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Textilgeschichtlicher Stadtplan
Wo hat in Bocholt die erste Fabrik gestanden? Wer hat vor der Firma Siemens das große Gebäude an der Kaiser-Wilhelm-Straße genutzt oder wo stehen interessante Fabrikantenvillen und Arbeitersiedlungen? Auf diese und weitere Fragen gibt der Textilgeschichtliche Stadtplan Auskunft.
Das LWL-Textilmuseum hat diesen Plan in Zusammenarbeit mit der Stadtmarketing Gesellschaft, dem Verein für Heimatpflege e.V. sowie dem Fachbereich Schule, Bildung und Kultur der Stadt Bocholt herausgegeben. Den Anstoß gab das Jubiläum "150 Jahre Dampfmaschine in Bocholt".
Der Plan ist im Textilmuseum, in der Stadtinformation und in den Bocholter Buchhandlungen zum Preis von 1,50 Euro erhältlich.
Bocholt zählt zu den wichtigsten Textilstädten in Deutschland. Trotz Kriegszerstörung und vieler Firmenzusammenbrüche seit den 1960er Jahren findet sich eine Fülle von Spuren zur Architektur, Sozial- und Technikgeschichte des Textilsektors im Stadtbild Bocholt wieder. Die vor über 120 Jahren angelegte enge Verknüpfung von Textilfabriken und Wohngebieten prägt bis heute weite innenstadtnahe Bereiche.
Die bis heute eindrucksvollen Gebiete mit Fabriken, Wohnhäusern und Fabrikantenvillen lassen sich durch eine farbliche Hinterlegung auf dem Stadtplan ablesen. An Einzelbeispielen werden interessante Orte und textile Themen erläutert, deren Lage in der Stadt sich auf der Vorderseite des Stadtplanes lokalisieren lässt. Auf der Rückseite findet sich unter der jeweiligen Nummer ein Foto mit Text, der die jeweilige Besonderheit herausstellt.
So lag bis vor 150 Jahren Haus Woord inmitten von Gärten und Feldern als einzigen Haus vor den Toren der Stadt. Ab 1857 baute dessen Besitzer Ludwig Schwartz direkt daneben einen großen Fabrikkomplex aus Weberei und Spinnerei, der mittlerweile wiederum einer reinen Wohnbebauung gewichen ist. Das älteste erhaltene Fabrikensemble entstand ab 1880 an der Industriestraße mit Shedhallen und Spinnereihochbauten. In Bocholt spielten Watte- und Putzwollfabriken sowie die Ausrüstungsbetriebe mit Druckereien, Färbereien und Bleichereien von Beginn an eine große Rolle.
Die wahrscheinlich frühesten Beispiele genossenschaftlichen Arbeiterwohnungsbaus im gesamten Westmünsterland finden sich in Bocholt. Doch auch die Textilfabrikanten und vor allem der Bocholter Bauverein leisteten wegweisendes im Bereich des Wohnungsbaus. Die Unternehmer selbst errichteten repräsentative Villen in guter Wohnlage. Erhalten sind beispielsweise die in städtischem Besitz befindlichen Häuser der Musikschule und der Volkshochschule. Die ältesten Bauten an der Kaiser-Wilhelm-Straße und der Bahnhofstraße sind leider im Krieg untergegangen.
Mit Hilfe dieses thematischen Stadtplanes lassen sich die Orte und Denkmäler zu Fuß oder mit dem Rad erkunden. Er soll Anregung sein, einmal genauer hinzuschauen und sich mit diesem wichtigen Teil des kulturellen Erbes der Stadt zu beschäftigen.
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