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Das Bild zeigt ein Exponat aus der Sammlung des Fritz-Hüser Instituts. Foto: Fritz-Hüser Institut
Gemeinsam entwickelten die Künstler Darstellungen zu Themen aus Werken Brechts, insbesondere zu „Leben des Galilei“
Bertolt Brecht und Hans Tombrock

Eine Künstlerfreundschaft im skandinavischen Exil

9.9. bis 16.12.2007

1939 trafen sich in Schweden zwei Künstler, die beide von den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen worden waren: Bertolt Brecht und der Dortmunder Maler Hans Tombrock. Die Gastausstellung des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt der Stadt Dortmund stellt die Zusammenarbeit mit Brecht und ihr künstlerisches Ergebnis mit dem Galileo-Zyklus, den Brecht-Porträts und den Bildern mit Brecht-Versen in den Mittelpunkt. Ergänzend dokumentieren zahlreiche Fotos auch die gemeinsame Zeit beider Künstler.
 
Das Bild zeigt eine Radierung Tombrocks. Foto: Fritz-Hüser Institut
Don Quichotte - eine Radierung aus dem Jahr 1939

Der Maler Hans Tombrock, 1895 in Dortmund-Benninghofen geboren und 1933 ins skandinavische Exil gezwungen, traf 1939 in Schweden mit Bertolt Brecht zusammen. Gemeinsam entwickelten sie Darstellungen zu Themen aus Werken Brechts, insbesondere zu „Leben des Galilei“, die Brecht noch nach seiner Weiterreise nach Finnland intensiv korrigierte. Die Bilder Tombrocks wurden vielfach von der schwedischen Arbeiterbewegung gekauft, in deren Gewerkschafts- und Volkshäusern sie heute noch hängen. Was beide Künstler zueinander hinzog, liegt großenteils im Bereich der Spekulation. Brecht fühlte sich womöglich von Tombrocks „Freibeutertum“ angesprochen, nannte ihn seinen „lebensgefährlichen Freund“. „Auch der Gedanke, hier einen echten Proletarier vor sich zu haben, eine Art „Exerzierstück“ für das Voranbringen der sozialen Revolution, wird seinen Reiz ausgeübt haben“, vermutet Johanna-Elisabeth Palm, Leiterin des Fritz-Hüser-Instituts. Für Tombrock war die Begegnung und der Austausch mit Brecht, die ihm Anerkennung und Förderung einbrachten, ganz sicher eine wesentliche Erfahrung in seinem Leben, auf die er immer wieder Bezug nahm.

Um sich Hans Tombrock nähern zu können, sind auch andere Phasen seines Schaffens ausgestellt. Dazu gehören frühe Landschafts- und Städtezeichnungen, die zunächst romantischen, später stark sozial-kritischen Vagabundenzeichnungen, die Schärenlandschaften Schwedens, die Bilder von seinen Reisen durch Marokko und seine letzten, eher surrealen Bilder. Die Zerrissenheit seiner Persönlichkeit ist an seinen Bildern abzulesen. Sein bewegter Lebenslauf und sein nicht einfacher Charakter trieben ihn immer wieder an andere Orte und ließen ihn keine dauerhafte Existenz oder Beziehung finden.
 
Foto: Fritz-Hüser Institut
"Servus" aus dem Jahr 1928
1946 kehrte Tombrock nach Dortmund zurück und gründete eine Kunstschule, die er 1949 wieder aufgeben musste. Um 1949 trat er auch wieder mit Brecht in Kontakt. Im gleichen Jahr erhielt er einen Lehrauftrag an der staatlichen Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar, nach der Auflösung der Abteilung Kunst unterrichtete er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Wieweit Brecht seinen Einfluss für Tombrock geltend machte, ist nicht nachzuweisen. 1953 verließ Hans Tombrock die DDR und zog nach Stuttgart. Der plötzliche Tod Brechts 1956 erschütterte ihn sehr, allerdings ist nicht bekannt, ob in den letzten Jahren zwischen beiden noch ein Kontakt bestand. Tombrock selbst starb 1966.

Alle Bilder der Ausstellung stammen aus dem Besitz des Fritz-Hüser-Instituts. Es dokumentiert und sammelt in seinem Archiv und der Bibliothek die Zeugnisse zur Literatur der Arbeitswelt, zu Arbeiter- und Bergarbeiterliteratur und zu Organisationen der Arbeiterkulturbewegung. Es geht zurück auf die Sammlung zur Arbeiterliteratur, die Fritz Hüser seit den 1920er Jahren anlegte.

Eröffnung: 9.9., 11 Uhr
Führungen: So, 16.9., So, 28.10., und So, 16.12., jeweils um 15 Uhr

Öffnungszeiten: Di- So 10 – 18 Uhr
Ausstellungsort: LWL-Industriemuseum Zeche Zollern – Alte Werkstatt
Grubenweg 5, 44388 Dortmund
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