Das LWL-Industriemuseum Zeche Hannover konzentriert sich als Museum für Industrialisierung und Zuwanderung auf die Industrie-, Kultur-, und Sozialgeschichte des Ruhrgebiets. Das heute monumental wirkende Industriedenkmal, bestehend aus Malakowturm und Maschinenhalle, ist beeindruckendes Zeugnis des strukturellen Wandels der vergangenen Industriezeit. Es steht stellvertretend für die tiefgreifenden Veränderungen der Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Menschen im Revier.
Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die Geschichte der Migration. Seit ihren Anfängen in den 1850er Jahren warb die Zeche Hannover Arbeitskräfte aus dem In- und Ausland an. Neben ihrem meist nur notdürftigen Gepäck transportierten die Zuwanderer ein anderes wichtiges Gut in den entstehenden Ballungsraum: ihre Kultur. Mit ihrer Lebensart und ihren kulturellen Praktiken bereichern sie bis heute die Industriekulturlandschaft an Rhein und Ruhr. Die wechselseitigen Beziehungen und Einflüsse der unterschiedlichen Kulturen lassen sich in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen aufspüren. Auf dem Geländer der Zeche Hannover findet dieser Teil der Geschichte eine dauerhafte Verortung. Die Besucher können anhand von zwölf Bild-Text-Tafeln den Spuren der Zuwanderung ins Revier folgen. Es werden allgemeine Tendenzen sowie lokale und biografische Beispiele beschrieben.
Das Internet-Portal "Migration ausstellen" vereint die wichtigste Migrationsausstellungen an einem Ort, nennt Ansprechpartner und dient als Archiv für kleinere Ausstellungen. Mit dem Internetportal leistet der LWL einen wichtigen Beitrag, die museale Arbeit zur Migrationsgeschichte nicht nur in Westfalen-Lippe, sondern bundesweit zu vernetzen.
2003 zeigte Das LWL- Industriemuseum Zeche Hannover die Ausstellung "Neapel - Bochum - Rimini. Arbeiten in Deutschland. Urlaub in Italien". Die Ausstellung thematisierte sowohl den deutschen als auch den italienischen Alltag in Deutschland: bei den einen war sie geprägt von Sehnsucht nach "dolce vita" und von Urlaubsgefühlen, bei den anderen von harter Arbeit und Leben in der Fremde. Die Ausstellung veranschaulicht, dass Zuwanderer und Einheimische trotz unterschiedlichster Erfahrungen eine gemeinsame Geschichte erzählen können.
Im Jahr 2007 wurde die Geschichte der polnischen Zuwanderung ins Blickfeld gerückt: "Westfalczycy - Ruhrpolen. Zuwanderer aus Polen im Ruhrgebiet 1871 bis heute" schlug einen Bogen von den Anfängen der polnischen Migration bis zur gegenwärtigen polnischen Kultur an der Ruhr. Der Schwerpunkt lag auf der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg - von den Zwangsarbeitern und Displaced Persons über die Solidarnosc-Flüchtlinge und Spätaussiedler der 1980er Jahre bis zur Nachfolgegeneration, die heute ihre Zukunft im zusammenwachsenden Europa sucht.
"Eiskalte Leidenschaft. Italienische Eismacher im Ruhrgebiet" im Jahr 2009 führte die Besucher vom Zoldo-Tal in den Dolomiten, wo das Eis seinen Ursprung hat, ins Ruhrgebiet, wo sich seit Ende des 19. Jahrhunderts viele Eismacher niederließen. Obwohl viele von ihnen im Ruhgebiet eine Heimat fanden, verbringen sie bis heute den Winter in Italien bei ihren Familien.
In der aktuellen Ausstellung "Schichtwechsel - Von der Kohlekrise zum Strukturwandel" spielt das Thema ebenfalls eine wichtige Rolle. Hier wird Migration als integraler Bestandteil der Geschichte miterzählt.
Auch in Fotoausstellungen zeigte die Zeche Hannover Aspekte der Migrationsgeschichte im Ruhrgbiet. Den Anfang machte die Ausstellung der Herner Fotografin Brigitte Krämer, die in der Ausstellung "So nah- so fern" sehr private Momente türkischer Einwandererfamilien festhielt.