Unzählige Formen, Farben und Dekore. Das ist der visuelle Eindruck der Sonderausstellung Zier- und Gebrauchsglas aus Theresienthal, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Industriemuseum Glashütte Gernheim zeigt. Den Besucher erwartet ein Rundgang durch 175 Jahre Produktgeschichte der bayerischen Glashütte Theresienthal.
Die Hütte Theresienthal wurde 1836 gegründet und gehörte ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Fabriken ihrer Art in Deutschland. Sie war ab Ende des 19. Jahrhunderts auf Hohlglasproduktion spezialisiert und arbeitete mit namhaften Designern verschiedenster Stilrichtungen zusammen. Besonders bekannt sind die Theresienthaler Trinkgläser, deren Stile vom Biedermeier über Historismus, Jugendstil und Neue Sachlichkeit bis zu Formen aktueller Entwerfer reichen.
Das LWL-Industriemuseum präsentiert Trinkgläser, Wein- und Bierservices sowie Vasen der verschiedenen Epochen aus der Privatsammlung Stephan Buse. Eine große Farb- und Formenvielfalt an Stengelgläsern und Römern entwickelte Theresienthal im Jugendstil. Damals arbeitete der bekannte Entwerfer Hans Christiansen für die Hütte. Gläser von ihm werden ebenfalls zu sehen sein. Die "Neue Sachlichkeit" der 1920er und frühen 1930er zeigen zarte Strohgläsern nach Entwürfen von Hans von Poschinger. Nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders ab den 1970er Jahren orientierte sich die Produktion der Hütte an historischen Formen. Hier kontrastiert die Ausstellung historische Vorbilder mit neu aufgelegten Trinkgläsern. In den 1990er Jahren suchte die Glashütte Theresienthal nach einer Neuausrichtung ihrer Produktpalette. Aus dieser Zeit stammen die Entwürfe der Designer Heike Philipp und Volker Hundertmark. Ende der 1990er Jahre geriet die Hütte in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
10.6. bis 4.11.2012
ROTATION SiO2
200 Jahre Glashütte Gernheim
Eröffnung: So, 10.6., 11 Uhr
Zum dritten Mal stellt die Glaskünstlervereinigung NRW in der Glashütte Gernheim aus, diesmal zum 200-jährigen Jubiläum. Nach einem Heißglasworkshop mit den Gernheimer Glasmachern, die ebenfalls an der Ausstellung teilnehmen und anschließender weiterer Arbeit bei den Künstlerinnen und Künstlern im Atelier, wird das Ergebnis der künstlerischen Arbeit in der Ausstellung „ROTATION SiO2“ zu sehen sein. Alle Arbeiten wurden speziell für diese Ausstellung und das Herrenhaus als Ausstellungsgebäude geschaffen und nehmen Bezug auf die Geschichte des Ortes und der Glashütte.