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Hitze und Rauch in der Glashütte Aeule im Schwarzwald (Holzstich von ca. 1880). Repro: LWL
Glashüttenarbeit - Grafiken, Postkarten und Fotos zeigen „Höllenarbeit“

So, 3.12.06 bis So, 4.3.07

Gluthitze und Rauch dringen aus den Öffnungen des Schmelzofens in der Glashütte Auele im Schwarzwald. Männer arbeiten mit nacktem Oberkörper, tragen nur Pantoffeln an den Füßen. Als Hitzeschutz dienen Kopftücher, die an die Hörner von Teufeln erinnern. Der Holzstich von 1880 erweckt unwillkürlich Assoziationen an die Hölle. Das Bild ist eins von 80 Exponaten, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab Sonntag, 3. Dezember, in seinem Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund zeigt.
Die grafischen Blätter, Fotografien und Postkarten aus drei Jahrhunderten stammen zum großen Teil aus der eigenen Sammlung. Außerdem zu sehen sind ausdrucksstarke Arbeitsfotos aus dem Museum Baruther Glashütte in Brandenburg als Kooperationspartner des Projektes. Lauensteiner Prachtpokale sowie typisches Alltagsglas aus dem 18. bis 20. Jahrhundert ergänzen die Präsentation.

„Wir zeigen die Blätter vorrangig als historische Quellen zur Geschichte der Glasherstellung“, erläutert Dr. Thomas Parent, stellvertretender Museumsdirektor. Herstellungstechniken, Arbeitsschritte, Qualitätsanforderungen, Mechanisierung und schließlich die Arbeitsbedingungen in der Branche stehen im Vordergrund. So zeigt etwa der Holzstich „Manufacture of Glass Bottles“ von 1869, wie halbwüchsige Jungen die fertig geblasenen Glasprodukte auf langen Gabeln in Kühlöfen eintragen. Haltung und Gesichtszüge dieser jugendlichen Arbeiter spiegeln Anstrengung und Erschöfpung wider. „Uns ging es um die Botschafterrolle der Bilder, um die Aura des Glasmachens, die sie ausstrahlen“, ergänzt Dr. Georg Goes, Leiter des Museums Baruther Glashütte. Wie das LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim an der Weser ist auch das Brandenburger Museum Glashüttenstandort mit denkmalwerten historischen Fabrikbauten und Arbeiterhäusern aus dem 19. Jahrhundert.
 
Auf dem Foto sieht man vier Frauen, die unter jedem Arm große Zylinder aus Glas tragen.
In einer belgischen Glasfabrik transportieren Frauen riesige Glaswalzen (Ansichtskarte aus dem Ersten Weltrkieg). Repro: LWL
Historische Ansichtskarten dokumentieren traditionsreiche Glasfabriken in Jena und Dresden, Weißwasser in der Oberlausitz und Oberschreiberhau im Riesengebirge. Zu sehen sind aber auch Karten aus Nordrein-Westfalen, zum Beispiel aus Oberhausen, Witten und Wickede an der Ruhr. Berücksichtigt werden zudem „Weserglashütten“ in Obernkirchen, Porta-Westfalica und Gernheim bei Minden. Eine Postkartenserie aus Rinteln zeigt in melodramatischer Lichtstimmung, wie riesige Gärballons geblasen werden. Bei einer Serie aus einer belgischen Flachglashütte fällt auf, dass hier auch Frauen bei der kräftezehrenden Arbeit am Ofen eingesetzt werden.

Zur Ausstellung erschien ein umfangreicher, reich bebildeter Begleitband (Glashüttenarbeit, hg. Thomas Parent und Georg Goes, Essen/Klartext-Verlag, 19.80 €). Das Projekt wurde durch den Austauschfonds Ost-West der Kulturstiftung des Bundes großzügig gefördert.