TextilKunst im TextilWerk
Ort: Spinnerei
Sie sind Meisterinnen ihres Fachs und damit auch einflussreiche Künstlerinnen: Magdalena Abakanowicz und Laura Ford. In Bocholt präsentiert die polnische Künstlerin Arbeiten aus Sackleinen - Material, das lange Zeit auch wesentlicher Bestandteil der textilen Produktion im Münsterland war. Die Figuren der Waliserin Laura Ford erinnern zunächst an Märchen- und Fabelwelten, beziehen sich aber auf soziale Missstände der Gegenwart. Im Vordergrund steht bei Ford die Wiederverwendung vorgefundener textiler Materialien.
Einen Teil der ausgestellten Arbeiten fertigte Laura Ford im Sommer 2011 in der Spinnerei vor Ort an. Sie nutzte dabei auch typische Bocholter Ware und Textilien, die auf den historischen Webstühlen der Museumsweberei produziert wurden. Die Ausstellung ist eine Fortsetzung der Präsentation von 2011. Neu in der Präsentation sind Arbeiten Fords aus der Gruppe "The Great Indoors", die zuletzt in Amerika zu sehen waren.
Magdalena Abakanowicz
wurde 1930 bei Warschau geboren. Sie lebt und arbeitet auch heute in der polnischen Hauptstadt. Bereits seit 1967 ist die Bildhauerin mit Einzelausstellungen in wichtigen europäischen und US-amerikanischen Museen vertreten. 1980 repräsentierte sie Polen auf der Biennale in Venedig.
In den 1960er Jahren schuf sie riesige dreidimensionale, von der Decke hängende Webarbeiten aus Sisal und Wolle. Mit den ersten Arbeiten aus Sackleinen und Harz wandte sie sich der Figuration zu. Seither sind menschliche oder tierähnliche Figuren und Fragmente charakteristisch für ihre Arbeit. In ihren Arbeiten reflektiert Magdalena Abakanowicz die Schrecken der Kriegsjahre, die sie als Kind in Warschau erlebte. Es gelingt ihr, dem Unaussprechlichen Gestalt zu geben. Sie bietet uns die erkennbare oder erahnbare, die unvollendete oder zertrümmerte, die isolierte oder zusammengruppierte Figur als Katalysator an. Zwischen Fragilität und Würde, Präsenz und Selbstbehauptung oszillierend, haben Abakanowicz’ Skulpturen eine faszinierende Wirkung.
In er Spinnerei ist erneut Abakanowicz‘ Installation Mutants zu sehen - große tierähnliche Figuren aus harzgetränktem Sackleinen. Sie wirken trotz ihrer offensichtlichen Gemachtheit organisch, geradezu lebendig, und entwickeln versammelt als kleine Herde eine besondere Ausstrahlungskraft.
Laura Ford
"Meine Arbeit ist eine Mischung aus Humor, Melancholie und Dunkelheit. Ich bin spielfreudig, wenn ich arbeite. Ich improvisiere skulpturale Akte, bearbeite und überarbeite sie, bis sich mein Verständnis für die Arbeit entwickelt hat“, sagt Laura Ford über ihre künstlerischen Antriebskräfte. Die Bildhauerin wurde 1961 in Cardiff/Wales geboren und lebt und arbeitet heute in London.
Sie nahm an mehr als 20 Einzelausstellungen und über 45 internationalen Gruppenausstellungen teil. Im Jahr 2005 vertrat die Künstlerin Wales auf der 51. Biennale in Venedig. Laura Ford beschäftigt sich in ihren Skulpturen mit dem Übergang von Mensch zu Tier, von Kreatur zu Figur, von realer Welt zum Märchen. Ihre Arbeiten sind voller gegenläufiger Erwartungen, sind widersprüchlich, überraschend und bewusst inkongruent. Sie lebt davon, visuelle Unstimmigkeiten zu schaffen zwischen dem, was man sieht, und dem, was man als gegeben voraussetzt. So entstehen spannende Collagen, die Realismus und sinnliche Wahrnehmung vereinen. Ihre gegenständlichen Skulpturen sind vielseitig - sowohl was das verwendete Material als auch ihre Bildwelt angeht. Auf den ersten Blick wirken die Arbeiten der Bildhauerin witzig und verspielt. Bei näherer Betrachtung erscheint jedoch ihre Tiefgründigkeit und es offenbart sich eine scharfe Gesellschaftskritik.
Einige der Biennale-Werke Glory Glory sind wieder in Bocholt gezeigt. Ford wird diese seltsam hybriden Geschöpfe, die Figuren aus Kinderbüchern, Märchen, Mythologie und Träumen ähneln, mit Materialien aus dem Textilmuseum - hauseigenen Weberzeugnissen, Teppichresten und Baumwollstoffen.
Führungen und Programme für Gruppen
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Von Menschen und Tieren |
Eine Führung durch die Ausstellung für Kinder und Erwachsene. Mehr Informationen finden Sie hier. |
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"Zeigt her eure Hände..." |
Ein Museumspädagogisches Programm zur Textilkunst für Kinder im Alter von 8-12 J. Mehr Informationen finden Sie hier. |
Magdalena Abakanowicz - Laura Ford
Atelier.Industrie
2.9.-20.11.2011 I 18.3.-18.11.2012
LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt
Spinnerei
Industriestraße 5
46395 Bocholt
Geöffnet Di-So, 10-18 Uhr
Begleitprogramm
Fashion-lights!
So, 17.6.
11 Uhr: Jazzmatinee und Führung durch die Ausstellung "Fashion-lights!". Das Jazzquartett EMOTIONS präsentiert Standards aus dem Great American Songbook mit Jazzdrummer und Band-Leader Peter Baumgärtner, Saxofonist Matthias Nadolny, Bassist Konstantin Wienstroer und Pianist Jörg Siebenhaar. Kosten 12 Euro / ermäßigt 8 Euro
15 Uhr: Öffentliche Führung. Kosten: Museumseintritt
Do, 30.8. 19 Uhr
Mit Mode in die Nacht. Abendführung durch die Ausstellung "Fashion-lights!" mit einem Glas Sekt
Kosten: 6 Euro
Sa, 29.9. 20 Uhr
Lockstoff - Die zweite Lange Nacht der Mode. Modenschau zu Avantgarde und Moderne
Einlass ab 19 Uhr. Kosten: 12 Euro / ermäßigt 8 Euro
So, 18.11. 15 Uhr
Finissage zur Ausstellung "Fashion-lights!"
Öffentliche Führungen
So, 22.7., 16.9., 11.11., jeweils 15 Uhr, Kosten: Museumseintritt
Gruppenführungen
Dauer: 1 Stunde, Buchung unter Tel. 02871 21611-0 oder E-Mail: textilmuseum@lwl.org
Kosten: 35 Euro pro Gruppe plus Museumseintritt
"Trendsetter"- Museumspädagogisches Programm
Nach einer Führung durch die Ausstellung werden die Teilnehmer selbst zu Modedesignern und spüren den zukünftigen Trends nach. In kleinen Gruppen entwerfen sie aus den bereit gestellten Materialien sogenannte "Megabords". Hier vereinen sich als Collage sämtliche Farben, Formen, Stoffe, Schnitte und Strukturen, die den neuen Trend bestimmen.
Dauer: 2 Stunden, Teilnehmer: max. 25, Klasse: 6 bis 10, Kosten: 45 Euro plus Museumseintritt.
Auf Nachfrage kann dieses Angebot auch von anderen Gruppen gebucht werden.