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Polnische Kinder beim Zechenfest auf Zollverein, 2004. Foto: Plonka
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Westfalczycy - Ruhrpolen
Zuwanderer aus Polen im Ruhrgebiet 1871 bis heute
18.8. bis 28.10.2007
Ausstellungsort: LWL-Industriemuseum Zeche Hannover, Bochum-Hordel
Vor 100 Jahren kamen die ersten Polen ins Revier, um hier die Kohle aus dem Berg zu holen, heute pflegen "Pendelmigrantinnen" aus dem Nachbarland unsere alten Menschen.
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Überblick und Publikation
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Die Ausstellung schlug einen Bogen von den Anfängen der polnischen Migration bis zur gegenwärtigen polnischen Kultur an der Ruhr. Der Schwerpunkt lag auf der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg - von den Zwangsarbeitern und Displaced Persons über die Solidarnosc-Flüchtlinge und Spätaussiedler der 1980er Jahre bis zur Nachfolgegeneration, die heute ihre Zukunft im zusammenwachsenden Europa sucht.
Mehr als 120 Objekte haben die Ausstellungsmacher zusammengetragen, Erinnerungen von Zeitzeugen aufgenommen und Interviews mit deutschen und polnischen Jugendlichen geführt. Zehn Hör- und vier Videostation dokumentierten die Ergebnisse der Gespräche.
Nach der Ausstellung „Neapel – Bochum - Rimini“ hat das LWL-Industriemuseum Zeche Hannover erneut das für das Revier so wichtige wie aktuelle Thema Migration in den Blick genommen. Gleichzeitig bildete die Ausstellung „Westfalczycy“ einen Meilenstein im Rahmen des deutsch-polnischen Themenschwerpunkts des LWL-Industriemuseums mit Ausstellungen in seinen acht Standorten in den Jahren 2006 und 2007.
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Foto: LWL
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Zur Ausstellung ist ein wissenschaftlicher Begleitband mit Katalogteil erschienen:
Dagmar Kift, Dietmar Osses (Hg.): Polen - Ruhr. Zuwanderungen zwischen 1871 und heute
(= LWL-Industriemuseum Quellen und Studien Band 14), 164 S., zahlreiche, meist farbige Abbildungen. Klartext Verlag Essen, ISBN 3-89861-851-X. Das Buch kostet 14,90 EUR und ist in den Museumsshops des LWL-Industriemuseums sowie über den Buchhandel erhältlich.
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Beim deutschen Angriff auf Polen 1939 drang ein Schuss in das Gebetbuch ein - dieses rettete einem polnischen Soldaten das Leben, der es in seiner Brusttasche getragen hatte. Foto: Polnische Katholische Mission in Dortmund
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Zwischen der Gründung des Deutschen Reichs und dem Ersten Weltkrieg kam mehr als eine halbe Million Menschen aus Posen, Schlesien und Masuren in das rheinisch-westfälische Industriegebiet, um hier in kurzer Zeit Geld für ein besseres Leben in der Heimat zu verdienen. Sie arbeiteten vor allem im Bergbau. In den sogenannten “Polenzechen” im Raum Gelsenkirchen, Herne, Recklinghausen, Essen und Wattenscheid stellten sie mehr als die Hälfte der Belegschaft.
Der katholische Glaube spielte im Alltag der Polen eine zentrale Rolle. Fahnen von polnischen Gebetsbruderschaften und religiösen Vereinen gaben in der Ausstellung einen Eindruck davon. Im Umfeld der in Bochum ansässigen polnischen Seelsorger entstanden um die Jahrhundertwende die bedeutendsten polnischen Organisationen. Bochum entwickelte sich zum organisatorischen und kulturellen Zentrum der Polen im Revier. In der nationalistischen Grundstimmung der ansässigen Bevölkerung bildeten sich bald Vorurteile gegen die Polen aus, die oft als laut, auf den eigenen Vorteil bedacht und wenig ordnungsliebend dargestellt wurden, wie Spottpostkarten und Spottgedichte in der Ausstellung zeigten.
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Madonna-Statue des ehemaligen Lagers für „Displaced Persons“ in Haltern. Foto: St. Sixtus Gemeinde, Haltern
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Zwangsarbeiter und „DP’s“
In der Zeit des Nationalsozialismus gerieten die Polen immer mehr unter Druck, bis mit dem deutschen Überfall auf Polen selbst polnische Funktionäre im Ruhrgebiet verhaftet und in Konzentrationslager gebracht wurden. Dokumente und Briefe des Bergmanns Walenty Łukowiak aus dem KZ Sachsenhausen zeichneten den Weg vom Funktionär zum Verfolgten nach.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden 1,7 Millionen Polen als Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene nach Deutschland gebracht. Rund 40.000 von ihnen mussten in den Bergwerken des Reviers arbeiten. Nach Kriegsende konnten die meisten Polen nicht in ihre Heimat zurückkehren. Sie wurden als „Displaced Persons“ (DPs) in Lagern untergebracht. Die Ausstellung berichtete eindringlich mit Zeitzeugenberichten und Erinnerungsstücken über die Zeit des DP-Lagers in Halten 1945-1947 sowie die 1951 errichtete DP-Siedlung in Dortmund-Eving, in der bis heute eine aktive polnische Gemeinschaft lebt.
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Solidarnosc-Wimpel der Zeche Pokoj, Ruda Slaska, (vormals Ruda), Anfang 1980er Jahre. Foto: Matuszczyk
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Solidarność-Flüchtlinge und Spätaussiedler
Das harte Vorgehen der polnischen Regierung gegen Kritiker und Oppositionelle im Umkreis der Solidarność-Bewegung brachte Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre rund 250.000 Polen als Flüchtlinge nach Deutschland. Viele von ihnen ließen sich im Ruhrgebiet nieder. Die Fluchtausrüstung des studentischen Oppositionellen Marek Wolski-Poliwski und Erinnerungsstücke des Solidarność-Funktionärs Josef Matuszyk aus dem Internierungslager Zabrze sowie lebensgeschichtliche Erinnerungen zeichneten davon in der Ausstellung ein beeindruckendes Bild.
Mit der Ausreisewelle der späten 1980er Jahren kam gut eine Million polnischer Zuwanderer nach Deutschland, rund 200.000 von ihnen zogen ins Ruhrgebiet. Mit acht Lebensgeschichten hat die Ausstellung den Weg in den Westen nachgezeichnet und das Spektrum der Lebensentwürfe vom Arzt über einen Spediteur, Koch, Künstler, Lehrer bis hin zum Betreiber eines Internet-Radios gezeigt.
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Hör- und Videostationen in der Ausstellung dokumentieren den deutsch-polnischen Alltag im Revier. Foto: LWL/ Florian TV
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Polen im Ruhrgebiet heute
Den Abschluss der Ausstellung bildete der Blick in die Gegenwart und Zukunft der Polen im Ruhrgebiet. Vier Videostationen eines Jugendprojekts des LWL-Industriemuseums mit dem Jugendförderkreis Dortmund und dem Städtischen Jugend– und Medienhaus "inpoint" in Bochum-Langendreer gaben einen Einblick in den deutsch-polnischen Alltag der Nachfolgegeneration der Spätaussiedler. Hier zeigten die Jugendlichen ihr Selbstverständnis, berichteten von Vorurteilen und äußerten ihre Wünsche für die Zukunft im zusammenwachsenden Europa.
Zur Ausstellung gab es für die Besucher ein umfangreiches Begleitprogramm.
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