung Lage/Lippe ist es dem Museum gelungen für die Zeit der Ausstellung auch einen Brieftaubenschlag auf dem Geländes des Museums zu haben. Die Tauben werden dort Brüten, ihre Jungen aufziehen und im August/September auch zu Wettpflügen starten. In der Ausstellung können die Besucher auch die Schätze der Brieftauben-Reisevereinigung Lage/Lippe bestaunen: Ein Vereinsschrank des Militärbrieftauben-Liebhabervereins Kriegspost Lemgo, die Pokalvitrine des Reisetaubenzüchtervereins Zur alten Hansestadt Lemgo und den Wanderpreis des Vereins Lippische Rose aus Lage von 1948.
Eröffnung: 10.6.2007, 11 Uhr
Ausstellungsort: LWL-Industriemusuem Ziegeleimuseum in Lage
Sprikernheide 77, 32791 Lage
Aktuelles
Hier finden Sie einen Link zu einem Beitrag der Sendung WestART des WDR zur Sonderausstellung "Wanderabreit - Menschen, Mobilität, Migration".Sendung vom 7.5.2013
Veranstaltungen zur Ausstellung "Wanderarbeit"
So, 9.6., 14 Uhr
Wie wollen wir alt werden?
Vortrag mit dem geschäftsführenden Vorstand des Vereins „Ambulante Dienste e.V.“ Harald Wölter aus Münster über Konzepte des Lebens im eigenen Quartier.
So, 7.7., 14 Uhr
Erzählcafé mit ostwestfälischen Heringsfängern
Die Petershagener Gebrüder Koch waren über Jahre als Heringsfänger in der Nordsee tätig. Wie sah der Arbeitsalltag eines Heringsfängers auf See aus? Welche Auswirkungen hatte die Saisonarbeit für das Familienleben der Familie Koch? Diese und weitere spannende Seefahrtsgeschichten erfahren Sie in einer gemütlichen Runde bei Kaffee und Kuchen in unserem Museumscafé.
So, 21.7., 14-17 Uhr
Scheren schleifen lassen
Der Augustdorfer Messer- und Scherenschleifer Guido Morsbach ist vor Ort am LWL-Ziegeleimuseum Lage und wartet auf Arbeit. Bringen Sie Ihre Messer und Scheren mit ins Museum und lassen sie diese für ein kleines Entgelt vom Fachmann schleifen! Verkauft werden auch Qualitätsprodukte aus Solingen. Nebenbei erfahren Sie interessantes zum historischen Berufsfeld des Scherenschleifers.
Veranstaltungen zur Ausstellung "Schwarze Keramik"
Sa / So, 6./ 7.7.
Schwarze Keramik im Meilerofen. Der portugiesische Töpfer António Marques führt das traditionelle Handwerk des Schwarzbrennens vor. 6. Juli: Aufbau des Ofens; 7. Juli: Brand im Ofen. Die produzierten Vasen und Töpfe können im Museumsshop gekauft werden.