Das TextilWerk in Bocholt ist Koordinator des von der Europäischen Union geförderten Kooperationsprojektes artMUSE. Mit im Boot sind die Städtische Galerie in Danzig und das Museum von Bitola in Mazedonien sowie elf weiteren assoziierte Partnern aus ganz Europa. Das Projekt startete im Mai 2011 und läuft bis Ende Oktober 2012. Die letzte Veranstaltung im Rahmen von artMUSE fand vom 24. bis 26. August 2012 in der Spinnerei des TextilWerks finden statt.
Ziel des EU-Projektes ist es, moderne Medienkunst und historische Areale der Industriekultur (für Bocholt vor allem der Textilindustrie) sowohl räumlich als auch inhaltlich zu verknüpfen. Dass Kunst zunehmend Industriehallen erobert, ist nicht neu. Doch im artMUSE-Projekt sind die beteiligten Künstler angehalten, sich im Vorfeld intensiv mit der Geschichte der Ausstellungsorte zu befassen und die historischen Areale zu erkunden. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist die Partizipation von lokalen Künstlern und Bevölkerungsgruppen während der artMUSE Festivals.
Zur Vorbereitung des neuen Kunstevents fanden Künstlerworkshops, Recherchen und Meetings der Projektpartner statt. Als neuer Kooperationspartner ist in diesem Jahr die Stadt Bocholt hizugekommen. Im Mittelpunkt steht diesmal die Auseinandersetzung des von der Stadt Bocholt geplanten KUBAaI-Projektes (www.kubaai.de), das sich mit den Möglichkeiten der kulturellen Umnutzung des rund 25 Hektar großen Industrieareals beidseits der Aa befasst. Keimzelle der Entwicklung ist die Spinnerei des TextilWerks.
Judith Nothnagel
„infra_tex“
3-Kanal-Videoinstallation im Drosselsaal 1
Die Videoinstallation adaptiert eine experimentell dokumentarische Videoarbeit, die 2008 durch die Auseinandersetzung mit einer regionalen Textilfabrik zum Thema „heimatliche Identität und eine im Verschwinden befindliche Textilindustrie“ entstanden ist. Künstlerisch verfremdet, wird ein Verarbeitungsprozess von weißen Fäden vor leuchtend blauem Hintergrund gekoppelt mit metallisch klingenden Fabrikgeräuschen, die synchron geschaltet höchste Spannung und Wahrnehmungsirritationen erzeugen.
Die Videoarbeit reduziert ein industrielles Produktionsverfahren mit Hilfe einer präzisen Abstimmung von Bild und Ton zu einer abstrakten Synästhese. Der Betrachter wird konfrontiert mit den Themen: technischer Fortschritt, Medienwahrnehmung und Identitätswandel.
Judith Nothnagel
„TextilWerk, Eröffnung 2011“
digitale Fotografie im Foyer
Das Motiv aus der Werkserie „Present Places“ erforscht auf künstlerischer Ebene die Entwicklung urbaner und gesellschaftlicher Identitäten. Eine eigens entwickelte Technik bei der Fotoaufnahme und der Weiterverarbeitung am Computer lassen Motive verfremdet erscheinen, teils wie in Wachs gemalt und in einer Verbindung aus fotorealistischer Darstellung und Malerei.
Stefan Demming
Dschungelcamp
Multimediale Rauminstallation in der ehemaligen Schlichterei
Eine in Teilen begehbare skulpturale und mediale Instant-Landschaft aus vielfach textilen Materialien verdeutlicht als technisches Biotop die Zurückeroberung eines Industrieareals durch die Natur. Zeitlicher Wandel wird vor allem sinnlich in der Veränderung des Raumes erfahrbar: Elemente wie Wasser, Sonne, Hügel, Wald- und Tiergeräusche simulieren durch gesteuerte Geräuscheffekte, Wellenbewegung, Licht- und Höhenwechsel Stimmungen aus der Natur im Ambiente einer historischen Fabrikhalle.
Bärbel Möllmann
„Erfahrungsraum“ — multimediale Rauminstallation im Kardensaal
Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Textilerstadt Bocholt werden über Geräusche, Gerüche und Gegenstände erfahrbar gemacht und vereint. Die Besucher können eigene Erfahrungen mit dem Dargestellten verknüpfen und neue Gedankenstränge spinnen. So entsteht ein Bild der Stadt, das sich jedem Besucher individuell erschließt.
Michael Globisch
Prozess
Videoskulptur, 3 Ölbilder und 19 Computergrafiken im Kardensaal
Die Videoskulptur bezieht sich auf das Verhältnis Mensch-Maschine-Natur in der digitalen Revolution. Als Sockel dient ein historischer Waschtisch, der als Relikt für das Individuum Mensch (hier: Arbeiter in der Spinnerei) steht. Der Wandel vom Industriegebiet zur Kulturzone wird zusätzlich in den Ölbildern und computergenerierten Grafiken verdeutlicht.
Im Rahmen des artMUSE-Festivals hatten die Stadt Bocholt und das LWL-Industriemuseum gemeinsam mit weiteren Partnern unter dem Motto "Imagine KUBAaI" einen Video-Wettbewerb zur Entwicklung des Kulturquartiers an der Aa ausgeschrieben. Der Film von Michel Weigel ist ein Ergebnis.