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Foto: Griesohn-Pflieger
Friedhelm Gerlach mit seinen Modellen.
InfoDienst Hattingen:
Zwangsarbeiter in Hattingen
Zeitzeuge schreinert Lagermodell
Hattingen. Ein ganz besonderes Stück Vergangenheitsbewältigung wird jetzt im Stadtmuseum für die Zwangsarbeiter-Ausstellung im April aufbewahrt. Friedhelm Gerlach bastelte in wochenlanger Arbeit ein maßstabgerechtes, dreidimensionales Modell des "Wohnlagers Welper" nach, in dem ausländische Arbeitskräfte, die den Betrieb der Henrichshütte aufrecht erhalten mussten, lebten.

Zahlreiche Veranstaltungen begleiten zwischen 15. April und 27. Juli die gemeinsame Ausstellung der Stadt Hattingen und des Westfälischen Industriemuseums: Vorträge und Filme im Stadt- und Industriemuseum und bei der Volkshochschule Hattingen, Schullesungen der Stadtbücherei,
Theaterstücke und Schulprojekte. Während es im Stadtmuseum vor allem um das Lagerleben geht, inszeniert das Westfälische Industriemuseum (WIM) das konkrete Beispiel Zwangsarbeit im Rüstungsbetrieb Henrichshütte.

Etwa 50 v.H. der Arbeiter, die in den Kriegsjahren auf der Hütte kriegswichtiges Eisen und Stahl produzierten, waren "Zwangsarbeiter". Damit lag die Henrichshütte im Vergleich der Industrieunternehmen beim Einsatz ausländischer Arbeitskräfte mit an der Spitze, wie Anja Kuhn, die das Thema Zwangsarbeiter beim WIM betreut, feststellte.

Doch "Zwangsarbeiter war nicht gleich Zwangsarbeiter". Unter dem Begriff, so Stadtarchivar Thomas Weiß, werden eine Vielzahl von Herkünften, Motivationen und Kategorien zusammengefasst. In Hattingen und anderswo in Kriegs-Deutschland, dessen Männer hauptsächlich an der Front standen, mussten Dienstverpflichtete, Verschleppte, Kriegsgefangene, Häftlinge aber auch "Freiwillige" aus den besetzten westlichen Nachbarländern schuften. So unterschiedlich ihre Herkunft, so unterschiedlich war ihre Behandlung durch die "deutschen Herrenmenschen".

Bei der Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeit spielen Zeitzeugen eine sehr wichtige Rolle. Die Henrichshütte, der größte Arbeitgeber des Hattinger Raumes, beschäftigte während des Zweiten Weltkrieges die bei weitem meisten ausländischen Arbeiter. Um diese Menschenmenge unterbringen zu können, errichtete die Henrichshütte während des Krieges vierzehn Lager. Das größte Lager war das so genannte "Wohnlager Welper" und befand sich an der heutigen Marxstraße / Friedensstraße. 1940 wurde mit dem Bau begonnen, um dort deutsche Dienstverpflichtete, Beschäftigte aus der Herforder Möbelindustrie, unterzubringen. Doch schon bald wurde das Lager vorrangig für die ausländische Belegschaft der Henrichshütte genutzt. Bis zu 2.500 Menschen lebten gegen Ende des Krieges im Wohnlager Welper: Belgier, Deutsche, Franzosen, Italiener, Niederländer, Polen sowie sowjetische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene. Es entwickelte sich eine Baracken-Stadt mit über 40 Gebäuden, Krankenrevier, Gemeinschaftsräumen, Friseurstube, Luftschutzeinrichtungen, Löschteichen. Einige der Baracken stehen heute noch.

Als besonderer Glücksfall, so Petra Kamburg vom Stadtmuseum Hattingen, erwies sich Friedhelm Gerlach, der während des Zweiten Weltkrieges seine Ausbildung als Modellschreiner auf der Henrichshütte absolvierte. Der heute 72-Jährige schafft durch sein detailliertes Lagermodell ein wichtiges Ausstellungsstück. Mit Hilfe von Lage-, Bau- und Barackenplänen aus den Beständen des Stadtarchivs Hattingen rekonstruierte er ein beeindruckendes Abbild eines Stücks Geschichte seiner Heimatgemeinde Welper.

Kontakte: Petra Kamburg, Stadtmuseum 02324 681610
Thomas Weiß, Stadtarchiv 02324 39196-11

Anja Kuhn, Westfälisches Industriemuseum Henrichshütte, 02324 9247-40
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