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Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt zwei Frauen an einer Schleifmaschine. Sie sitzen sich gegenüber und lächeln in die Kamera.
Porzellan-Schleiferinnen, Selb, um 1955. Foto: Europäisches Industriemusem für Porzellan
Weißes Gold - Arbeiterfotos und Festtagsporzellan

Gastausstellung des Europäischen Industriemuseums für Porzellan, Selb
10.9. bis 26.11.2006



Vor langer Zeit schmückte es die Tafeln der Könige, deshalb wurde es auch weißes Gold genannt. Heute hat es jeder im Schrank: Porzellan. Im Rahmen der Reihe GALERIE INDUSTRIEARBEIT präsentiert das Europäische Industriemuseum für Porzellan ab Sonntag, 10. September, in der alten Werkstatt eine Foto- und Porzellanausstellung, die Einblicke in eine Arbeitswelt gibt, die (fast) schon wieder Vergangenheit ist.

Beginnend mit Meissen, wird seit fast 300 Jahren in Deutschland Porzellan hergestellt. Die Zentren lagen traditionell in Thüringen, Schlesien und Nordbayern. So bekannte Namen wie Rosenthal, Hutschenreuther, Heinrich, Seltmann und andere sind dort beheimatet. Das Europäische Industriemuseum für Porzellan ist in Selb und somit im Zentrum der mitteleuropäischen Porzellanindustrie angesiedelt. Es befindet sich in einer ehemaligen Porzellanfabrik und zeigt am authentischen Ort die Entwicklung der Technik, das Arbeiten, die Menschen.

Die Bezeichnung „weißes Gold“ stammt noch aus dem 18. Jahrhundert, als Porzellan selten und kostbar war. Die Herstellung der Porzellanmasse aus Kaolin, Feldspat und Quarz, das Drehen der Teller und Tassen, das Gießen der Kannen und Vasen, das mindestens zweimalige Brennen, die Dekoration durch Stahldruck, Buntdruck oder die hochwertige Handmalerei. All dies sind Schritte der Porzellanherstellung, die in der Ausstellung anhand alter Fotos gezeigt wird. Sie spannt einen Bogen von den Anfängen des 19. Jahrhunderts bis 1960 und
konzentriert sich auf die alte und keineswegs nur gute Zeit der Porzellanproduktion: Konzentrierte Arbeit spiegelt sich in den Gesichtern, aber auch die körperlichen und gesundheitlichen Belastungen werden deutlich. Silikose war auch in der Porzellanindustrie verbreitet!

Um 1900 wuchsen die Porzellanfabriken auf teilweise über 1000 Beschäftigte an. Was früher dem Adel und Bürgertum vorbehalten war, wurde nun für jedemann erschwinglich. Massenproduktion hielt Einzug – gut zu erkennen an den vielen nebeneinander im Akkord arbeiten-den Drehern und Gießern. Preisgünstige Dekorationen wie der Bunt- oder Stahldruck ergänzten die teure Malerei. Deutschland wurde zum wichtigsten europäischen Porzellanproduzenten mit einem hohen Exportanteil.

Angereichert wird die Fotoausstellung durch eine Auswahl an Porzellangeschirren aus der Sammlung des Deutschen Porzellanmuseums in Hohenberg. Festtagsporzellan vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts – ein Eindruck von dem, was sich unsere Eltern und Großeltern zu den besonderen Gelegenheiten auf den Tisch stellten und ansonsten sorgfältig verwahrten. Historismus, Jugendstil, Art Deko, Funktionalismus sind Stilformen, die von allen Herstellern umgesetzt wurden. Sorgfältig bemalte Ragouts und Schüsseln, üppige Ätzgoldkanten, klassische Stahldruckdekore... hier findet man alles, was über zwei Generationen gängig oder auch der letzte Schrei war.
Und wer mehr wissen will, kommt nicht umhin, das Herz der europäischen Porzellanindustrie im Fichtelgebirge mit seinen Museen und Werksverkäufen selbst zu besuchen.