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Kultur --> Westf. Industriemuseum --> Henrichshütte Hattingen --> Ausstellung Zwangsarbeit
 
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Zwangsarbeit in Hattingen. Eine Ausstellung - Zwei Orte
15. April bis 27. Juli 2003
 
Viktor Babenko (77) und Iwan Shurujew (75) - ehemalige Zwangsarbeiter der Henrichshütte, leben heute in Doniezk in der Ukraine.
"Wir arbeiteten zu dritt bei der Rangierlokomotive: ein Franzose, ein Deutscher und ich. Der Deutsche sagte uns, was wir machen sollten. Der Franzose konnte Deutsch, er übersetzte für mich. Es gab viel zu tun, und dieser Deutsche trieb mich viel. Der Franzose sah, dass ich keine Kräfte hatte, ich arbeitete doch 12 Stunden, er verteidigte mich etwas. Morgens bekamen wir Brühsuppe und 100 Gramm Brot, die nächste Mahlzeit gab es erst abends. Ich weiß nicht, wie viele von uns am Leben geblieben wären, wenn wir dort länger geblieben wären."

16 Jahre alt war Viktor Babenko, als er 1942 von den deutschen Besatzern nach Hattingen verschleppt wurde. Der heute 77-Jährige aus der Ukraine gehörte zum Heer der 4.200 Zwangs- und Fremdarbeiter, die im Zweiten Weltkrieg die Rüstungsproduktion der Henrichshütte aufrecht erhielten. Fast die Hälfte der Belegschaft bestand damals aus Ausländern.
 
Franzosen, Italiener, Niederländer, Belgier, Polen, Serben, Russen, Ukrainer – Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder – rund 10.000 Menschen aus ganz Europa lebten in über 80 Lagern überall in Hattingen und Umgebung. Wenige folgten den Anwerbungen freiwillig. Die meisten wurden von den Deutschen aus ihrer Heimat verschleppt. Die deutschen Männer waren "an der Front". In Betrieben, auf Bauernhöfen und in Privathaushalten fehlten Arbeitskräfte. Nach dem Einmarsch der Alliierten am 15.4.1945 verschwanden die meisten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter innerhalb weniger Monate aus Hattingen. Sie gerieten schnell in Vergessenheit.

Nach fast 60 Jahren, im Zuge der Diskussion um Entschädigungszahlungen, kehren die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wieder ins Gedächtnis zurück. Jede deutsche Stadt ist in die Pflicht genommen. Auch Hattingen bekennt sich zu seiner Geschichte und Verantwortung. Der Rat beschließt, das Schicksal der Zwangsarbeiter in Hattingen mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger weiter zu erforschen und zu dokumentieren.

Das Stadtarchiv Hattingen setzt diesen Auftrag zusammen mit dem Stadtmuseum und dem Westfälischen Industriemuseum Henrichshütte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) um. Ihr gemeinsames Projekt "Zwangsarbeit in Hattingen" weckt Erinnerungen, holt Menschen ins Bewusstsein zurück, die jahrelang in Hattingen unter Zwang gearbeitet und fern der Heimat gelebt haben und gestorben sind. Es bietet aber auch die Möglichkeit, sich mit der eigenen Lebenswelt auseinander zusetzen: Wo und wie begegnen uns heute Zwang, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung und wie gehen wir damit um?
 
Zwangsarbeiter in Hattingen auf dem Weg vom Lager zur Arbeit (1941).
Stadtmuseum Hattingen:
"Leben oder überleben"
Franzosen, Niederländer, Russen – alle sind sie Europäer, aber behandelt wurden sie nach der Rassenideologie der Nazis. "Für die Faschisten waren wir keine Menschen", schreibt der Ukrainer Anatolij N., eingesperrt in einer Baracke in Hattingen, in sein Tagebuch. Kälte, Hunger, Schläge und Angst bestimmten den Tag für die Zwangsarbeiter aus Osteuropa: Überleben war ihr Ziel. Die Westeuropäer dagegen erhielten bessere Unterkünfte, hatten Kontakt zuer Heimat - lebten. Baracke, Pensionszimmer oder Lager? Die Auseinandersetzung mit der extrem unterschiedlichen Lebens-situation und Unterbringung der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen sind Thema im Stadtmuseum.
 
Zwangsarbeiter stapeln Granathülsen auf der Henrichshütte (um 1942).
Industriemuseum: 100 Gramm Brot und 12 Stunden Arbeit

1941 ging der 15-jährige Wladimir J. aus Debalzewo ging noch zur Schule, die 16-jährige Galina H. aus Kramatorsk träumte davon, Textilingenieurin zu werden. Beide fanden sich ein paar Jahre später auf der Henrichshütte in Hattingen wieder. Wladimir säuberte in der Gießerei die Rinnen vom erstarrten Eisen, Galina putzte die Wachtürme in einem Lager. Wie sie dort gelandet sind, unter welchen Bedingungen sie arbeiten mussten und was aus Ihnen geworden ist, zeigt das Industriemuseum am authentischen Ort Henrichshütte.
 
Ehemaliger Luftschutzstollen der Henrichshütte, fotografiert während einer Nikolausfeier.
Luftschutzstollen:
Ein Produkt der Zwangsarbeit
Nach einem missglückten Fluchtversuch 1944 wurde der 17-jährige Iwan S. zur Strafe dem Bau eines Luftschutzstollens auf der Henrichshütte zugeteilt. Unter schwerer Bewachung musste er den in den Ruhrhang gesprengten Tunnel ausbauen. Nutzen durfte er ihn nicht. Der Stollen diente ausschließlich den Angestellten und Arbeitern der Henrichshütte und ihren Familien zum Schutz. Anläßlich der Ausstellung "Zwangsarbeit in Hattingen" macht das Industriemuseum den Luftschutzstollen erstmals Museumsgästen zugänglich. Im Stollen erfahren sie, wie dieses "Produkt" von Zwangsarbeit entstand und genutzt wurde.
Die Führungen durch den Luftschutzstollen unter dem Motto „Wir schaufelten die Stollen“ dauern 45 Minuten und kosten pro Gruppe 20 € plus Eintritt (freitags frei). Der Besuch des Stollens kann auch mit einer Führung durch die Zwangsarbeiter-Austellung auf der Henrichshütte kombiniert werden. Das Komplettprogramm dauert 2,5 Stunden und kostet pro Gruppe 35 € plus Eintritt (freitags frei).
Vom 31.Mai bis zum 26.Juli bietet das Industriemuseum zusätzlich jeden Samstag eine offene Führung an. Der Rundgang durch den Stollen beginnt um 15 Uhr und kostet 1 € plus Museumseintritt. Informationen und Anmeldungen im Sekretariat des Industriemuseums Henrichshütte unter Tel. 02324 9247-0




Veranstaltungen und Führungen

In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, dem Kulturbüro, der Stadtbücherei, dem Stadtarchiv und der vhs Hattingen ist ein facettenreiches Begleitprogramm entstanden. Einen Überblick über die Veranstaltungen und das Führungsangebot zur Ausstellung.
 
Öffnungszeiten und Kontakt:

Stadtmuseum Hattingen
Marktplatz 1-3
45527 Hattingen-Blankenstein
Tel. 02324 68161-0
E-Mail: stadtmuseum@hattingen.de
Internet: www.stadtmuseum.hattingen.de
geöffnet: Di, Mi, Fr, Sa, So 11-18 Uhr, Do 15-20 Uhr

Westfälisches Industriemuseum Henrichshütte
Werksstraße 25
45527 Hattingen
Tel. 02324 9247-0
E-Mail: henrichshuette@lwl.org
geöffnet: Di-So 10-18 Uhr, Fr 10-21.30 Uhr
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