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Der Gernheimer Glasturm.
Der Gernheimer Glashütten von 1826.
175 Jahre Glasturm

Vor 175 Jahren stand die Glashütte Gernheim in voller Blüte. Gernheimer Glas wurde in alle Welt exportiert. Zur Erweiterung der Produktion und insbesondere zur Fertigung von Fensterglas im Mondglas- und Walzenverfahren ließ der Gernheimer Fabrikant Fritz Schrader 1826 ein neues Gebäude errichten, das man so an der Weser noch nicht gesehen hatte: Einen kegelförmigen Glasturm englischer Bauart, der Rauch und Abgase schneller ins Freie beförderte als die alten Hüttengebäude und die Öfen besser mit Luft versorgte. In der Mitte wurde ein Schmelzofen eingebaut, in zwei Anbauten die Kühlöfen, in den Nebengebäuden standen – soviel man weiß – ein Streckofen und ein Packerei.

Typisch für diese Expasionsphase der Gernheimer Hütte war, dass man nicht mehr in Fachwerk, sondern in Stein baute. Man verwendete zum Bau sehr wahrscheinlich Steine aus einer eigenen kleinen Feldbrandziegelei an der Kätchenburg. In der letzten Produktionsphase der Hütte baute man einen Boetiusofen ein. Nach der Stillegung der Hütte im Jahr 1893 verfiel der Turm immer mehr, Pflanzenbewuchs griff das Mauerwerk an, das Gebäude, von
dessen Typ es nur noch einen weiteren in Deutschland, in Steinkrug bei Hannover gibt, drohte einzustürzen.

1976 wurde der Glasturm dann von geschichtsbewussten Bürgern aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und mit eigener Initiative, mit Hilfe der Gerresheimer Glashütte/Glasfabrik Wittekind und des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege des LWL wieder in Stand gesetzt. Zum 150jährigen Glasturmjubiläum gab es ein großes Fest mit Ausstellungen, Vorträgen, Musik und Tanz – und der Glasturm rauchte wieder wie vor langer Zeit.

1979 wurden der Glasturm, die Arbeiterhäuser und die Korbflechterei der Glashütte Gernheim in das soeben gegründete Westfälische Industriemuseum übernommen und in den folgenden
Jahren restauriert. 1998 wurde die Glashütte Gernheim als Museum eröffnet und zieht seitdem jedes Jahr fast 30.000 Besucher aus nah und fern an. Der Glasturm raucht zwar nicht mehr, aber es wird wieder wie in alter Zeit Glas gemacht.

Zum 175. Geburtstag musste der Glasturm einer weiteren Restaurierung unterzogen werden.
Die schlechte Qualität der historischen Feldbrandziegel, der immer wieder auftretende Pflanzenbewuchs und auch die Verwendung ungeeigneter Materialien bei den Reparaturmaßnahmen ließen immer wieder Wasser in das Mauerwerk eindringen und machten eine grundlegende Sanierung erforderlich. Von März bis Juni 2001 sah der Glasturm daher aus wie ein Kunstwerk von Christo, hinter den Planen wurde gehämmert, geklopft und gemauert. Rechtzeitig zum Jubiläum wurde die Restaurierung des Glasturms im Sommer 2001 beendet. der 175. Geburtstag des Wahrzeichens wurde im September mit einem Museumsfest gefeiert.