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Ein Grubenwehrmann birgt einen toten Kameraden, vermutlich auf einer französischen Zeche um 1910.
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„Der oft gehörte Einwand mancher Besucher, die schönen Gebäude täuschten über die Härte der Arbeitswelt hinweg, wird hier widerlegt“, sagt Museumsleiterin und Ausstellungsmacherin Dr. Ulrike Gilhaus. So nah war man den Menschen, die auf Zollern gearbeitet haben, noch nie. Gilhaus weiter: „Die Zahl der tödlich Verunglückten fällt sofort ins Auge und der Besucher sieht, wie Jugendliche, kaum aus der Schule entlassen, abstürzten oder vom abgerissenen Kokereigewölbe erschlagen wurden. Alte, erfahrene Hauer sprangen in Panik wegen verdächtiger Geräusche aus dem Korb und erlitten einen Genickbruch.“ Die Ausstellung macht außerdem die Häufung der Unfälle in Kriegszeiten, bedingt durch den Einsatz von Bergfremden und Kriegsgefangenen sowie durch vernachlässigten Ausbau, deutlich.
Die Dokumentation belegt schließlich auch den allmählichen Rückgang vermeidbarer Unfälle. Denn auffällig oft starben in den ersten dreißig Betriebsjahren Männer jeder Altersgruppe über Tage - gerade ihre Zahl ging seit 1930 erheblich zurück. Deutlich wird, dass auch eine Zeche, die wie Zollern von Massenunglücken verschont blieb, den Familien einen hohen Tribut abverlangte. Manche Familien haben hier mehrere Angehörige verloren, und im Durchschnitt starben in jedem Betriebsjahr 2,5 Männer bei der Ausübung ihrer Arbeit. Am Einzelschicksal wird auch deutlich, was Solidarität unter Tage bedeuten konnte: 1915 verunglückten auf Zollern zwei Hauer bei dem Versuch, einen durch Sprengstoffgasschwaden bewusstlosen Kameraden zu retten. Alle drei wurden tot geborgen. In den meisten der 161 Fälle konnten Name, Todesdatum, Alter, berufliche Funktion und Todesumstände rekonstruiert werden. Lediglich zehn Männer blieben trotz aller Bemühungen unbekannt, aber aufgrund der Betriebsstatistik wissen die Museumsmitarbeiter, in welchem Jahr sie starben.
„Die Ausstellung verbindet das Thema des Todes mit den starken religiösen Traditionen im Bergbau, die aus der ständigen Bedrohung durch Unfallgefahren resultierten“, erzählt Dr. Ulrike Gilhaus. Diese Verbindung von Bergbau und Glauben fand in den „Bergbaugemeinden“ des Ruhrgebietes ihren Niederschlag darin, dass Objekte der bergbaulichen Arbeitswelt in den Kirchen sakrale Funktionen übernahmen: So gab es Altäre aus Kohle, die nicht von Kerzen, sondern von Grubenlampen geschmückt wurden. Elemente der Arbeitswelt vermischten sich mit christlichen Bildmotiven, wenn z.B. Fenster und Wandmalereien Heiligenfiguren vor stilisierten Fördergerüsten zeigten. Schauobjekt der neuen Abteilung ist eine hinterleuchtete Replik des sogenannten Bergmannsfensters der evangelischen Kirche St. Stephani in Gladbeck-Zweckel, entworfen in den 1950er Jahren. Das Motiv verbindet Angst vor Verschüttung unter Tage mit christlicher Verheißung und Hoffnung. Es ist das einzige bekannte Objekte, das auch textlich durch Psalm 71, Vers 20 eine Verbindung von Glauben und bergbaulicher Arbeitswelt herstellt.
Eröffnung: 9.9.2007, ökumenische Andacht, 15 Uhr in der Lohnhalle
Öffnungszeiten: Di- So 10 – 18 Uhr
Ausstellungsort: LWL-Industriemuseum Zeche Zollern Grubenweg 5, 44388 Dortmund
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