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Ein vier Meter hoher Turm - gemauert aus Ziegeln aus dem histoischen Brennofen - bildet das Zentrum der Installation.
Atelier. Industrie

Die Portraitgalerie und der
wandernde Turm zu Lage

bis 1.5.2008


125 tönerne Köpfe - montiert auf runden Säulen und überragt von einem vier Meter hohen Turm – begleiten seit dem 20.6. die Besucher auf dem Gelände des Ziegeleimuseums in Lage. An diesem Tag eröffnete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Industriemuseum die Ausstellung „Die Portraitgalerie und der wandernder Turm zu Lage“ (bis 7.10.2007). Es ist der Auftakt zu einem Zyklus, der den Bildhauer Karl Manfred Rennertz zu allen acht Standorten des LWL-Industriemuseums führen wird. Überschrieben ist die Reihe mit „Atelier.Industrie“.
„Wir haben diesen Titel bewusst gewählt, weil Karl Manfred Rennertz bei uns nicht nur Ausstellungen zeigt, sondern in unseren Häusern auch arbeitet. Seine Werke entstehen in Auseinandersetzung mit dem Material und werden inspiriert durch die Atmosphäre an den Orten ihres Entstehens“, erklärte Museumsdirektor Dirk Zache bei der Vorstellung des Projektes in Lage.
In Lage haben die historischen Gebäude und Maschinen der alten Ziegelei den Professor für plastisches Gestalten und seine Studenten von der Fachhochschule Detmold zu dem außergewöhnlichen Projekt angeregt; es ist gleichzeitig ihre Jahresarbeit. Aus rotem Ton modellierten sie Köpfe, wobei sie sich gegenseitig Modell standen. Die Portraitbüsten montierten sie auf kleine klassische Rundsäulen, die aus 6.000 halbrunden Ziegeln gemauert sind. Die notwendigen Formen fertigte die Schreinerei des Ziegeleimuseums nach Entwürfen der Studierenden an. „Im Ringofen haben wir die Ziegel dann im letzten Winter gebrannt“, erklärt Museumsleiter Willi Kulke. Stein für Stein entstand so – wie früher – in Handarbeit. Insgesamt wurden 15 Tonnen Lehm für das Projekt verarbeitet.
 
Das Bild zeigt Karl Manfred Rennertz und zwei Studentinnen beim Formen eines Tonkopfes. Bild: LWL
Karl Manfred Rennertz und Studentinnen formen einen Kopf aus Ton. Foto: LWL
Zu einer Säulenreihe aufgestellt, umfassen die Köpfe nun den großen Freihof der Ziegelei. Das Rundprofil der Steine und die Reihung der Säulen entlang des Wegs erinnern an Backsteingotik. Schaut man in die Gesichter, so holen einen Brillen, Piercings und Frisuren der Dargestellten schnell wieder in die Gegenwart zurück.
Der vier Meter hohe, runde Turm entstand aus einzelnen, ebenfalls in Handarbeit gefertigten Steinen. Krümmung und Größe der Steine waren vorgegeben, die Oberflächen konnten frei gestaltet werden; auf der Innenseite sind alle signiert. Lage für Lage wurden die Steine in den vergangenen Wochen zur großen Rundform aufgesetzt und verspannt. Das Prinzip der Trockenmauer und die Drahtverspannung erlauben es, den Turm zu demontieren und wandern zu lassen.
Durch eine schmale Wandöffnung hindurch können Besucher den Turm betreten. Die gemauerte Wand des Innenraums wirkt wie von Graffiti-Spuren vieler Besuchergenerationen gezeichnet.

 
Karl Manfred Rennertz bearbeitet Bäumstämme auf Zeche Zollern
Kunst mit der Kettensäge: Karl Manfred Rennertz bearbeitet Baumstämme auf der Zeche Zollern.
Karl Manfred Rennertz im LWL-Industriemuseum

Karl Manfred Rennertz, der an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Professor Alfonso Hüppi studierte und seit fast 30 Jahren national und international als freier Bildhauer arbeitet, hat seit 2004 eine Professur an der Fachhochschule Detmold.

Holz ist das bevorzugte Material seiner künstlerischen Arbeit. Baumstämme und Holzblöcke bearbeitet er mit der Kettensäge und formt sie mit mehr oder weniger tiefen Schnitten zu feingliedrigen wie grobsplittrigen Skulpturen in humaner oder floraler Gestalt. Seine aus dem Material gelösten, oft überlebensgroßen Figuren akzenturiert er durch Farben oder verwandelt und schwärzt sie durch Feuer mit dem Flammerwerfer.
Seine Skulpturen erschafft Rennertz in direkter Auseinandersetzung mit dem Material und den Orten, an denen sie entstehen. Sie sind ihm Inspiration, denn jeder hat seine ganz eigene von Geschichte und Kultur geprägte Atmosphäre, die der Künstler reflektiert und auf die er im Werkprozess reagiert. So bewegen sich auch die Arbeiten, die an den Standorten des LWL-Industriemuseums entstehen, im Spannungsfeld zwischen Natur und Technik, Mensch und Industrie, Skulptur und Industriedenkmal. Dirk Zache: „Das ‚Atelier.Industrie’ regt dazu an, sich mit dem künstlerischen Werk wie mit den industriell geformten Orten des Museums auseinanderzusetzen.“

Die drei ersten Stationen des Zyklus „Atelier.Industrie“ sind:

20.6. bis 7.10.2007
Ziegeleimuseum in Lage
Atelier.Industrie. Die Portraitgalerie und der wandernde Turm zu Lage

30.9. bis 28.10.2007
Zeche Zollern, Dortmund
Atelier.Industrie. SägeWerk - Skulpturen von Karl-Manfred Rennertz. Auf der Zeche Zollern verwandelt der Bildhauer Stämme der historischen Lindenallee, die im Januar dem Sturm „Kyrill“ zum Opfer gefallen waren, mit den groben Schnitten seiner Kettensäge zu feingliedrigen Skulpturen.
Hier finden Sie mehr Informationen zu dieser Ausstellung.

11.11.2007-13.1.2008
Glashütte Gernheim, Petershagen
Atelier.Industrie. In Glas gegossen - in Holz gesägt, Skulpturen von Karl Manfred Rennertz.
In Gernheim werden am Schmelzofen kleine Figuren gegossen, rund geschwungene Idole aus farbigem Glas und eine blaue Maske auf goldenem Sockel. Sie treffen in der Ausstellung auf die gewaltigen Holzfigurationen des Bildhauers.
Mehr Informationen zu dieser Ausstellung hier!

10.5.2008-31.7.2008
Schiffshebewerk Henrichenburg, Waltrop
Atelier.Industrie: SägeWerk, Skulpturen von Karl Manfred Rennertz. Holz ist das bevorzugte Material des Bildhauers, die Kettensäge sein bevorzugtes Werkzeug. Beim Schiffshebewerk wird er die Themen „Wasser“ und „Schiffe“ in die Herstellung seiner Skulpturen einbeziehen.
Hier finden Sie zur Ausstellungsvorschau.

Weitere Informationen zu Karl Manfred Rennertz finden Sie auf seiner Homepage.
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