Trotz Strick-Graffiti und Garn-bombing – die Socken strickende Großmutter ist heute bei vielen Menschen die erste Assoziation zum Thema Stricken. Doch so vielfältig wie die möglichen Mustermaschen ist auch deren Verwendungszweck. Mit einer neuen Schau zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in seinem Textilmuseum in Bocholt den Bedeutungswandel dieses Kunsthandwerkes in unserer Gesellschaft.
Waren Gestricke Jahrhunderte lang für den einen müßiger Zeitvertreib und für den anderen notwendiges Übel, so werden wir heutzutage immer wieder von neuen Strickwellen überrollt. Neben der geselligen Handarbeit in adligen und bürgerlichen Kreisen war die Strickkunst vor allem im bäuerlichen und ländlichen Umfeld verbreitet. Besonders die ärmere Bevölkerung strickte zur Versorgung der eigenen Familie und zum Nebenerwerb.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahmen die Verdienstmöglichkeiten mit handgestrickten Objekten immer mehr ab. Konkurrenz brachten technische Errungenschaften wie Strickmaschinen für Flachware und Rundstrickmaschinen. In Kriegszeiten strickten die daheim gebliebenen Menschen wieder per Hand für die Soldaten an der Front und die Modeschöpferin Elsa Schiaparelli machte den Strickpullover salonfähig. Handgestrickte Straßenkunstwerke nehmen heute als Gemeinschaftsprojekte immer größere Ausmaße an und lassen selbst ganze Bäume im Strick verschwinden. Ob gestrickte Alltagskleidung oder gestrickte Kunstwerke, sie alle entspringen den Zutaten Nadel, Faden und Fantasie.
In Kooperation mit zwei leidenschaftlichen Strickerinnen, der Hamburger Redakteurin Anne Alter und der Bocholter Wolldesignerin Margarete Dolff, werden alte und neue Dimensionen der Maschenware in Szene gesetzt. Zahlreiche historische und zeitgenössische Exponate, Strickgeschichten von den Shetlands sowie ein spannendes Begleitprogramm veranschaulichen in der Bocholter Ausstellung Geschichte und Trends des Handstrickens.
Doch auch die Besucher werden aufgefordert zur Nadel zu greifen und persönliche Strickproben zu hinterlassen. An einer Videowand kann man verschiedene Techniken verfolgen und das Gesehene mit Nadel und Faden gleich umsetzen.
Außerdem wird als Gemeinschaftsprojekt ein langer Schal entstehen, der zu karitativen Zwecken versteigert werden soll.
Begleitprogramm
Fashion-lights!
So, 17.6.
11 Uhr: Jazzmatinee und Führung durch die Ausstellung "Fashion-lights!". Das Jazzquartett EMOTIONS präsentiert Standards aus dem Great American Songbook mit Jazzdrummer und Band-Leader Peter Baumgärtner, Saxofonist Matthias Nadolny, Bassist Konstantin Wienstroer und Pianist Jörg Siebenhaar. Kosten 12 Euro / ermäßigt 8 Euro
15 Uhr: Öffentliche Führung. Kosten: Museumseintritt
Do, 30.8. 19 Uhr
Mit Mode in die Nacht. Abendführung durch die Ausstellung "Fashion-lights!" mit einem Glas Sekt
Kosten: 6 Euro
Sa, 29.9. 20 Uhr
Lockstoff - Die zweite Lange Nacht der Mode. Modenschau zu Avantgarde und Moderne
Einlass ab 19 Uhr. Kosten: 12 Euro / ermäßigt 8 Euro
So, 18.11. 15 Uhr
Finissage zur Ausstellung "Fashion-lights!"
Öffentliche Führungen
So, 22.7., 16.9., 11.11., jeweils 15 Uhr, Kosten: Museumseintritt
Gruppenführungen
Dauer: 1 Stunde, Buchung unter Tel. 02871 21611-0 oder E-Mail: textilmuseum@lwl.org
Kosten: 35 Euro pro Gruppe plus Museumseintritt
"Trendsetter"- Museumspädagogisches Programm
Nach einer Führung durch die Ausstellung werden die Teilnehmer selbst zu Modedesignern und spüren den zukünftigen Trends nach. In kleinen Gruppen entwerfen sie aus den bereit gestellten Materialien sogenannte "Megabords". Hier vereinen sich als Collage sämtliche Farben, Formen, Stoffe, Schnitte und Strukturen, die den neuen Trend bestimmen.
Dauer: 2 Stunden, Teilnehmer: max. 25, Klasse: 6 bis 10, Kosten: 45 Euro plus Museumseintritt.
Auf Nachfrage kann dieses Angebot auch von anderen Gruppen gebucht werden.